Das Aus- und Weiterbildungssystem in Deutschland ist durch eine langjährige
erfolgreiche Profilierung, seine föderative Struktur und ein hohes Maß an
institutioneller Vielfalt und Komplexität geprägt. Zentrales Element des
Berufsbildungssystems ist das »duale System« als Kombination von Lernen am
Arbeitsplatz und in öffentlichen Berufsschulen. Vor dem Hintergrund des
sozioökonomischen Wandels, des Individualisierungstrends und der Globalisierung
steht jedoch auch dieses System vor neuen Herausforderungen.
Generell und in langfristiger Betrachtung ist die Weiterbildung in
Deutschland ein wachsender Bereich, seit der ersten Erhebung 1979 hat sich die
Teilnehmerquote fast verdoppelt. Die Nutzung von Weiterbildungsmaßnahmen ist
allerdings seit 2000 rückläufig, vor allem in den neuen Bundesländern.
Zu den wesentlichen Charakteristika des Wandels der beruflichen Bildung
zählen:
- Gewandelte
Funktionsbestimmung: Das diskontinuierliche »Lernen auf Vorrat« wird
abgelöst durch eine kontinuierliche Weiterbildung im Sinne des Lebenslangen
Lernens.
- Verschiebung der Inhalte: Neben fachlichen Kenntnissen und
Fähigkeiten sind immer stärker Kompetenzen und Anforderungsprofile notwendig,
die auf Problemlösung, Selbstorganisationsfähigkeit, Koordinierungs- und
Kommunikationsfähigkeit abzielen.
- Neue
Vermittlungsformen: Die Bedeutung von informellen Lernprozessen (z.B.
kollegiale Gespräche) und nicht formalisiertem Lernen (z.B. Qualitätszirkel und
Projektarbeit) sowie die Nutzung neuer Medien nimmt zu.
- Neue Lehr-/Lernkultur: Als wichtigste Eigenschaft treten das
selbstorganisierte Lernen und das didaktische Prinzip der individuellen
Lernmotivation in den Vordergrund.
Übergreifend intensiviert sich der Einsatz neuer Medien in der Weiterbildung,
nicht zuletzt, um den erforderlichen Wandel vollziehen zu können. Neben den
bisherigen »klassischen« Formen des Vermittelns von Lerninhalten im Unternehmen
gewinnen deshalb »neue« Formen zunehmend an Bedeutung. Computergestütztes Lernen
mit Offline-Methoden wird von inzwischen 29 % der Unternehmen genutzt. Webbased
Training – also das Online-Lernen im Internet, Extranet oder Intranet – findet
bei 13 % der Unternehmen Anwendung.
Im Hinblick auf die Möglichkeiten und Anforderungen des eLearning gewinnt
schließlich auch das Bildungspersonal eine neue Bedeutung. Die Bildungsbetreuer
wandeln sich von Wissensvermittlern zu Begleitern von Lernprozessen. Hierbei
sind entsprechende Qualifikationen und Erfahrungen des Bildungspersonals mit den
Methoden des eLearning von zentraler Bedeutung, und die Lehrenden unterliegen
selbst der Notwendigkeit zur kontinuierlichen Weiterbildung.
Rahmenbedingungen für das eLearning in Aus- und Weiterbildung
Das europäische Zentrum für die Förderung der Berufsbildung (CEDEFOP)
definiert seit dem Jahr 2000 eLearning als auf Informations- und
Kommunikationstechnologien (IKT) gestütztes Lernen. eLearning meint mehr als den
Erwerb von Kompetenzen im IT-Bereich; vielmehr geht es um multiple Formate und
hybride Methoden, den Einsatz von Software, Internet, CD-Roms, Online-Lernformen
sowie von anderen elektronischen oder interaktiven Medien.
Das eLearning stellt auch keine Lernstrategie, kein Lernkonzept und auch
keine Lernmethode dar, sondern bedeutet zunächst die Unterstützung von
Lernprozessen mittels elektronischer Medien. Die Medien können dabei der
selbstgesteuerten Informationsgewinnung dienen, die Kommunikation unterstützen
oder Träger didaktisch strukturierter Lernmodule sein. Das Online-Lernen kann
zwar die Potenziale von eLearning am besten ausnutzen, ist aber nicht die
ausschließliche Gestaltungsfunktion für eLearning.
Bei der Frage des Inhalts (Content) von eLearning geht es nicht so sehr um
Lehr- und Lernangebote an sich, vielmehr stehen die »Passgenauigkeit« und
Austauschbarkeit multipler Einsatzmöglichkeiten – auch im Sinne von Ergänzungen
zu Eigenentwicklungen – im Vordergrund des Interesses. eLearning-Angebote sind
bislang vielfach noch von speziellen inhaltlichen und technischen Normungen und
Standards geprägt; dadurch verfehlen sie bisweilen den spezifischen
Nutzerbedarf.
Während unter der inhaltsorientierten eLearning-Variante die Distribution von
meist multimedial aufbereiteten Lernmaterialien zu verstehen ist, zielen die
prozessorientierten Varianten des eLearning auf die Nutzung neuer Medien zur
Gestaltung und Lenkung von Lernprozessen durch den Lehrenden ab. Zudem gibt es
in der Praxis häufig hybride Varianten (z.B. Blended Learning).
Eine Reihe von Rahmenbedingungen bestimmt die Umsetzung von eLearning in der
beruflichen Praxis. Dazu gehören die Entwicklung geeigneter Standards,
organisatorische Rahmenbedingungen, die Umsetzbarkeit des selbstorganisierten
Lernens, der Grad der Interaktivität und nicht zuletzt die Unterstützung des
Lernenden durch die betriebliche Personalentwicklung.
Eine wesentliche Voraussetzung für die effektive Nutzung von eLearning in der
beruflichen Aus- und Weiterbildung ist ihre organisatorische Umsetzung. Dabei
sollte zunächst vom tatsächlichen Bedarf ausgegangen werden, dieser ist dann mit
den entsprechenden Medien und Lerntechniken zu verknüpfen. Auf dieser Basis kann
eine unternehmensspezifische eLearning-Strategie entwickelt und
technisch-organisatorisch umgesetzt werden. Die besondere Herausforderung liegt
darin, dass einerseits Lernen etwas Individuelles darstellt und mithin die
Grundanforderungen auch weit variieren, andererseits aber aufgrund der
finanziellen Restriktionen gerade beim Einsatz von eLearning oftmals versucht
wird, eine einheitliche Lösung (Vorgehensweise) für alle Betroffenen vorzugeben.
Erfolgreiches eLearning setzt die Fähigkeit und Bereitschaft zum Selbstlernen
voraus. Nicht nur die Trainer und Kursleiter müssen sich auf neue virtuelle
Lernformen einstimmen und vorbereiten. Auch die Unternehmen selbst und die
Verantwortlichen für Weiterbildung sind gefordert. Onlinebasierte Lernformen
stellen die Kultur und die Organisation der Unternehmen vor eine grundlegend
neue Situation, die interne Abläufe und Prozesse verändert. Für die Einführung
und Implementierung solcher Lernformen bedarf es eines Bildungsmanagements, das
diese Dimensionen der Veränderungen kennt sowie analysieren und professionell
intervenieren kann. eLearning sollte wie ein Organisationsentwicklungsprozess
behandelt werden, bei dem Arbeiten und Lernen eng aufeinander abgestimmt sind.
eLearning – in welcher konkreten Ausgestaltung auch immer – kann nur dann
erfolgreich sein, wenn diese Lernform von den Unternehmensleitungen nicht nur
anerkannt sondern vor allem auch in den gesamten betrieblichen Kontext
integriert wird.
Generell bieten mittlerweile die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen gute
Chancen für eine breite Akzeptanz von eLearning und dessen Diffusion in weite
Bereiche von Aus- und Weiterbildung. Positiv wirken sich hier die wachsende
Verfügbarkeit von Computern im privaten und gewerblichen Bereich und somit auch
die gewachsene Medienkompetenz in der Bevölkerung aus; elementare Grundmuster
des Online-Lernens sind Vielen inzwischen bekannt. Zudem wird in Deutschland die
Breitbandtechnologie – als eine weitere wichtige technische Voraussetzung – von
einem inzwischen recht hohen und weiter wachsenden Bevölkerungsanteil genutzt.
Anbieter und Nutzer von eLearning-Komponenten
Im Hinblick auf das »Marktgeschehen« für eLearning in der beruflichen Aus-
und Weiterbildung wird zumeist zwischen folgenden Anbietertypen unterschieden:
- Content-Provider (Rechte-Inhaber an den Lerninhalten) und Lerninhalte
erstellende/aufbereitende Unternehmen.
- Unternehmen, die Technologien zur Produktion und Distribution der
eLearning-Angebote liefern.
- Unternehmen, die Beratungsfunktionen, Produktion, Distribution und
Implementierung von eLearning-Angeboten übernehmen.
- Unternehmen, die Komplettlösungen bzw. Lösungen aus einer Hand anbieten.
Der Markt der Unternehmen, die eLearning-Inhalte anbieten, lässt sich zudem
unterteilen in Unternehmen, die entweder selber die Urheberrechte an den
Inhalten besitzen oder die Inhalte einkaufen und in eine (neue oder andere)
eLearning taugliche Form bringen oder die eLearning-Inhalte lediglich
weiterverkaufen. Bezüglich der Inhalte ist festzustellen, dass hier das
Themenfeld EDV/Computer eine herausragende Stellung innehat.
Insgesamt ist der Markt der eLearning-Anbieter stark fragmentiert. Die neu in
den Markt eintretenden Firmen sind in erster Linie nicht mehr die Start-Ups und
Existenzgründer, die den Markt vor 2001 stark geprägt haben, sondern vielmehr
etablierte Firmen, die in verwandten Branchen tätig sind und ihr
Angebotsspektrum auf den eLearning-Markt ausweiten.
Die Nachfrager von eLearning-Angeboten sind vor allem Großunternehmen,
allerdings zum Teil auch die öffentliche Verwaltung sowie kleine und mittlere
Unternehmen (KMU). In der Fortbildungspraxis der öffentlichen Verwaltung ist der
Einsatz von eLearning insgesamt aber noch schwach ausgeprägt. Ebenso kommt bei
den KMU eLearning noch nicht ausreichend zum Einsatz. Mögliche Gründe sind:
- die Personalentwicklung durch berufliche Fortbildung hat keinen
strategischen Stellenwert,
- die für Fortbildung zuständigen Entscheidungsträger haben sich nicht mit dem
Thema eLearning beschäftigt,
- es herrscht die Sorge, dass Mitarbeiter, die sich auf Kosten des
Unternehmens weitergebildet haben, von anderen Unternehmen abgeworben werden,
und
- die Selbst(lern)kompetenz ist bei Mitarbeitern von KMU noch schwach
entwickelt.
eLearning in der Berufsausbildung
Von Einzelprojekten abgesehen, spielt eLearning in der Erstausbildung an den
Berufsschulen des dualen Systems noch keine große Rolle. Eine konzertierte
Aktion, oder eine stringente gemeinsame Strategie hinsichtlich einer
systematischen Integration der Vorteile von eLearning in die einzelnen
Ausbildungsberufe ist nicht zu erkennen. Für diese zögerliche Integration ist
eine Reihe von Ursachen zu benennen. Dazu zählen unter anderen die
infrastrukturelle Ausstattung der Berufsschulen sowie die Vorbehalte seitens der
Ausbilder.
Empirische Studien über die Verbreitung von eLearning in der Berufsausbildung
– wenngleich bislang noch nicht sehr häufig durchgeführt - zeigen prinzipiell
einen hohen Bedarf der Unternehmen an Planungs- und Handlungshilfen zur
Umsetzung der neuen Ausbildungsordnungen und der ihnen zugrunde liegenden
Modularisierung. Im Mittelpunkt stehen dabei sowohl geeignete Lehr- und
Lernmethoden, neue Medien als auch Konzepte der Lernorganisation und Prüfung für
eine prozessorientierte Ausbildung, die nach wie vor nicht in den
Ausbildungsordnungen festgelegt werden. Erkennbar ist bereits jetzt, dass
dynamische, prozessbezogene Qualifizierung nur zu leisten sein wird, wenn auch
die technischen Möglichkeiten des eLearning vollständig und umfassend genutzt
werden. Die in den Betrieben bisher üblichen Lernprogramme verwenden überwiegend
Konzepte der programmierten Unterweisung und stehen somit im Widerspruch zu in
der betrieblichen Praxis bewährten Methoden der Handlungsorientierung. Es
besteht somit noch Klärungsbedarf, inwieweit sich die in der
handlungsorientierten Ausbildung bewährten Lernaufgaben-Konzepte auch durch
elektronische Medien wirksam unterstützen lassen.
Die Evaluation des Förderprogramms »Neue Medien in der Bildung« hat gezeigt,
dass die technologisch angestoßenen Entwicklungen zu qualitativen Verbesserungen
in der Ausbildung geführt haben. Mehrwert entstand insbesondere bei der
Flexibilisierung der Lernorganisation, der Erhöhung der Weiterbildungsteilnahme,
der Effektivierung des Lernaufwandes, dem Praxisbezug durch Modularisierung und
der Entwicklung von Praxisgemeinschaften. Verbesserungsmöglichkeiten werden in
folgenden Bereichen gesehen: Kleinteiligkeit von Lernobjekten (in sich
geschlossene Lerninhalte), mangelnde pädagogische Funktionalität von
Lernplattformen, teilweise noch Überschätzung der Technologie statt Fokussierung
auf didaktische Gestaltung, mangelnde Qualifizierung der Lehrenden und Tutoren
und fehlende betriebs- und anwendungsbezogene Implementierungsstrategien. Die
daraus abgeleiteten Handlungsempfehlungen beziehen sich im Wesentlichen auf die
zu verstärkende Entwicklung
- der beruflichen Lehr- und Lernkultur durch Aufklärung,
Zielgruppenorientierung, Methodenintegration und selbstorganisierte, informelle
Expertengemeinschaft in Unternehmen (»Community of Practice«),
- mediendidaktischer Kompetenzen der Lehrenden für Beratung,
Online-Betreuung/-Moderation und Administration,
li>virtueller Lernorte für die Lernortkooperation für aufgabenorientierte
Integration von Theorie und Praxis sowie
- didaktischer Modelle für virtuelles Lernen.
eLearning in der beruflichen Weiterbildung
In der beruflichen Weiterbildung spielen die eLearning-Instrumentarien
insbesondere dort eine wichtige Rolle, wo neben den bisherigen »klassischen«
Formen des Vermittelns von notwendigem Wissen im Unternehmen verstärkt auch
Maßnahmen on-the-job, wie beispielsweise systematischer Wechsel der
Arbeitsaufgaben für Mitarbeiter innerhalb eines Betriebes, in den Vordergrund
treten. Hier beeinflusst eLearning Art und Umfang der Qualifikationsmodalitäten
durch einen »Just-in-Time-Qualifizierungsansatz«. Der Schwerpunkt der
Weiterbildungsmaßnahmen wird zukünftig nicht mehr auf den bislang hauptsächlich
eingesetzten so genannten »Blockvermittlungsstrukturen« liegen, sondern es wird
vielmehr ein in die jeweiligen Arbeitssituationen involvierter
Qualifizierungsprozess analog zum Produktionsprozess vorgenommen. Die
Vermittlung von spezifischen Wissensmodulen zum jeweiligen Bedarfszeitpunkt mit
Hilfe der Möglichkeiten durch eLearning wird mittelfristig die gesamte bisherige
Struktur der betrieblichen Weiterbildung verändern.
eLearning bedeutet jedoch nicht ein völliges Verdrängen anderer (bekannter)
Weiterbildungsinstrumente, sondern deren qualitative Ergänzung. Dies geht einher
mit einer neuen Ausrichtung des Bildungsmanagements: Die Entwicklung eines
angebots- zu einem medienorientierten Bildungsmanagement wird durch das
integrationsorientierte Bildungsmanagement ergänzt. Seine Kennzeichen
sind:
- Integration von eLearning-Instrumentarien in die Unternehmensstrategie;
- Etablierung eines entsprechenden Wissensmanagements;
- enge Verzahnung von Lern- und Geschäftsprozessen;
- organisatorisch-technische Abbildung in der betrieblichen IT-Landschaft.
Deshalb wächst das Interesse in vielen Unternehmen, in virtuellen
Qualifizierungsverbünden unter Nutzung eines gemeinsamen Bildungsnetzes
prozessorientierte Lerndatenbanken (in Form von so genannten Data-Warehouses)
aufzubauen, zu nutzen und zu pflegen.
Ein zukunftsweisender Einsatzschwerpunkt zeigt sich in Form von so genannten
Online-Communities, informelle Personengruppen oder –netze, die aufgrund
gemeinsamer Interessen über einen längeren Zeitraum hinweg internetgestützt
miteinander kommunizieren, kooperieren, Wissen und Erfahrung austauschen, neues
Wissen schaffen und dabei voneinander lernen. Online-Communities befähigen die
Nutzer zu Veränderungen, sie vermitteln Hilfen zum Erwerb neuen Wissens, sie
schaffen Vertrauen, stiften Gemeinschaftssinn und unterstützen
lebensbegleitendes Lernen. Der Nutzen für die Organisationen und Unternehmen
liegt in dem informellen Aufnehmen von verwertbaren Informationen, der Erhöhung
der Produktivität, der Beschleunigung von Innovationen und der Verstärkung von
strategischem Denken.
Resümee
Die Möglichkeiten und Modalitäten des eLearning werden das berufliche
Bildungswesen insgesamt gesehen vermutlich auf vergleichbare Weise verändern wie
das »eBusiness« die gesamte Wirtschaft bereits verändert hat. Jedoch wird
eLearning andere Bildungsinstrumente nicht verdrängen, sondern vielmehr
qualitativ ergänzen. Und auch wenn sich eLearning zukünftig vielleicht in einem
umfassenden Sinn als ein wesentliches Bildungsinstrument etablieren kann, so
werden doch die vor einigen Jahren durch Potenzialanalysen geweckten Erwartungen
durch die derzeitigen Erfahrungen bislang nur zum Teil gedeckt. Aufbereitung,
Darstellung und Qualität der eLearning-Inhalte bilden die entscheidenden
Erfolgsfaktoren sowohl für die Vermittler als auch die Lernenden, und
diesbezüglich gibt es noch reichlich Entwicklungspotenzial. Auch im
betrieblichen Alltag wird sich eLearning nur dann nachhaltig durchsetzen, wenn
die Akzeptanz und die Implementierung gesichert und die eLearning-Angebote allen
Beteiligten den gewünschten Mehrwert bieten. Dazu bedarf es zum einen noch
wesentlich genauerer Einsichten in die lebens- bzw. arbeitsweltliche Einbettung
von Lernprozessen und zum anderen solcher Instrumente, die die Qualität der
eLearning-Inhalte nicht nur im Nachhinein realisieren sondern schon bei der
Entstehung bzw. im Einsatz gewährleisten. Erst wenn diese Hürden genommen sind,
könnte eLearning sein ganzes Potenzial für die berufliche Aus- und Weiterbildung
entfalten.
Um einen Nachweis für die Umsetzbarkeit einer nachhaltigen Integration von
geregelter Ausbildung in die betrieblichen Abläufe (und damit auch eine
Verbesserung von Akzeptanz und Legitimation) erbringen zu können, wäre zukünftig
zunächst eine vertiefte Analyse bereits vorhandener Ansätze prozessorientierter
Ausbildung als angewandtes Wissensmanagement in Unternehmen notwendig. Mit Hilfe
von Bedarfsuntersuchungen und Modellen könnten darüber hinaus auch wichtige
Beiträge für eine Verankerung neuer Lernformen in den Unternehmen für eine
dynamische Prozessqualifizierung mit elektronischen Medien geleistet werden.
Da es wenig realistisch und kaum vorstellbar ist, dass neben der
institutionalisierten Berufsbildung ein konkurrierendes institutionalisiertes
Netzwerk zur Kompetenzentwicklung aufgebaut werden soll, wären konkrete Hilfen
und Instrumente zur Integration von neuen Ansätzen des (über-)betrieblichen
Bildungsmanagements auch in die Institutionen der Berufsbildung zu entwickeln
und zu erproben.
Den weitaus größten Bereich des Berufsbildungssystems (Aus- aber auch
Weiterbildung) umfasst das »duale System« als Kombination von Lernen am
Arbeitsplatz und in öffentlichen Berufsschulen. Daher hätten Maßnahmen an dieser
Stelle Auswirkungen auf einen Großteil der Lernenden. Eine Handlungsoption zur
Beförderung von eLearning im dualen System bestünde beispielsweise darin, unter
den am stärksten nachgefragten Ausbildungsberufen eine geeignete Auswahl zu
treffen, innerhalb dieser Auswahl überschneidende Lehrinhalte zu identifizieren
und speziell dafür im Rahmen eines Modellvorhabens qualitativ sehr hochwertige
eLearning-Module erstellen zu lassen. Bei einer solchen Vorgehensweise könnte
bei einem vermutlich überschaubaren Mitteleinsatz ein großer Adressatenkreis der
beruflichen Ausbildung des dualen Systems erreicht und die Erfolge (oder
Misserfolge sinnvoll evaluiert werden.
Es wäre Gegenstand einer gesonderten Untersuchung, genau jene gemeinsamen
Lerninhalte zu identifizieren, die sich für eine Vermittlung über
eLearning-Module besonders eignen, sowie mögliche Hemmnisse zu benennen.