Entgegen dem allgemeinen Trend ist der Verkehrsbereich der
einzige Sektor, in dem die CO2-Emissionen im letzten Jahrzehnt weiter
angestiegen sind. Indessen ist die
Notwendigkeit der Verminderung des CO2-Ausstoßes und der
Schadstoffemissionen
im Verkehr unstrittig. Ansatzpunkte bestehen hierfür zum einen in der Einführung
neuer Kraftstoffe und Energieträger zur Substitution von Benzin und Diesel und
zum anderen bei der Effizienzsteigerung von Antrieben. Da dem Verkehrsbereich
zukünftig eine wichtige Rolle beim Klima- und Ressourcenschutz sowie bei der
Erreichung von Luftreinhaltezielen zukommen wird, wurde das Büro für
Technikfolgen-Abschätzung beim Deutschen Bundestag (TAB) vom Ausschuss für
Bildung, Forschung und Technikfolgenabschätzung des Deutschen Bundestages
beauftragt, das Thema »Perspektiven eines CO2- und emissionsarmen
Verkehrs – Kraftstoffe und Antriebe im Überblick« im Rahmen einer Vorstudie zu
bearbeiten.
Ziel dieser Vorstudie ist es, die vorhandene aktuelle
Literatur zu sichten, auszuwerten und die bisher untersuchten Themenschwerpunkte
übersichtlich darzustellen. Zusätzlich wurden zur Quantifizierung von
Emissionsminderungspotenzialen und zum Flächenbedarf von Biokraftstoffen weiter gehende Berechnungen
durchgeführt. Auf dieser Grundlage werden Forschungslücken
identifiziert und Themen vorgeschlagen, die nach Einschätzung des TAB besondere
Aufmerksamkeit für weiter gehende vertiefende Analysen verdienen.
Effizienz- und Emissionsminderungspotenziale
der Verkehrsträger
Straßenverkehr
Der Straßenverkehr weist
nicht nur aufgrund seines Anteils an der gesamten Verkehrsleistung,
sondern auch wegen seines bislang erreichten Entwicklungsstandes die größten
Potenziale zur Effizienzsteigerung und zur Reduzierung der verursachten
Treibhausgase (THG) auf. Deswegen steht er meist im Fokus jeder verkehrlichen
Technologiediskussion. Dies zeigen auch die Schwerpunkte der Fachliteratur; die
überwiegende Mehrzahl der gesichteten Studien behandelt Technologien zur
Effizienzsteigerung und Emissionsminderung im Verkehr aus dem Blickwinkel des
Straßenverkehrs. Aus den genannten Gründen folgt auch der vorliegende Bericht
weitgehend dieser Betrachtungsweise.
Bahnverkehr
Bahnfahrzeuge werden heutzutage in der Regel mit
Elektromotoren oder Dieselmotoren angetrieben. Dabei weisen Elektromotoren heute
schon einen relativ hohen Entwicklungsstand mit nur geringen weiteren
Einsparpotenzialen auf. Auch die in Bahnfahrzeugen eingesetzten
(Groß-)Dieselmotoren haben unter Effizienzkriterien bereits ein hohes
Entwicklungsniveau erreicht. Es ist festzustellen, dass die Hersteller
aufgrund der geringen Motorenstückzahlen für die bahneigene Entwicklung
neuer Antriebstechnologien wenig Anreiz sehen und daher eher Technologien, die
sich im Straßenverkehr bewährt haben, mit zeitlichem Abstand auf den Bahnverkehr
übertragen.
Zwischen den sehr effizienten Dieselaggregaten und
Elektroantrieben mit externer Stromversorgung bestehen für Bahnfahrzeuge
wahrscheinlich auch zukünftig nur äußerst schmale Nischen für alternative
Antriebstechnologien wie z.B. Brennstoffzellen. Weitere technische
Einsparpotenziale liegen vor allem im Bereich der Reduktion der Fahrwiderstände (Roll- und Beschleunigungswiderstand,
Aerodynamik) und der Rückgewinnung von Bremsenergie bei Dieselfahrzeugen.
Flugverkehr
Der Flugverkehr weist seit einigen Jahren von allen
Verkehrsarten mit Abstand die höchsten Steigerungsraten der Verkehrsleistungen
auf. Dieser Trend hält in allen Prognosen auch künftig an. Daher sind Maßnahmen
zur Verbrauchsreduktion und Emissionsminderung im Flugverkehr von hoher
Priorität. Gleichzeitig ist aber das Spektrum der hierfür einsetzbaren
Technologien begrenzt, was den Problemdruck in diesem Sektor erhöht.
Bei den etablierten Triebwerken existiert ein Zielkonflikt
zwischen einer weiteren Steigerung der Turbineneffizienz und der Minimierung der
Stickoxidemissionen. Brennstoffzellen sind als alternative Antriebstechnologie
im Luftverkehr wegen ihres relativ hohen Gewichts nicht prädestiniert.
Zusätzlich entsteht bei Brennstoffzellen als Reaktionsprodukt überwiegend
Wasser, was nicht unproblematisch ist. Der Grund ist, dass bestimmte Emissionen
(u.a. Wasser) in großer Höhe andere Wirkmechanismen als auf der Erdoberfläche
aufweisen. Welche Bedeutung diese sog. »nichtbeständigen Treibhausgase« für den
Treibhauseffekt besitzen, ist wissenschaftlich
noch nicht abschließend geklärt. Die Bewertung der Umwelteigenschaften
alternativer Kraftstoffe (z.B. Wasserstoff) im Luftverkehr wird davon maßgeblich
abhängen.
Im Vordergrund von Kraftstoffeinsparungen beim Flugzeug
standen und stehen der Leichtbau und die
Aerodynamik. Weitere Fortschritte beim Leichtbau sind vor allem von der
Entwicklung neuer Werkstoffe abhängig.
Schiffsverkehr
Als beherrschende Antriebstechnologie hat sich im
Schiffsbetrieb der (Groß-)Dieselmotor durchgesetzt. Er wird in der
Binnenschifffahrt mit Diesel, in der Hochseeschifffahrt vor allem mit Schweröl
angetrieben, was wegen der hohen Schadstoffemissionen aus Umweltgesichtspunkten
keine optimale Lösung darstellt. Aufgrund des
für den Schiffsverkehr typischen, quasistationären Betriebs kann der Motor
kraftstoffsparend ausgelegt und nahe dem Betriebsoptimum gefahren werden.
Als Maßnahmen zur Verbesserung bestehender oder Entwicklung
neuer Antriebe kommen prinzipiell dieselben
Technologien wie für Straßen- und Bahnfahrzeuge infrage. Brennstoffzellen
werden heute schon im militärischen Bereich für Schiffsantriebe verwendet. Eine
breite Anwendung in der zivilen Schifffahrt ist in den kommenden Jahren aus
Kostengründen jedoch fraglich.
Antriebstechnologien und -Systeme
Trotz ihres hohen Entwicklungsstandes weisen auch die
konventionellen Antriebe – vor allem Otto- und Dieselmotoren – noch ein
erhebliches Potenzial zur Weiterentwicklung auf. Darüber hinausgehende
Potenziale werden von fortgeschritteneren Technologien wie z.B. Hybrid- und
Brennstoffzellenantrieben erwartet.
Ottomotor
Die technischen Möglichkeiten, den spezifischen
Kraftstoffverbrauch von konventionellen Ottomotoren zu senken, sind sehr
vielfältig. Ottomotoren weisen unter Teillast einen relativ schlechten
Wirkungsgrad auf. Viele der Verbesserungen zielen daher darauf ab, den
Teillastbetrieb zu optimieren oder aber zu vermeiden.
Kurz- bis mittelfristig einsatzfähige Technologien sind
z.B. »downsizing« mit Aufladung (Turbolader), Direkteinspritzung des
Kraftstoffs sowie variable Ventilsteuerung, Zylinderabschaltung und
Verdichtung. Jede dieser technischen Maßnahmen hat das Potenzial, zur Kraftstoffreduktion mit einigen wenigen bis zu gut
15 % beizutragen (je nach Fahrzeugart und -größe). Allerdings dürfen die
Werte der Einzelmaßnahmen nicht einfach
aufsummiert werden, da sie zum Teil das gleiche Minderungspotenzial auf
unterschiedliche Art und Weise erschließen.
Neben den
konventionellen »Benzinern« sind heute bereits Ottomotoren im Einsatz,
die mit Erdgas, Ethanol oder Wasserstoff betrieben werden können. Die Technik hierfür ist somit im Prinzip vorhanden; deutliche
Verbesserungen werden aber zukünftig noch erwartet. Die Einführung dieser
Motorenkonzepte hängt auch von der Verfügbarkeit des jeweiligen Kraftstoffs ab.
Mit der Einführung von Erdgas- und/oder Wasserstofffahrzeugen muss der Aufbau einer entsprechenden
Tankstelleninfrastruktur einhergehen. Für Erdgas als Kraftstoff ist eine
flächendeckende Infrastruktur zzt. im Aufbau.
Dieselmotor
Der Dieselmotor wurde bereits
in der Vergangenheit auf einen günstigen Verbrauch hin optimiert und hat in
dieser Hinsicht einen relativ hohen Entwicklungsstand erreicht. Deutliche
Effizienzsteigerungen konnten vor allem durch die elektronische
Direkteinspritzung erzielt werden, deren Entwicklung weitestgehend abgeschlossen
ist. Bei Dieselmotoren sind in naher Zukunft nur noch geringe
Kraftstoffeinsparungen durch weitere Optimierungen schon angewandter
Technologien (z.B. Minimierung der Motorreibung, verbesserte Abgasrückführung)
zu erwarten.
Mehr noch als bei Ottomotoren existiert bei der Auslegung
von Dieselmotoren ein Zielkonflikt zwischen der
Steigerung der Energieeffizienz und den zunehmenden gesetzlichen Anforderungen zur Emissionsreduktion
der Luftschadstoffe Kohlenmonoxid, Kohlenwasserstoffe, Stickoxide und
Partikel.
Konvergenz von Otto- und Dieselmotor
Konventionelle
Verbrennungsmotoren, gleich ob Otto oder Diesel, haben ein Grundproblem:
Durch den Brennraum läuft eine Flammenfront, die diesen in relativ heiße und kalte Bereiche aufteilt mit negativen
Auswirkungen auf die Stickoxid- und Rußemissionen. Ein Ziel ist deshalb,
ein homogenes Luft-Kraftstoff-Gemisch an mehreren Stellen im Zylinder
selbständig und gleichzeitig ohne Flammenfront und Druckwelle im Zylinder zu
entzünden und zu verbrennen. Damit wird der Vorteil des homogenen
Luft-Kraftstoff-Gemisches bei Ottomotoren mit dem Selbstzündungsverhalten
von Dieselmotoren verbunden. Dieses Verfahren wird homogenisierte Verbrennung
(Homogeneous Compression Combustion Ignition, HCCI) genannt. Die Entwicklung dieser Technologie befindet sich
gegenwärtig im Stadium von Prüfstandversuchen.
Wechselwirkungen zwischen CO2-Minderungsmaßnahmen
und Schadstoffemissionen
Fahrzeugtechnische Maßnahmen,
die der Reduktion von Kraftstoffverbrauch bzw. CO2-Emissionen dienen,
können hinsichtlich der Emissionen von human- und ökotoxischen Schadstoffen
kontraproduktiv sein. Umgekehrt kann die Reduktion von Schadstoffen (z.B.
Partikelfilter bei Dieselfahrzeugen) zu erhöhtem Verbrauch und einer Steigerung
der CO2-Emissionen führen. Eine Quantifizierung dieser
Wechselwirkungen von CO2- und Schadstoffminderungsmaßnahmen ist
jedoch teilweise methodisch schwierig. Hier besteht noch Forschungsbedarf.
Hybridfahrzeuge
Hybridfahrzeuge
kombinieren mehrere Energiewandler und Speichersysteme im Fahrzeug.
Typischerweise handelt es sich dabei um Verbrennungs- und Elektromotoren mit Kraftstofftank und Batterie. Die
Verbrauchsminderung gegenüber konventionellen Fahrzeugen auf gleichem
Entwicklungsstand resultiert im Wesentlichen aus folgenden Eigenschaften des
Antriebsstranges bzw. der Betriebsweise:
- Rekuperation, d.h. teilweise Rückgewinnung der
(insbesondere im Stadtverkehr häufig anfallenden) Bremsenergie,
- optimaler Betriebsbereich der Verbrennungsmotoren, d.h.
Vermeidung der niedrigen Wirkungsgrade im
Teillastbereich und Nutzung der höheren Wirkungsgrade im mittleren bis
oberen Lastbereich,
- »downsizing«, d.h. kleinere Auslegung der
Verbrennungsmaschinen.
Die Schwachstellen des Hybridkonzepts können wie folgt
charakterisiert werden:
- Komplexität: Durch die größere Anzahl an Komponenten
ergeben sich höhere Kosten für Produktion und Wartung sowie Verluste durch
zusätzliche Energieumwandlungen, die die Verbrauchsminderungen reduzieren.
- Gewicht: Das zusätzliche Gewicht der hybridspezifischen
Komponenten limitiert die Verbrauchsreduktion gegenüber monovalenten Fahrzeugen.
Insgesamt resultiert bei Hybridfahrzeugen damit eine starke
Abhängigkeit der Effizienz vom Fahrprofil: Zwar ergeben sich im Stadtverkehr
vergleichsweise hohe Einsparungen. Außerorts
sind die Effekte jedoch deutlich kleiner; ggf. können bei hohen
Geschwindigkeiten sogar Mehrverbräuche durch das Zusatzgewicht auftreten.
Dennoch ist klar, dass das Hybridkonzept bereits heute zur
Emissionsminderung beitragen kann und noch erhebliches Entwicklungspotenzial
besitzt. Ein wichtiger zusätzlicher Vorteil aller Hybride besteht in der
Möglichkeit, vollständig emissionsfrei zu fahren (limitiert durch die
Batteriekapazität), etwa in stark belasteten Gebieten wie z.B. im
innerstädtischen Bereich.
Brennstoffzellenfahrzeuge
Brennstoffzellenfahrzeuge
gelten als zukunftsweisendes Fahrzeugkonzept. Sie befinden sich in der
Entwicklungsphase; Serienfahrzeuge existieren bislang nicht. In Bezug auf
den eingesetzten Brennstoff können drei Konzepte unterschieden werden:
- Reinwasserstoff (gespeichert als Flüssig- oder Druckwasserstoff),
- Erzeugung eines
wasserstoffhaltigen Brenngases an Bord aus Methanol oder
Kohlenwasserstoffen (»on-board reforming«) und
- Direktumsetzung von Methanol in speziellen Brennstoffzellen.
Unter Effizienzaspekten ist Wasserstoff der Brennstoff der
Wahl; problematisch sind allerdings die Speicherung an Bord und die fehlende H2-Infrastruktur.
Wasserstoffspeicher sind deutlich schwerer und um ein Vielfaches teurer als
Tanks für Methanol oder Benzin.
Entwicklungsbedarf
besteht bei allen Komponenten, vor allem unter dem Aspekt der Kostensenkung. Die FuE von Brennstoffzellen findet
zum großen Teil im Bereich der Materialwissenschaften (z.B. neue
Membranmaterialien für Polymer-Elektrolyt-Brennstoffzellen)
statt. Eine nennenswerte Marktdurchdringung von Brennstoffzellenfahrzeugen wird – nachdem die Euphorie der
1990er Jahre deutlich abgekühlt ist – gegenwärtig frühestens in 15 bis 20 Jahren
erwartet.
Technologische Potenziale für Verbrauchssenkung
und Emissionsminderung
Um die technologischen
Potenziale zur Verbrauchssenkung, d.h. die Effekte fahrzeugseitiger
Maßnahmen besser illustrieren zu können, wurden Technologiepakete definiert und zu sechs Beispielkonfigurationen
zusammengefasst, deren Minderungen quantifiziert wurden:
- Konventionell: Dies ist ein Fahrzeug, bei dem zusätzlich zu
einer deutlichen Verringerung der Fahrwiderstände (Gewicht, Roll-,
Luftwiderstand) eine Palette von antriebsseitigen Weiterentwicklungen eher
konventioneller Natur realisiert ist.
- Milder Hybrid: Dieses Fahrzeug wird von einem Hybridmotor
mit einem kleineren elektrischen Aggregat angetrieben.
- Vollhybrid: Dieser unterscheidet sich vom milden Hybrid durch
eine größere Dimensionierung des elektrischen Antriebs.
- Konzept: Dies ist ein visionäres Fahrzeug, bei dem eine
extreme Reduktion der Fahrwiderstände mit optimierten Antrieben verknüpft wurde.
- Konzepthybrid: Bei diesem Fahrzeug kommt zusätzlich ein
Hybridantrieb zum Einsatz.
- H2-BZ: Dies ist ein Fahrzeug mit einer
wasserstoffbetriebenen Brennstoffzelle.
Das Ergebnis in
nachfolgender Übersicht zeigt, dass sich schon bei der Ausschöpfung
»konventioneller« Maßnahmen beträchtliche Effizienzpotenziale erschließen
lassen. Die größten Reduktionen unter den marktnahen Konfigurationen ergeben
sich aber für Hybridkonzepte, dort besonders für Vollhybride. Für die
Konzept-PKW und Brennstoffzellen-PKW ergeben sich deutlich niedrigere Verbräuche
als für die konventionellen und Hybridneuzulassungen in 2020.
Der Einfluss, den die verschiedenen optimierten
Technologiekonfigurationen auf den Gesamtverbrauch der Fahrzeugflotte
ausüben können, ist allerdings entscheidend von deren Marktdurchdringung
abhängig. Das heißt, dass für deutlichere Reduktionen vor allem die hohen
Potenziale noch eher visionärer Konzepte erforderlich
sind und/oder eine wesentlich schnellere Marktdurchdringung relativ ausgereifter
Maßnahmen.

Alternative Kraftstoffe: ökologische und ökonomische
Betrachtung
Derzeit werden international und national schwerpunktmäßig
etwa zehn verschiedene alternative Kraftstoffe mit einer Vielzahl möglicher
Erzeugungswege in Kombination mit
verschiedenen Antriebstechnologien (wie optimierte konventionelle
Verbrennungsmotoren oder Brennstoffzellen) bezüglich ihrer potenziellen Beiträge
zu einer nachhaltigeren Mobilität diskutiert. Im Fokus der Diskussion liegen
neben den konventionellen marktgängigen Biokraftstoffen (Biodiesel, Ethanol aus
Zucker/ Stärke sowie Biogas) vor allem die Biokraftstoffe, die derzeit in der
Entwicklungsphase sind (v.a. Biomass-to-Liquid(BtL)-Kraftstoffe, Ethanol aus
Holz, Stroh o.Ä.) sowie Wasserstoff.
Konventionelle Biokraftstoffe
Für die konventionellen Biokraftstoffe Biodiesel (in
Deutschland vorwiegend aus Raps hergestellt), Bioethanol aus Getreide, Mais und
Zuckerrüben sowie Biogas sind die Technologien zur Herstellung nahezu
ausgereift; Optimierungspotenziale bieten vor allem noch die Reduzierung des
Düngemitteleinsatzes, die Ertragssteigerung je
Hektar und die Verwertung der bei der Kraftstoffherstellung anfallenden
Koppelprodukte.
Datenlage: Die Energie- und Treibhausgasbilanzen und
die Kosten variieren in der Literatur sehr
stark vor allem aufgrund der Annahmen zur landwirtschaftlichen Produktion
und der Berücksichtigung der anfallenden Koppelprodukte. Es gibt nur wenige
Veröffentlichungen, die die Herstellung von Biogas als Kraftstoff bilanzieren.
Je nachdem, ob als Rohstoff Reststoffe oder Anbaubiomasse verwendet wird, können
Energie-, Treibhausgas- und Kostenbilanz stark variieren.
Treibhausgasbilanz: Grundsätzlich gilt, dass die Treibhausgasbilanzen
von Rapsmethylester und Ethanol aus Weizen oder Zuckerrübe unter
Berücksichtigung der direkten Verbrennung des
Kraftstoffs im Vergleich mit den Referenzkraftstoffen Diesel und Benzin
deutlich günstiger ausfallen, wenn die Koppelprodukte nutzbar sind. Bei optimierter Koppelproduktnutzung können die
Treibhausgasemissionen nochmals deutlich gemindert werden. Die Bilanz für
Biogas aus Reststoffen ist trotz der eher dürftigen Datenlage als sehr günstig
einzuschätzen.
Kosten: Die Herstellung von Biodiesel und Ethanol
ist im Vergleich zu fossilen Kraftstoffen deutlich kostenintensiver und auch
2010 voraussichtlich nicht unter 20 bis 40 Euro/GJ zu realisieren. Biogas aus
Reststoffen ist mit etwa 15 bis 34 Euro/GJ vergleichsweise günstiger. Bei Energiepflanzen scheinen
2-Kulturen-Systeme (Feuchtgutlinien) besonders günstig abzuschneiden.
Biokraftstoffe in der Entwicklungsphase
Perspektivisch
interessant sind vor allem Bioethanol aus holzartigen Ausgangsstoffen
(Zellulose) und synthetische Kraftstoffe aus der Biomassevergasung
(Biomass-to-Liquid, BtL). Zwar ist in den nächsten zehn bis 15 Jahren nicht
damit zu rechnen, dass es zu einer nennenswerten Durchdringung des
Kraftstoffmarktes mit diesen synthetischen Kraftstoffen kommt. Sie bieten aber
aufgrund des im Vergleich zu konventionellen Biokraftstoffen unspezifischen
Ausgangsmaterials und der Möglichkeit, Pflanzen als Ganzes zu nutzen, erhebliche
Potenziale für die Zukunft. Demonstrationsvorhaben zeigen, dass weiterer verfahrenstechnischer
Entwicklungsbedarf besteht, bevor diese Route
zur Kraftstoffbereitstellung wirtschaftlich beschritten werden kann. Zu
beachten ist, dass für die Rohstoffbereitstellung eine wirtschaftlich und
ökologisch sinnvolle Biomasselogistik aufgebaut werden muss.
Datenlage: Es existieren kaum Veröffentlichungen zur
Bilanzierung der Energie- und Treibhausgasemissionen für diese noch in der
Entwicklungsphase befindlichen Biokraftstoffpfade.
Treibhausgasbilanz: Grundsätzlich ist auf Basis der vorhandenen
Konzeptstudien und Demonstrationsvorhaben zu erwarten, dass sowohl der
Energieverbrauch als auch die Treibhausgasemissionen deutlich unter die der
konventionellen Biokraftstoffe gesenkt werden können.
Kosten: Die in den verschiedenen
Veröffentlichungen dargestellten Kosten variieren erheblich, sodass kein
einheitliches Bild abzuleiten ist. Es wird aber allgemein erwartet, dass die
Kosten zukünftig deutlich sinken werden. Verschiedentlich werden Kosten von um
die 9 Euro/GJ im Jahr 2010 für möglich gehalten.
Wasserstoff
Die Herstellung von Wasserstoff als Kraftstoff in tiefkalt
verflüssigter Form oder komprimiert gasförmig ist auf der Basis nahezu aller
Primärenergieträger möglich. Die benötigten Technologien sind in den meisten
Fällen bereits entwickelt bzw. kommerziell verfügbar. Die Herstellung kann
sowohl in zentralen Großanlagen als auch dezentral an den Tankstellen erfolgen.
Datenlage: Die Herstellungspfade von Wasserstoff
sind hinsichtlich Energiebedarf und
Treibhausgasemissionen vergleichsweise gut untersucht. Weitere Umweltwirkungen
(z.B. Versauerungs- und Ozonbildungspotenzial) sind hingegen wenig bis überhaupt
nicht untersucht worden. Die existierenden Kostendaten zu den einzelnen
Kraftstoffpfaden sind noch sehr wenig belastbar.
Treibhausgasbilanz: Die Treibhausgasbilanz von Wasserstoff hängt
entscheidend von der eingesetzten
Primärenergie ab. Potenziale für CO2- und emissionsarme
Kraftstoffpfade zur Herstellung von
Wasserstoff basieren vor allem auf erneuerbaren Energieträgern. Die (potenziell
großen) Treibhausgasreduktionspotenziale bei der Dampfreformierung von Erdgas
und Vergasung von Kohle hängen von der technischen und wirtschaftlichen
Realisierbarkeit der CO2-Abscheidung und Lagerung ab. Generell hat die Herstellung von tiefkalt
verflüssigtem Wasserstoff, die vor allem durch ökonomische Erwägungen gefördert wird, gegenüber der komprimierten
Form unter Klimagesichtspunkten
Nachteile durch die hohen energetischen Aufwendungen bei der
Verflüssigung.
Kosten: Trotz aller Unsicherheiten weisen die nach
dem heutigen Stand des Wissens verfügbaren Daten höhere Kosten im Vergleich zu
vielen Biokraftstoffen aus. Die
kostengünstigste Variante mit hohen Emissionsminderungspotenzialen stellt die
direkte Vergasung von Biomasse dar. Die Potenziale sind vergleichbar mit denen
der elektrolytischen Wasserstoffherstellung mit regenerativ erzeugtem Strom, die
jedoch mit höheren Kosten verbunden ist.
Infrastrukturanforderungen: Für die Nutzung von
Wasserstoff als Kraftstoff ist eine wichtige Voraussetzung für die Diffusion
entsprechender Fahrzeuge ein flächendeckendes Netz von Wasserstofftankstellen.
Für die Lösung des Problems, ob zuerst das
Tankstellenangebot geschaffen werden muss, um die Nachfrage nach Wasserstoff
anzukurbeln, oder ob die Nachfrage nach Wasserstoff das Angebot an Tankstellen
induzieren kann, gibt es aus heutiger Sicht keinen Königsweg. Am ehesten könnte
es sich in der Praxis wohl dadurch lösen lassen, dass durch ein zeitlich eng
verzahntes und den Marktphasen angepasstes Investitionsverhalten und Förderinstrumentarium ein jeweils marktfähiges Gleichgewicht
erreicht wird. Im Allgemeinen wird davon ausgegangen, dass in der Pilot- und Einführungsphase
Flottenbetreibern eine Schlüsselrolle zukommen könnte.
Die Entwicklung einer
Wasserstoffinfrastruktur wäre zum heutigen Zeitpunkt verfrüht, da einige Technologieentscheidungen mit Schlüsselbedeutung noch
nicht getroffen sind bzw. getroffen
werden können, z.B. die Art der Speicherung von Wasserstoff im Fahrzeug.
Daher sind eine verstärkte internationale Kooperation in Forschung und Entwicklung, die Weiterentwicklung von
Infrastrukturkonzepten sowie von Normen und Standards unverzichtbar.
Emissionsminderungspotenziale Well-to-Wheels
Zur Quantifizierung der technologischen
Emissionsminderungspotenziale des Verkehrssektors ist eine integrierte
Betrachtung erforderlich, die die Potenziale bei der Kraftstoffbereitstellung (Well-to-Tank, WtT) und diejenigen im Fahrzeug
selbst (Tank-to-Wheels, TtW) zu einer
Well-to-Wheels(WtW)-Perspektive zusammenführt. Im Gegensatz zur
Literatur, in der diese Diskussion meist anhand eines willkürlich gewählten Referenzfahrzeugs geführt wird,
wird im vorliegenden Bericht der gesamte Fahrzeugpark in den Bezugsjahren
2010 und 2020 abgebildet.
WtW-Betrachtung 2010
Einige Ergebnisse der WtW-Betrachtung für das Jahr 2010
zeigt die Übersicht, in der die Emissionen von CO2-Äquivalenten je
gefahrenem Fahrzeugkilometer für eine Reihe von Motor/Kraftstoffkombinationen
dargestellt sind.
Es wird
deutlich, dass aufgrund der im Trend unterstellten Effizienzmaßnahmen die
Treibhausgasemissionen der konventionell angetriebenen PKW verglichen mit dem
Basisjahr 2004 um etwa 14 % abnehmen. Wie bereits erwähnt, zeigt sich auch die
starke Abhängigkeit der Treibhausgasemissionen von Biokraftstoffen von der
Anrechnung von Gutschriften in deren Vorketten. Besonders auffällig ist dies im
Falle von Biodiesel (Rapsmethylester, RME), dessen Minderungspotenzial je nach
Nutzung der Koppelprodukte gegenüber der Nutzung von
fossilem Dieselkraftstoff zwischen 20
und 80 % liegen kann. Insgesamt zeigt sich, dass auch die konventionellen
Biokraftstoffe (RME und Bioethanol auf Basis von Weizenkörnern oder Zuckerrüben)
in jedem Fall einen Vorteil gegenüber den fossilen Kraftstoffen bezüglich
der Treibhausgasemissionen aufweisen.

Unter Aspekten der
Treibhausgasminderung sehr interessant erscheint in diesem Fall Biogas,
das aus Gülle, einer Mischung von Gülle und Mais oder aber auch aus Bioabfall
oder Feuchtgut (2-Kulturen-Systeme) hergestellt werden kann. Gegenüber Erdgas
fossilen Ursprungs kann z.B. aus Bioabfall hergestelltes methanreiches Gas die
Treibhausgasemissionen um rund 90 % mindern.
WtW-Betrachtung 2020
Unter den hier
betrachteten Rahmenbedingungen und Annahmen zur technologischen Entwicklung
resultiert eine Minderung der Treibhausgasemissionen allein durch Effizienzverbesserung des durchschnittlichen
PKWs im Jahr 2020 bezogen auf das Basisjahr 2004 von etwa 25 %. Bei
Einsatz eines auf minimalen Verbrauch hin
optimierten Konzepthybrid-PKWs kann die Minderung der Treibhausgasemissionen
um weitere 25 % gesteigert werden.
Aufgrund von
Lernkurveneffekten bei der Herstellung von Biokraftstoffen sind auch die Treibhausgasemissionen (WtW) bei Nutzung von
konventionellen Biokraftstoffen im Jahr 2020 niedriger als im Jahr 2010.
Besonders günstig schneiden die Biokraftstoffe der sog. »zweiten Generation« ab,
die sich momentan noch in der Entwicklungsphase befinden, 2020 aber
voraussichtlich einen Beitrag zum Kraftstoffmarkt in Deutschland leisten werden. Mit diesen Kraftstoffen sind Minderungen
der Treibhausgasemissionen von über 80 % gegenüber den fossilen
Energieträgern möglich. Bei Anrechnung von Koppelprodukten, z.B. dem
Stromüberschuss bei der Herstellung von FT-Diesel, sind in einigen Fällen sogar
negative Treibhausgasemissionen möglich. Auch im Jahr 2020 erscheinen
verschiedene Herstellungspfade von Biogas mit Treibhausgasminderungen von 65 bis
90 % gegenüber Erdgas interessant.
Die WtW-Bilanzierung für
wasserstoffbetriebene Brennstoffzellenfahrzeuge hängt entscheidend von
der Herkunft des Wasserstoffs ab. Es zeigt sich, dass – aufgrund der hohen Emissionen in der Kraftstoffvorkette –
aus Erdgas bereitgestellter Wasserstoff keinen signifikanten
Treibhausgasvorteil gegenüber den herkömmlichen fossilen Kraftstoffen
aufweist. Wird Wasserstoff über Elektrolyse auf der Basis des europäischen Strommixes erzeugt und dann in
Brennstoffzellenfahrzeugen eingesetzt, so fällt die Bilanz gegenüber der
Nutzung von fossilen Kraftstoffen und konventionellen Verbrennungsmotoren
eindeutig negativ aus. Wird der Wasserstoff dagegen aus regenerativem Strom per
Elektrolyse hergestellt, so hat er vergleichsweise niedrige
Treibhausgasemissionen. Hier ist jedoch zu beachten, wie weiter unten
ausgeführt, dass die Nutzung von regenerativ erzeugtem Strom zum Antrieb von
Fahrzeugen in Konkurrenz zum stationären Sektor steht.
Falls die CO2-Abscheidung technisch so weit
optimiert werden kann, dass sie auch unter
ökonomischen Gesichtspunkten konkurrenzfähig ist, und ausreichend Speicherkapazitäten
für die Deponierung zur Verfügung stehen, könnten auch die Wasserstoffpfade »Reformierung von Erdgas« und
»Kohlevergasung« für die Erreichung von Klimaschutzzielen im
Verkehrsbereich interessant werden.
Biokraftstoffe –
Mengenpotenzial und Flächenbedarf
Neben der technologischen
Einsatzreife, den spezifischen Emissionsminderungspotenzialen und den
Kosten von Biokraftstoffen ist die Frage, welche Menge von Biokraftstoffen auf
der vorhandenen Fläche hergestellt werden kann, zur Gesamtbewertung ihrer
Relevanz für die Substitution fossiler Kraftstoffe und das Erreichen von
Klimaschutzzielen von maßgeblicher Bedeutung.
Ausgehend von Grundannahmen zum landwirtschaftlichen Ertrag
und Wirkungsgraden der einzelnen
Herstellungsverfahren einschließlich Steigerungen aufgrund von
Lernkurveneffekten werden in einigen Szenarien die Flächenbedarfe berechnet, die
sich bei der Substitution einer bestimmten Menge fossiler Kraftstoffe ergeben.
Eine Maximalbetrachtung verdeutlicht, dass eine Fläche von
über 18 Mio. ha benötigt würde, um den
gesamten Kraftstoffbedarf des PKW-Sektors 2010 durch konventionelle Biokraftstoffe (RME, Bioethanol aus
Weizen) zu decken. Dies ist offensichtlich durch heimische Produktion
nicht zu realisieren. Als unter umweltpolitischen Restriktionen maximal
verfügbare Anbaufläche für Energiepflanzen in Deutschland im Jahr 2010 werden in
der Literatur etwa 1,6 Mio. ha angegeben.
Der Flächenbedarf, um
das vorläufige EU-Ziel von 10 % Biokraftstoffanteil im Jahr 2020 zu
realisieren, läge beim Einsatz von RME und Bioethanol auf Weizenbasis bei
1,6 Mio. ha. Damit wären Treibhausgasminderungen von etwa 7 Mio. t/a verbunden.
Würde das EU-Ziel durch Biokraftstoffe der sog. zweiten Generation realisiert,
betrüge der Flächenbedarf zur Substitution von Dieselkraftstoff 1,1 Mio. ha,
wenn BtL aus Holz von Kurzumtriebsplantagen zum Einsatz käme. Der Flächenbedarf
von Bioethanol aus Lignozellulose kann hier nicht quantifiziert werden, da die
notwendigen Daten nicht zur Verfügung stehen. Die Treibhausgasminderungen würden
sich auf etwa 12,3 Mio. t/a belaufen.
Erweiterung der Ressourcenbasis durch Importe
Aus den Analysen zu den Mengenpotenzialen von
Biokraftstoffen wird klar, dass bei anspruchsvollen Mengenzielen der
resultierende Flächenbedarf beträchtlich ist. Somit erscheint die Option
interessant, neben den heimischen Potenzialen zur Bereitstellung
von Biomasse für die energetische Nutzung auch exogene Potenziale durch
Importe von Bioenergieträgern (Brenn- und Kraftstoffe) zu nutzen.
In Europa liegen
beispielsweise erhebliche und bislang ungenutzte Potenziale in Polen und
Rumänien. Noch wesentlich umfangreicher erscheinen die Importpotenziale aus Schwellen- und Entwicklungsländern. Die
globalen Bioenergiepotenziale liegen aufgrund der klimatischen Bedingungen und
der Flächenverfügbarkeit zu einem erheblichen Anteil – mindestens 50 % –
in heutigen Schwellen- und Entwicklungsländern.
Unter
Nachhaltigkeitsaspekten ist dabei wesentlich, dass mögliche Exporte von
Biokraftstoffen nicht zu Nachteilen für die Umwelt (z.B. Urwaldrodung,
Umwandlung von extensiven Flächen zu Bioenergieplantagen) oder sozialen
Problemen (z.B. Enteignung oder Vertreibung) führen und die
Nahrungsmittelsicherheit nicht nachteilig beeinflusst wird.
Erste Studienergebnisse z.B. der Welternährungsorganisation
(FAO) weisen in die Richtung, dass kein direkter Zusammenhang zwischen möglichen
Bioenergieimporten aus Entwicklungsländern und der Ernährungssicherheit besteht.
Wünschenswert wäre allerdings die Entwicklung von verbindlichen Kriterien
für die »Nachhaltigkeit« von Biokraftstoffexporten aus Entwicklungsländern.
Nutzungskonkurrenzen
In Studien zur Nutzung von Biokraftstoffen erfolgen
Potenzialbetrachtungen oft in der Art, dass
100 % der verfügbaren Biomasse dem Kraftstoffsektor zugeordnet werden. Bei einer
solchen Vorgehensweise werden Nutzungskonkurrenzen außer Acht gelassen,
die auf verschiedenen Ebenen wirksam sind. Nutzungskonkurrenzen sind geprägt
durch Zielkonflikte und z.T. sich widersprechende Restriktionen einerseits und
durch das Verhältnis zwischen – begrenzten – Ressourcen (Potenzialen) und
Nachfrage andererseits.
NutzungsZwecke von Flächen
Eine grundlegende
Konkurrenzsituation besteht darin, dass unterschiedliche Nutzungsformen –
z.B. Land- und Forstwirtschaft, Siedlung und Verkehr sowie Natur- und
Landschaftsschutz bzw. Erholung – um die vorhandene Fläche konkurrieren. Kommen
neue Nutzungsansprüche – wie der Anbau von Energiepflanzen für Biokraftstoffe –
hinzu oder verändern sich die Nutzungsmuster, können sich die
Nutzungskonkurrenzen verschärfen. Die Bestimmung der Fläche, die für den
Biomasseanbau zur Verfügung steht, ist damit methodisch insofern schwierig, als
Abwägungen über die Priorität der verschiedenen Nutzungsansprüche erfolgen
müssen (z.B. Biomasse vs. Naturschutz).
Mobil oder stationär?
Eine weitere
fundamentale Konkurrenzsituation liegt in der Frage begründet, welcher
Nutzung die gewonnene Biomasse bzw. der erzeugte Strom zugeführt werden soll:
Ist die Nutzung im Verkehrsbereich oder die im stationären Sektor zu bevorzugen?
Geeignete Kriterien zur umweltökonomischen Bewertung sind hier die erzielbaren
CO2-Minderungen und die Vermeidungskosten.
Unbestritten ist, dass
die rohstoffliche Nutzung von Biomasse prioritär sein sollte, da sie in
der Nutzungskette der Stoffe quasi vorgeschaltet werden kann. Vorausgesetzt, dass die Materialien nach der stofflichen
Nutzungsphase in logistisch unaufwendiger Form erfasst und gesammelt
werden können, sind sie daran anschließend energetisch bzw. als Kraftstoff
nutzbar.
Bei der Bewertung, ob die mobile oder stationäre Nutzung
(also z.B. Umwandlung von Holz zu BtL-Diesel oder Verbrennung von Holzpellets
zur Wärme- und Stromerzeugung) zu bevorzugen
ist, kommen die meisten aktuellen Studien in der Tendenz zum Ergebnis, dass die stationäre Nutzung unter dem
Blick der Treibhausgasvermeidungskosten effizienter ist als die
Biomassenutzung im mobilen Sektor. Ebenso
wird die Einspeisung erneuerbaren Stroms in das Netz als effizienter
eingeschätzt als die Herstellung von Wasserstoff via Elektrolyse für den
mobilen Einsatz. Allerdings
kann eine belastbare Aussage zu den zukünftigen
Treibhausgasvermeidungskosten durch »stationäre« oder »mobile« Nutzung ohne eine
detaillierte Modellierung konsistenter Szenarien mit entsprechenden
Mengengerüsten, Kostenentwicklungen und Berücksichtigung von Sättigungseffekten
nicht getroffen werden.
Prioritärer Untersuchungsbedarf für die
Technikfolgenabschätzung
Aus dem in diesem
Bericht herausgearbeiteten Gesamtüberblick über den gegenwärtigen Wissens- und Diskussionsstand in den
Themenbereichen Verkehrsträger und
Antriebstechnologien sowie Kraftstoffe wurde eine Reihe von untersuchungsbedürftigen
Fragestellungen identifiziert, die nach Einschätzung des TAB besondere
Aufmerksamkeit verdienen, da sie einerseits für die Realisierung von
Emissionsminderungen im Verkehrsbereich zentrale Bedeutung besitzen und
andererseits erhebliche Forschungslücken in diesen Feldern zu konstatieren
sind. Prioritärer Untersuchungsbedarf wird auf folgenden Gebieten
gesehen:
Verkehrsträger und Antriebstechnologien
- Potenziale zur Emissionsminderung der Verkehrsträger Schiene,
Wasser, Luft
- Problembereich Güterverkehr –
technologische Potenziale
Kraftstoffe
- Biokraftstoffe der sog. zweiten Generation
(Well-to-Wheels-Analysen)
- CO2-Abscheidung und -Lagerung bei der Herstellung von
Kraftstoffen
- Importe von Biokraftstoffen
- Globale Biomassepotenziale und Nutzungskonkurrenzen
- Einführungsstrategien für alternative Kraftstoffe