Gegenstand der vorliegenden Studie sind Auswirkungen der
Internetkommunikation auf die Demokratie und ihre kulturellen Grundlagen.
Die Auseinandersetzung mit dieser vielfältigen Thematik erfolgt entlang der
nachstehenden Fragen:
-
Wie verändern sich durch das Internet die technischen Möglichkeiten für
politische Information, Kommunikation und Partizipation?
-
Welche durch das Internet induzierten kulturellen Veränderungen mit
Folgen für politische Kommunikation sind erkennbar?
-
Welche
Visionen und Potenziale des Internets für die Demokratie, aber auch
welche diesbezüglichen Befürchtungen wurden und werden wissenschaftlich
diskutiert, und wie sind diese heute einzuschätzen?
-
Wie sehen und nutzen Institutionen der Exekutive und Parlamente die
Internetkommunikation? Inwieweit trägt dies zur Realisierung der
Demokratiepotenziale des Internets bei?
-
Wie nutzen zivilgesellschaftliche Akteure das Internet für politische
Kommunikation und was verändert sich dadurch in der politischen Öffentlichkeit?
Inwieweit lässt sich die These vom Internet als neue Form politischer
Öffentlichkeit (»Netzöffentlichkeit«) stützen?
-
Wo liegen politischer Gestaltungsbedarf und politische Gestaltungsoptionen,
insbesondere beim Deutschen Bundestag?
Das Internet wird in dieser Studie somit als mögliches
Medium der Unterstützung und Stärkung der Demokratie untersucht. Auch in
Auseinandersetzung mit skeptischen Einschätzungen und Befürchtungen einerseits
und mit hoch fliegenden Visionen und
Erwartungen andererseits sucht dieser Bericht nach realistischen Antworten
auf die Frage nach den Auswirkungen des Internets auf politische Kommunikation
und demokratische Kultur.
Ungeachtet des faktischen politischen Bedeutungszuwachses
des Internets treten die einschlägigen Debatten – zumindest in Bezug auf die
übergreifende Einschätzung politischer Auswirkungen – oft auf der Stelle. Zwar
haben im wissenschaftlichen »Mainstream«
sowohl der »Cyberoptimismus« – der den Blick vor allem auf Potenziale
lenkt – als auch der »Cyberpessimismus« – der unerfreuliche Begleiterscheinungen
und mögliche Risiken der Entwicklung fokussiert – an Einfluss verloren. Die neue
Bescheidenheit, die sich u.a. in der häufigen, fast rituell anmutenden Betonung
des »Business-as-usual«-Aspekts politischer Netznutzung äußert, hat jedoch auch
ihre Schattenseiten: Weitreichende Hoffnungen wie Befürchtungen bestehen fort,
werden aber nur noch selten explizit und kritisch diskutiert. Sie üben so weiter
Einfluss aus, ohne als normativer Hintergrund deutlich sichtbar zu sein.
Ein Vorteil der Entwicklung der letzten Jahre ist aber die
verstärkte Hinwendung zur empirischen Erforschung tatsächlicher politischer
Nutzungsweisen des Internets, wobei verstärkt auch die zentralen politischen
Akteure in den Blick genommen wurden. Die vorliegende Untersuchung trägt dieser
Tendenz Rechnung und setzt sich zugleich mit weitergehenden
demokratietheoretischen Fragestellungen auseinander. Dabei waren der
Entwicklungsstand und die Potenziale des Internets zu berücksichtigen:
- Zum einen spricht – denkt man an frühere
medientechnologische Entwicklungen – einiges für die Annahme, dass sich
das spezifische Internet-»Mediendispositiv« bisher noch nicht herausgebildet
hat – dass bisher also viele Potenziale noch nicht realisiert sind und oft
Anwendungen vorherrschen, die – als Nachahmungen älterer medialer und nicht
medialer Praktiken – vermutlich Übergangsphänomene darstellen.
-
Zum anderen weist das Internet eine Reihe von Aspekten auf, die Annahmen
erheblicher quantitativer Sprünge und sogar neuer Qualitäten medialer
Information und Kommunikation nahe legen. Beispiele dafür sind die
Schnelligkeit, mit der durch das Internet große Mengen von Information (Texte,
Bilder und Töne) über weite Entfernungen übermittelt werden können, die
Entstehung gänzlich neuer Möglichkeiten medialer Kommunikation sowie die
weitreichenden Möglichkeiten der Abbildung, Speicherung und Archivierung von
kommunikativen Prozessen.
Vor diesem Hintergrund lässt sich der Argumentationsgang
wie folgt skizzieren:
- Ausgangspunkt bei dem normativen Leitbild einer deliberativen Demokratie, das
demokratietheoretisch gut begründet und im politischen Diskurs verankert ist;
- Befassung mit den möglichen Beiträgen des Internets
(Potenzialen) zur Verwirklichung dieser normativen Vorstellungen;
-
Blick in die Realität der politischen Internetkommunikation und Prüfung,
ob und inwieweit diese Potenziale bereits umgesetzt sind;
-
Bestimmung von fördernden Faktoren, aber auch von Hemmnissen, die
einer Umsetzung bislang im Wege stehen;
-
Nutzung dieser als Ansatzpunkte zur Identifikation politischer
Handlungsmöglichkeiten.
Auf diese Weise soll zur konkreten Einschätzung der
aktuellen politischen Nutzungsweisen des Internets beigetragen werden, ohne über
das Gegenwärtige hinausgehende Innovationspotenziale und mögliche Risiken
auszublenden.
Technischer und kultureller Wandel
Das Internet stellt neue Möglichkeiten der Information, der
Kommunikation und der Partizipation bereit. Das Internet ermöglicht
Datenübertragung, die
-
entfernungsunabhängig
(und damit potenziell global für »Fernkommunikation« nutzbar) ist,
-
preisgünstig und leicht bedienbar ist,
-
schnell
(praktisch ohne Zeitverlust) erfolgt und dabei Onlinekommunikation und
Interaktivität
ermöglicht,
-
dezentral
organisiert ist,
-
Möglichkeiten der Einspeisung von Informationen für jedermann
bereitstellt, und
-
durch
Links und Suchmaschinen Orientierung ermöglicht.
Im Gegensatz zu den traditionellen Massenmedien mit
One-to-many-Kommunikation und der Individualkommunikation (z.B. beim
Telefonieren) eröffnet die Kommunikation im Internet auch
Interaktionsmöglichkeiten in der Weise, dass von jedermann – also auch von
denen, die in der massenmedialen Kommunikation nur Empfänger sind – Inhalte bzw.
Informationen für einen potenziell globalen Adressatenkreis bereit gestellt
werden können. Durch die technischen Möglichkeiten des Internets wird damit
jeder Nutzer (a) potenziell auch zum Sender und hat (b) die Möglichkeit, direkt
auf Informationen anderer Nutzer/Anbieter zuzugreifen, wobei sich ein Zugang zu
Informationen ergibt, der in quantitativer und qualitativer Hinsicht historisch
beispiellos ist.
In Bezug auf die Möglichkeiten der Internetkommunikation
sind verschiedene Dienste und Anwendungen zu unterscheiden. Neben solchen, die
der Informationsverteilung dienen (wie z.B. Newsletter), stehen
Diskussionsformate (wie z.B. Onlineforen und Chats). Die Dienste und
Anwendungen weisen Unterschiede in Bezug auf ihre Potenziale für politische
Kommunikation auf und müssen entsprechend differenziert untersucht und bewertet
werden. Insgesamt ist, bei aller Betonung der Relevanz des Internets für
politische Kommunikation, allerdings zu beachten, dass – wie in der
Offlinekommunikation – nur ein eher geringer Anteil netzbasierter Kommunikation
politische Themen betrifft.
Durch neue technische Möglichkeiten der Kommunikation
ergeben sich nicht automatisch kulturelle Veränderungen. Es bedarf nicht nur
technischer, sondern auch soziokultureller Innovationen, um einen kulturellen
Wandel im Sinne von neuen individuellen wie kollektiven Kommunikations- und
Handlungsmustern herbeizuführen. Die wesentlichen sozialen und kulturellen
Wirkungszusammenhänge des Internets rühren weniger von seinen technischen
Eigenschaften her als davon, dass Menschen es zu einem alltäglichen sozialen
Interaktionsraum machen, es gleichsam »erobern« und sich aneignen, wodurch neue
gesellschaftliche Kommunikations- und Handlungsmuster entstehen.
Netzbasierte Kommunikation als technische Neuerung kann
daher nicht losgelöst von anderen Aspekten der Kulturentwicklung gesehen werden.
Die Veränderungen der modernen Lebensführung in den industrialisierten Ländern
zu »postmodernen« Formen sind weitaus vielfältiger und haben ihre Ursache nicht
allein in der Entstehung neuer technischer Artefakte; vielmehr ist es ein
komplexer Mix aus zahlreichen sozialen, politischen und technischen Faktoren,
der kulturelle Veränderungen bewirkt (oder auch verhindert). Netzbasierte
Kommunikation ist damit nur ein Faden im komplexen »Gewebe« der Kultur. Sozialer
und kultureller Wandel, an dem Formen netzbasierter Kommunikation maßgeblich
beteiligt sind, zeigt sich aber z.B. in Tendenzen zunehmender Individualisierung, der
Vervielfältigung kultureller Identitätsangebote und in kulturellen
Globalisierungsprozessen. Bei diesen Prozessen kommt es zu Wechselwirkungen
zwischen homogenisierenden Tendenzen (z.B. in Bezug auf die sprachliche
Vielfalt), neuen Verbindungen zwischen lokalen und globalen Kontexten
(»Glokalisierung«), Ansätzen zur Herausbildung posttraditionaler transnationaler
Kommunikationsgemeinschaften (z.B. im Bereich der NGOs, Netzkulturen und
Jugendkulturen) sowie neuen Formen sozialer Spaltung auf nationaler und globaler
Ebene (»Digital Divide«). Diese Entwicklungen gehören zum Hintergrund der
politischen Nutzung des Internets und werden dementsprechend an verschiedenen
Stellen der vorliegenden Studie angesprochen.
Absehbar ist, dass das Internet zur weiteren internen
Ausdifferenzierung der Gesellschaft beitragen wird, wobei neue Kommunikations-
und Informationsweisen entstehen. Durch netzbasierte Kommunikation werden
Individuen und Gruppen befähigt, sich zu bestimmten Anlässen
zusammenzuschließen, um gemeinsam als wichtig erachtete Ziele durchzusetzen. Es
sind ansatzweise neue kulturelle Muster in der Spannung zwischen Individualisierung und Fragmentierung auf der einen
Seite sowie Vergemeinschaftung und themenbezogenen gemeinsamen
Aktivitäten andererseits erkennbar. Die durch netzbasierte Kommunikation
ermöglichte »abwesende Präsenz« oder »virtuelle Gegenwart« auf vielen
gleichzeitigen Aktionsfeldern stellt den Internetnutzer aber auch vor neue
Herausforderungen. Sie bringt ein neues Entscheidungsdilemma auf der
individuellen Ebene mit sich, denn die Bürger müssen noch häufiger entscheiden,
welche Aktivitäten sie verfolgen wollen, um angestrebte politische Ziele zu
unterstützen.
Für die Ausgestaltung netzbasierter Kommunikation und ihre
Verbreitung deutet sich als weiteres Problem an, in welchem Umfang
interpersonale Kommunikation, die elektronische Spuren hinterlässt, auch als
vertrauenswürdige Kommunikation angesehen wird. Mechanismen oder Filter müssen
entwickelt werden, die in der Lage sind, Vertrauen in die gesendeten/empfangenen
Mitteilungen herzustellen. Hinsichtlich kultureller Praktiken netzbasierter
Kommunikation sollte das Moment der Selektion und Kontrolle der Kommunikations-
und Informationsangebote verstärkt berücksichtigt werden.
Internet und Demokratie – Tendenzen der wissenschaftlichen Debatte
Das Internet eröffnet als interaktives Medium grundlegende
Kommunikationsmöglichkeiten neu und ist damit auch demokratietheoretisch
relevant. Dies betrifft vor allem die Konstituierung von Öffentlichkeit und
Gegenöffentlichkeiten und die Möglichkeiten politischer Information,
Deliberation und Partizipation.
Die wissenschaftliche
Analyse hat zunächst klar die positiven Potenziale der Internetnutzung
für die politische Kultur in den Vordergrund gestellt. Angesichts
unbefriedigender Entwicklungen in den westlichen Demokratien (wie
Politikverdrossenheit, Wahlmüdigkeit und Legitimationsprobleme des
repräsentativen Demokratiemodells in zunehmend weniger hierarchisch
strukturierten Gesellschaften) erschien vielen die Nutzung des Internets als Königsweg der Problemlösung. Neue interaktive
Kommunikations-, Deliberations- und
Partizipationsmöglichkeiten wurden als Chance zur Wiederbelebung der
Demokratie gesehen.
Im Zuge weiterer Analysen und der Krise der
Internetökonomie folgte jedoch eine Phase der Ernüchterung. Der
Technikdeterminismus, nach dem bereits das Angebot neuer Technik ausreichen
würde, um neue Formen politischer Kultur zu begründen, erwies sich als
eindimensional und naiv. Denn zum einen kam in den Blick, dass das Internet neue
Probleme schafft, besonders hinsichtlich der Zugangsmöglichkeiten und der
Anforderungen an die Nutzer hinsichtlich ihrer Medienkompetenz in umfassender
Hinsicht. Zum anderen stellt sich die Realisierung der Potenziale des Internets
nicht von selbst ein. Nicht Technik löst die Probleme der Demokratie, sondern
Technik kann von gesellschaftlichen Akteuren eingesetzt werden, um die Probleme
zu lösen. Die Technik Internet muss sozial und kulturell aktiv »angeeignet«
werden, um ihre Potenziale zu entfalten.
Aktuelle Konzepte sind geprägt von dem »zweiten Blick« auf
die Rolle des Internets in der und für die Demokratie. Über die
Ernüchterungsphase hinausgehend folgen sie Spuren der real erkennbaren
Veränderungen politischer Kommunikation und betonen die Möglichkeit der
Intensivierung der Kommunikation zwischen Bürgern untereinander und zwischen
Bürgern und dem politischen System – ohne dabei gleich die Lösung der großen
Probleme der Demokratie zu erwarten. Sie setzen auf mittel- und längerfristige
Entwicklungen stärkerer gesellschaftlicher Interaktivität, Responsivität und
Deliberation unter Einschluss der Möglichkeiten, die das Netz zur
Effizienzsteigerung von Kommunikation und Informationsversorgung bietet.
Im transnationalen Bereich deuten sich Entwicklungen an,
die es rechtfertigen, auch von einem transnationalen Demokratiepotenzial des
Internets zu sprechen. So sind im europäischen Bereich, wenigstens in
Teilöffentlichkeiten und einigen Eliten, bereits Vernetzungsaktivitäten und Onlinedeliberationen in größerem Umfang zu
beobachten. Das Internet wird auch von transnational orientierten NGOs
und sozialen Bewegungen genutzt, vor allem um zu mobilisieren, Proteste oder
andere Aktivitäten zu bestimmten Anlässen (z.B. Weltgipfel) und Themen zu
koordinieren oder internationale Solidarisierungsaktionen in Gang zu setzen.
Zivilgesellschaftliche Akteure gehören in diesem Bereich zu den Vorreitern,
nationalstaatliche und übergeordnete demokratische Akteure stehen dadurch unter
dem Druck, sich ebenfalls an diesen Teilöffentlichkeiten zu beteiligen. Wenn
auch sicher bisher nicht von einer umfassenden europäischen oder gar globalen
Öffentlichkeit gesprochen werden kann, so gibt es doch deutliche Anzeichen
dafür, dass zu bestimmten Themen und unter einzelnen Gruppen – also in
Teilöffentlichkeiten – das Internet bereits erhebliche Folgen für politische
Kommunikation hat.
Politische Institutionen und Netzöffentlichkeit
Die Politik hat sich in den letzten Jahren hin zu
Netzöffentlichkeit und Netzkultur geöffnet und reagierte dabei auch auf die
Ansprüche von Bürgern, die das Netz als ein Mittel der einfachen und direkten
Kommunikation (auch im politischen Bereich) betrachten. Durch Fördermaßnahmen,
Vernetzung der eigenen Webangebote mit denen
nicht staatlicher Akteure, Teilnahme an Onlinediskussionen, dem eigenen
Experimentieren mit verschiedenen Onlinediskussionsformaten und die zunehmende
Bereitstellung von Informationen im Internet spielt die Politik mittlerweile
eine wichtige Rolle in der Netzöffentlichkeit. Zudem werden innerhalb der
Netzkultur und von politisch aktiven Bürgern vielfältige Aktivitäten zur
Stärkung und zum Ausbau digitaler Demokratie entfaltet. Von zentraler Bedeutung
für die weitere Entwicklung wird daher sein, wie sich jeweils die Logik, Kultur
und das Zeitregime der Politik mit den – oft netzkulturell grundierten –
Erwartungshaltungen stark kommunikationswilliger, an Partizipation
interessierter Bürger in Einklang bringen lassen werden. Weder politische
Kulturen noch Netzkulturen oder die Kultur bürgerschaftlichen Engagements
allgemein sind starre Gebilde: Allein durch die weiter zunehmende Durchdringung
vieler Lebensbereiche durch das Internet werden bestehende Unvereinbarkeiten und
Reibungsflächen aller Voraussicht nach an Bedeutung verlieren.
Bereits heute wird das Netz vielfältig für die
Kommunikation zwischen Politik und Bürgern genutzt, an verschiedenen Orten sind
Routinen entstanden. Auch international und auf EU-Ebene wurden in den letzten
Jahren die Aktivitäten zur E-Partizipation und Onlinediskussion verstärkt. Es
besteht programmatischer Konsens darüber, dass dem Internet eine wichtige Rolle
für eine Stärkung repräsentativer Demokratie zukommen kann. Trotzdem lässt sich
insgesamt gesehen immer noch von einer Experimentierphase sprechen. Einige
vorsichtige Einschätzungen der bisherigen Praxis sind aber schon möglich:
-
(Außerhalb Deutschlands) besonders weit entwickelt ist die Nutzung von
Onlinebefragungen im Rahmen von Anhörungen.
-
Onlinediskussionsformate (wie Foren, Chats, Weblogs mit Kommentarfunktionen
etc.) werden vielfach genutzt und das inhaltliche Niveau und der Grad an
Sachlichkeit der Diskussionen sind dabei häufig hoch.
- Erfolg versprechen vor allem Themen, die im
speziellen Interesse von Fachleuten und
besonders gut informierten Bürgern liegen, oder solche, bei denen bestimmte
Bevölkerungsgruppen politisch besonders stark betroffen sind.
-
Im Vergleich zu den Nutzerzahlen der klassischen Massenmedien ist die Zahl der
Nutzer staatlicher Onlinediskussionsangebote aber gering, die durch vermehrte
Werbung zu erschließenden Potenziale jedoch auch noch nicht ausgeschöpft. Die
Nutzung von Diskussionsergebnissen und (in den meisten Fällen auch) von
Befragungsergebnissen für den Zweck plebiszitärer Legitimation ist – vor allem
wegen der in der Regel relativ niedrigen Teilnehmerzahlen – nicht möglich.
Trotz vieler (im Sinn der offiziell proklamierten Ziele)
positiver Erfahrungen mit politischen Onlinediskussionsangeboten weist die
Politik zu diesem Bereich digitaler Demokratie – zumindest in Deutschland und
auf EU-Ebene – Verbesserungsbedarfe und Inkonsequenzen auf. Es fällt z.B. auf,
dass viele der Onlinediskussionsangebote nicht durchgängig den
Qualitätskriterien und Empfehlungen entsprechen, die von der OECD, der
Bundesregierung und anderen relevanten Akteuren selbst entwickelt worden sind.
Die kommunikativen
Potenziale des Internets führen allerdings auch hier nicht per se zu
einem verstärkten Engagement der Nutzer. Das Netz erleichtert aber die Kommunikation zwischen Bürgern und Staat und kann
insofern die politische Meinungs- und Willensbildung sowie die
Responsivität der Institutionen der repräsentativen Demokratie gegenüber
Ansprüchen und Erwartungen der Gesellschaft unterstützen. Bei entsprechender
Konzeption der Angebote ergeben sich auch neue Zugangsmöglichkeiten zum
politischen Prozess für gesellschaftliche Gruppen, die in dieser Hinsicht eher benachteiligt sind (z.B. Jugendliche,
Personen mit knappen Zeitressourcen oder geringer Medienkompetenz und
solche, die aufgrund ihrer Gefährdung auf Anonymität angewiesen sind).
Aus der Perspektive einer deliberativen »digitalen
Demokratie« – in der Politik durch netzbasierte Information und Einbeziehung der
Bürgerinnen und Bürger transparenter, effizienter und responsiver werden soll –
ist es zu begrüßen, wenn diejenigen Strukturen und Prozesse gefördert und
unterstützt werden, die ein erweitertes bürgerschaftliches Engagement
ermöglichen und zu einer vitalen politischen und kulturellen Netzöffentlichkeit
beitragen. Parlamente können hier durch die eigenen Websites und bei der
Gestaltung der Politik zur digitalen Demokratie eine wichtige Rolle spielen.
Netzöffentlichkeit und Zivilgesellschaft
Der Frage, in welcher Art und
Weise politische Kommunikation als öffentliche Kommunikation im Internet
stattfindet, wurde im vorliegenden Bericht auch hinsichtlich der drei folgenden
Aspekte nachgegangen:
-
Inwiefern ergeben sich aus der Perspektive des Bürgers als Internetnutzer neue
Möglichkeiten der politischen Meinungsbildung, der politischen Artikulation und
des Zugangs zu politischer Öffentlichkeit?
-
Wie nutzen NGOs und soziale Bewegungen das Internet für ihre Zwecke und welche
Bedeutung kommt dabei der Herstellung von Netz(gegen)öffentlichkeit zu?
-
Was lässt sich mit Blick auf spezifische politische Debatten (anhand der
Beispiele Copyright und »Genfood«) zur Bedeutung des Internets für politische
Öffentlichkeit feststellen?
Die dem individuellen Nutzer zur Verfügung stehenden
Kommunikations- und Informationsmöglichkeiten lassen es gerechtfertigt
erscheinen, vom Internet als politischem Kommunikationsraum mit eigenen, von
massenmedialer Kommunikation unterscheidbaren Merkmalen zu sprechen – womit
allerdings über die weitreichende These der Mobilisierung und politischen
Aktivierung der Bürger durch das Netz noch wenig ausgesagt ist. Das Internet
eröffnet aber neue Möglichkeiten politischer Kommunikation und diese werden auch
von politisch interessierten Nutzern wahrgenommen. Zu nennen sind hier sowohl
die vielfältigen Möglichkeiten, Informationen direkt bei den Angeboten
verschiedener gesellschaftlicher Akteure abzurufen, als auch die im Vergleich zu
den Massenmedien erweiterten Möglichkeiten, sich im Netz zu artikulieren, bis
hin zu Ansätzen von Laienjournalismus im Netz. Zu beobachten sind auch Fälle, in
denen es Nutzern gelingt, z.B. über so genannte Weblogs, Einfluss auf die Agenda
der Massenmedien auszuüben. Die Nutzung der Potenziale des Netzes als Raum
politischer Kommunikation (sowohl als Rezipient als auch als Autor) setzen aber
neben Kompetenz im Umgang mit dem Internet auch politisches Wissen und
Engagement voraus. Es sind vor allem die seit langem politisch Aktiven und
Kenntnisreichen, die das Potenzial ausschöpfen können.
Die Forschung zur aktuellen Bedeutung der Netzkommunikation
für zivilgesellschaftliche Gruppen zeigt, dass der netzbasierten
Kommunikation insbesondere für die Organisation transnationalen Protestes und
transnationaler Solidarisierung offenbar eine wichtige Funktion zukommt. Andererseits zeigen Untersuchungen
zu den Internetangeboten wichtiger auch transnational agierender NGOs,
dass die Angebote eher konventionell gehalten sind und das der Technik inhärente
Interaktionspotenzial nur wenig genutzt wird. Auch bezüglich der Auswirkung
netzbasierter Kommunikation auf die innerorganisatorischen Strukturen sind die
Erkenntnisse uneinheitlich. Für eher lose
thematisch diversifizierte Netzwerke scheint netzbasierte Kommunikation eine
conditio sine qua non ihres Funktionierens zu sein. Veränderungen der
innerorganisatorischen Kommunikationsstrukturen bei eher hierarchisch
organisierten NGOs sind aber auch durch die erweiterte Nutzung der Möglichkeiten
netzbasierter Kommunikation nicht zu erwarten. Von wesentlicher Bedeutung für
die Arbeit und die Selbstdarstellung zivilgesellschaftlicher Gruppen scheint die
Möglichkeit zu sein, Informationen zu sammeln und an Mitglieder und die
interessierte Öffentlichkeit via Website oder Mailinglisten zu verbreiten. Es
wird auch versucht, das Netz zur Herstellung von Gegenöffentlichkeit zu nutzen.
Die beiden im Rahmen des Projekts durchgeführten
empirischen Untersuchungen zu den Strukturen und Inhalten von politischen
Debatten im Netz (mit den Themen »Copyright« und »genetisch modifizierte
Nahrungsmittel«) zeigen, dass das Angebot an Informationen zu diesen politischen
Themen im Netz groß ist, wobei die Sichtbarkeit der Angebote von Staat und
Parteien oft eher gering ist. Die Masse der angebotenen Informationen macht es
gerade für den einfachen Nutzer nahezu unmöglich, sich einen eigenen Überblick
über die Breite der vorhandenen Argumente und Meinungen zu verschaffen.
Insbesondere die Untersuchung zum Thema »Genfood« stützt
die Annahme, dass sich im Internet ein breiteres Spektrum von Akteuren
breitenwirksam artikulieren kann als in der massenmedialen Öffentlichkeit. Zwar
dominieren »starke«, gut organisierte Akteure, aber auch Akteuren, die kaum
Zugang zur massenmedialen Öffentlichkeit haben, bietet sich die Chance, im Netz
wahrgenommen zu werden. Deutlich wird auch die im Vergleich zur Presse
ausgeprägtere internationale oder grenzüberschreitende Ausrichtung der
Netzkommunikation.
Widersprüchliches
erbrachte die vorliegende Untersuchung zur Qualität der im Netz
geführten Debatten. Obwohl sich im Fall der Untersuchung zum Thema Copyright die
Nutzer recht gut informiert zeigten und obwohl die meisten Nutzer gerade die
interaktiven Möglichkeiten des Netzes und den Austausch mit anderen Nutzern in
Onlinediskussionen schätzen, wurde die schlechte Qualität der Diskussionen in
den vorhandenen Onlineforen beklagt. Offensichtlich werden die thematisch
einschlägigen Foren von urheberrechtskritischen Nutzern dominiert, die sich in
oft emotionalisierter Art und Weise in ihrer Position selbst bestärken, und
diese Form selbstreferenzieller
Kommunikation wird von diesen selbst als unbefriedigend empfunden.
Bezüglich der argumentativen Qualität der im Netz einfach
per Suchmaschinenrecherche auffindbaren Texte zeigte sich aber im Falle der
»Genfood«-Debatte kein relevanter Unterschied zur Behandlung des Themas in der
Presse. Die Bandbreite von Texttypen und Formaten ist im Netz hier größer und
das argumentative Spektrum zum Thema »Genfood« zumindest nicht enger als in der
Presseberichterstattung. Von vergleichsweise geringerer Bedeutung sind Texte,
die – journalistischen Normen entsprechend – das Für und Wider gegeneinander
abwägen (wenngleich die klassischen journalistischen Formate das Gros der Texte
ausmachen). Dagegen fanden sich relativ oft
Positionen zum Thema in authentischer Art und Weise – eben
Stellungnahmen, Dokumente etc. von Akteuren selbst, und nicht Berichte über
solche Stellungnahmen. Das Internet ist hier somit ein Medium für
Selbstdarstellungen und Verlautbarungen und nicht für journalistische
Berichterstattung. Es lässt sich vermuten, dass es netzbasierte Kommunikation
stärker als die Rezeption der massenmedialen Berichterstattung erlaubt, nur
einen bestimmten Ausschnitt aus dem öffentlichen Meinungsspektrum wahrzunehmen
bzw. überhaupt erst aufzusuchen.
Das Beispiel Copyright liefert Hinweise auf die Existenz
einer eigenständigen, von massenmedialer Vermittlung weitgehend unabhängigen
politischen Teilöffentlichkeit im Netz. Die Möglichkeit verbesserter
Selbstdarstellung und Artikulation für zivilgesellschaftliche Initiativen und
die interaktiven Möglichkeiten des Netzes können zur Formierung von
Interessengemeinschaften und z.T. auch zur politischen Mobilisierung solcher
Gemeinschaften beitragen.
Schlussfolgerungen und Handlungsoptionen
Es ist nach einer Zeit weitreichender, teils euphorischer
Thesen zur Bedeutung des Internets als Raum politischer Kommunikation
mittlerweile geradezu en vogue, Netzkommunikation als politisch bedeutungsloses
Rauschen aufzufassen. Auch die Ergebnisse der vorliegenden Untersuchung stützen
die weitreichenden Thesen vom Netz als neue demokratische Form politischer
Öffentlichkeit nicht. Ebenso wenig aber geben sie Anlass, die Rede von der
politischen Belanglosigkeit des Internets zu stützen. Zwar ist tatsächlich kein
fundamentaler Wandel im Sinne einer Systemveränderung
festzustellen und auch weniger dramatische Prognosen waren offenkundig –
zumindest hinsichtlich des Tempos der Entwicklung – falsch. Im Wandel der
kulturellen Grundlagen demokratischer Gesellschaften und politischer
Öffentlichkeit, der zivilgesellschaftlichen Nutzung des Internets wie auch im
Bereich staatlicher Onlinediskussionsangebote lassen sich aber Anzeichen dafür
finden, dass Besonderheiten netzbasierter Kommunikation bereits Auswirkungen
zeitigen und auch neue Fragen aufwerfen. Die sich – zum Teil rasant, zum Teil
eher schleppend – vollziehende Integration des Internets in das politische Leben
verläuft tatsächlich an vielen Stellen weder bruchlos noch unspektakulär.
Kulturelle und politische Praktiken der Internetnutzung haben sich noch nicht
verfestigt, viele Nutzungsweisen wirken vorläufig, unfertig oder dem Internet
unangemessen. Netzbasierte Kommunikation hat sich aber als integraler
Bestandteil von Politikprozessen mit neuen Möglichkeiten der Information und
Beteiligung von Bürgerinnen und Bürgern und der Kommunikation zwischen
politischen Akteuren und dem Netzpublikum etabliert. Weitreichende Ziele sind in
nationalen und internationalen politischen Programmen festgeschrieben.
Aus den in der
vorliegenden Studie identifizierten, durch netzbasierte Kommunikation
induzierten Veränderungen politischer Öffentlichkeit lassen sich folgende
allgemeine Herausforderungen ableiten, auf die sich Parlament, Regierung
und Administration einstellen müssen:
-
Auf Seiten politischer Akteure wird das Netz als Medium politischer Kommunikation
(Selbstdarstellung, Mobilisierung) und auf Seiten der Nutzer als Quelle
politischer Information an Bedeutung gewinnen.
-
Ohne dass die massenmediale Öffentlichkeit an Bedeutung verlieren würde, wird
eine Reihe von politischen Prozessen im Internet stattfinden (politische
Information, Meinungsbildung und Deliberation, Agenda Setting, Organisation und
Mobilisierung) und in Form von Themen, Debatten, politischen Aktionen auf die
massenmediale Öffentlichkeit ausstrahlen.
-
Die
Ausbildung »virtueller« politischer Kommunikationsgemeinschaften (entlang
von politischen Interessen, Befindlichkeiten, Themen, Weltanschauungen) wird
durch das Internet erleichtert. Damit nimmt nicht nur die Vielfalt politischer
Kommunikation, sondern auch die Segmentierung von Öffentlichkeit zu.
-
Die
Ansprüche politisch interessierter und gut informierter Bürger
hinsichtlich
des Zugangs zu politischen Informationen, der
Transparenz politischer Prozesse und auch der Teilhabe an der
Entscheidungsfindung über das Netz werden wachsen.
- Für Nutzergruppen mit geringer Kompetenz im
Umgang mit den Möglichkeiten politischer Kommunikation und Information im
Netz (aufgrund des sozioökonomischem Status, Bildungsabschlusses, Alters) kann
das Internet als Quelle politischer Information und Teilhabe verschlossen
bleiben.
-
Die Offenheit des Netzes impliziert als negative Begleiterscheinung auch einen
Mangel an Instanzen der Qualitätssicherung. Die Bewertung der
Zuverlässigkeit und Seriosität der vielfältigen im Netz verfügbaren
Informationen und Quellen und entsprechende Selektionsprozesse könnten nicht nur
für die letztgenannten Nutzergruppen zu Problemen werden.
Unter dem Gesichtspunkt einer lebendigen und deliberativen
Demokratie mit möglichst aktiven und gut informierten Bürgerinnen und Bürgern
ist es zu begrüßen, wenn diejenigen
Strukturen und Prozesse gefördert und unterstützt werden, die neue
Formen politischen bürgerschaftlichen Engagements ermöglichen. Ebenso sollte –
soweit dies in der Macht von Regierung und Parlament liegt – negativen Tendenzen
(Digital Divide, Segmentierung, Nivellierung von Informationen,
antidemokratische Aktivitäten etc.) entgegengewirkt werden.
Insbesondere für Parlamente eröffnen sich durch die
Verbesserung der eigenen Webpräsenz, die Verlinkung mit Netzangeboten der
Zivilgesellschaft sowie die stärkere Nutzung der interaktiven technischen
Potenziale Möglichkeiten, auch im Zeitalter politischer Netzkommunikation ihre
Rolle als Forum politischer Debatten und als Scharnier zwischen Öffentlichkeit
und politischem System wahrzunehmen.
Die vorliegende Studie identifiziert vier Handlungsfelder,
die sich aus der aktuellen und sich abzeichnenden Entwicklung netzbasierter
Kommunikation für die Politik ergeben:
-
Das bereits seit langem diskutierte Thema »Digital Divide« bleibt weiter
aktuell. Neben der Gewährleistung eines Netzzugangs für solche Gruppen,
die aus ökonomischen oder sozialen Gründen bisher nicht über einen solchen
verfügen, stellt sich aber mindestens ebenso dringlich die
Aufgabe, einem »Digital Divide« entgegenzuwirken, der sich
(sozialstrukturell oder kulturell bedingt) aus den individuell unterschiedlichen
Fähigkeiten ergibt, das enorme Potenzial des Internets als politisches
Informations- und Kommunikationsmedium sinnvoll zu nutzen. Zugang zu
Informationen aus erster Hand, erweiterte Möglichkeiten,
sich politisch zu artikulieren und mit anderen auszutauschen – dies sind
zentrale Beiträge der Netzkommunikation zur Förderung einer aufgeklärten,
demokratischen Öffentlichkeit. Diese Potenziale zu nutzen,
setzt aber ein erhebliches Maß an Medienkompetenz und Wissen voraus.
Neben der allgemeinen Förderung politischer Bildung und
Medienkompetenz ist auch die Förderung gruppenspezifischer politischer
Internetangebote von Bedeutung, vor allem um ansonsten von der politischen
Kommunikation im Netz ausgeschlossene oder in dieser Hinsicht kaum aktive
Bevölkerungsgruppen bei ihren Interessen und Anliegen »abzuholen«.
-
Der Zugang zur Öffentlichkeit als »Sprecher« ist durch das Internet erleichtert.
Dennoch sind die Chancen, in der Vielfalt der Netzangebote auch
wahrgenommen zu werden, durchaus nicht demokratisch gleich verteilt.
Kommerzialisierung und Massenmedialisierung der Netzkommunikation sowie die
Entstehung von Teilöffentlichkeiten sind Entwicklungen, die die Vielfalt,
Transparenz und gesellschaftliche Bedeutung politischer Netzkommunikation
einzuschränken drohen. Die Unterstützung der Webpräsenz schwach
organisierter Gruppen und vernachlässigter Themen wie auch die Förderung
und staatliche Bereitstellung von Webportalen als Knotenpunkte und Wegweiser für
politische Kommunikation können Mittel zur Förderung politischer Vielfalt im
Netz sein.
-
In der politischen Öffentlichkeit wird dem Nutzer die Aufgabe der Selektion des
Sinnvollen, Relevanten und Seriösen aus der vorhandenen Informationsflut nicht
durch massenmediale Filter abgenommen. Dies macht die Autonomie des politisch
interessierten Internetnutzers aus, es stellt sich hiermit aber auch ein Problem
der Qualitätssicherung, das z.B. auch durch eine Ausweitung des
Onlineangebots der öffentlich-rechtlichen Medienanbieter angegangen werden
könnte. Ein Beitrag zur Qualitätssicherung politischer Netzkommunikation ist
auch die Förderung bestimmter politischer Internetprojekte wie z.B. Angebote,
die sich gegen Extremismus und Rassismus richten. Daneben kämen verstärkte
Bemühungen in Frage, durch Zertifizierung von Netzangeboten oder die
Vereinbarung von »Codes of Conduct« die Qualität des Angebots an politischer
Information und Kommunikation zu fördern und dem Nutzer Orientierungshilfen bei
der Suche nach Informationen im Netz zu geben.
-
Ein direkter Weg der Einflussnahme auf die politische Netzöffentlichkeit ergibt
sich für Regierung und Parlament aus der inhaltlichen und technischen
Gestaltung der eigenen Webpräsenz. Neben der Gewährleistung eines umfassenden
Angebots an politischen Informationen, das politische Meinungsbildungs- und
Entscheidungsprozesse für die Bürger transparent macht, ist insbesondere die
Nutzung der interaktiven Möglichkeiten des Internets für die direkte
Kommunikation zwischen Staat und Bürgern zu nennen. Entsprechende Angebote
(Onlineforen, Chats etc.) werden von Regierungen und Parlamenten in Europa
vielfach angeboten. Die Erfahrungen hinsichtlich der Qualität des in dieser
Weise intensivierten Austauschs zwischen Repräsentanten und Repräsentierten und der erweiterten Beteiligung von Bürgern an
politischen Beratungen sind durchaus gut. Die vorliegenden Erfahrungen weisen
aber auf zwei oft nicht beachtete, für den Erfolg staatlicher
Onlineangebote aber entscheidende Voraussetzungen hin: Zum einen sollten die
Angebote so konzipiert, ausgestattet und betreut sein, dass vermeidbaren
Enttäuschungen der Bürger entgegengewirkt wird. Die dafür notwendigen Maßnahmen
unterscheiden sich im Einzelfall – zentral sind aber eine klare Zweckbestimmung
der Diskussionen, Transparenz in Bezug auf die Beteiligung der Politiker und die
Nutzung der Ergebnisse, den Diskussionen angemessene Moderationsleistungen und
Maßnahmen zur Werbung und Zielgruppenansprache. Zum anderen und insgesamt
gesehen ist die Weiterentwicklung staatlicher Angebote zur digitalen Demokratie
nicht die Aufgabe eines einzigen Akteurs. Ein Konsens der relevanten politischen
Kräfte und die Kooperation zwischen den verschiedenen Akteuren bestimmen
maßgeblich den Erfolg in diesem Bereich. Eine Herausforderung, die sich der
ganzen Politik stellt, sollte auch durch die Politik gemeinsam angegangen
werden.
Stand: Mai 2005 - buero@tab.fzk.de