![]() |
Zusammenfassung des TAB-Arbeitsberichtes Nr. 62"Neue Materialien zur Energieeinsparung und zur Energieumwandlung"
Auf Anregung des Ausschusses für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit sollten Stand, Aussichten, Chancen und Risiken der Entwicklung und des Einsatzes neuer Materialien für die Energieeinsparung und -umwandlung untersucht werden. Als Schwerpunkt wurden Hochtemperaturwerkstoffe für Gasturbinen, Materialien für Solarzellen und supraleitende Materialien gewählt. Da die verfügbaren bzw. zu entwickelnden Fertigungstechniken für die Realisierung von anwendungsreifen Lösungen von erheblicher, manchmal sogar entscheidender Bedeutung sind, wurde die Betrachtung nicht auf die einzusetzenden Materialien beschränkt. Zur hiermit vorgelegten Vorstudie wurde ein umfangreicher Materialienband erarbeitet, in dem naturwissenschaftlich-technisch Zusammenhänge bei den einzelnen Materialgruppen vertieft dargestellt und einzelne Materialien und Anwendungen detaillierter untersucht wurden. Der Materialienband ist auf Anfrage beim TAB erhältlich. Die Entwicklung, Herstellung und Verarbeitung von neuen Materialien für innovative Anwendungen hat herausragende Bedeutung für viele Technologiefelder und Wirtschaftsbranchen. Neue Werkstoffe bilden die Grundlage für Weiterentwicklungen in praktisch allen wichtigen Technologiebereichen. Die künftige wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit des Standortes Deutschland steht in engem Zusammenhang mit Innovationen im Werkstoffbereich. Zudem hat die Entwicklung neuer Werkstoffe und der zugehörigen Produktions- und Verarbeitungstechniken auch erhebliche ökologische Auswirkungen (Schadstoffminderung, Ressourcenschonung, etc.). Die zentrale Rolle neuer Werkstoffe für die Entwicklung innovativer Technologien und neuer marktfähiger Produkte spielt in der öffentlichen Wahrnehmung eine eher untergeordnete Rolle. Dies hat seine Ursache unter anderem darin, daß die Funktionalität eines neuen bzw. weiterentwickelten Systems oder Produkts für den Nutzer im Vordergrund steht und damit häufig die eigentlich entscheidenden Bausteine - die verwendeten Werkstoffe - hinter diese zurücktreten. Aus industrieller Perspektive fallen zudem Erträge aus der Herstellung der Werkstoffe selbst - verglichen mit Erträgen aus Produkten und Systemen - in der Regel geringer aus. Neue Entwicklungen im Werkstoffbereich zeigen nicht nur Auswirkungen in den direkt werkstoffbasierten Technologiefeldern. Auch Fortschritte bei Technologien, die nicht auf den ersten Blick mit neuen Werkstoffen in Verbindung gebracht werden, beruhen in erheblichem Maße auf neuen Werkstoffentwicklungen. Die Bedeutung neuer Materialien für Anwendungen in klassischen Technologiefeldern kann anhand ihrer Anwendung im Energiesektor verdeutlicht werden. Besonders anschaulich kann ihr Querschnittscharakter an der gebräuchlichen Zuordnung zu Funktions- und Strukturwerkstoffen dargestellt werden. Neue thermisch und chemisch höher belastbare Strukturmaterialien (v.a. Strukturkeramiken und Strukturmetalle) sollen Wirkungsgrade und Wirtschaftlichkeit konventioneller Energietechniken, vor allem bei der Umwandlung fossiler Energieträger in elektrische Energie, verbessern. Besondere physikalische Eigenschaften von Funktionsmaterialien macht man sich für neue Umwandlungstechniken (etwa die Umwandlung von Sonnenlicht in elektrische Energie, die Photovoltaik) oder für eine Reduktion von Verlusten bei der Energieübertragung und -anwendung (beispielsweise durch die technische Anwendung der nahezu verlustfreien Stromleitung, der sogenannten Supraleitung) und damit für die Einsparung elektrischer Energie zunutze. Ziel der vorliegenden Studie ist es, anhand dreier Anwendungsfelder den aktuellen Entwicklungsstand sowie Besonderheiten der Herstellung hierfür ausgewählter Materialien zu analysieren. Dabei ist zu beachten, daß in der aktuellen wissenschaftlichen Diskussion keine scharfe Trennung zwischen den Begriffen "Material" und "Werkstoff" existiert, auch werden die Begriffe "Neue Materialien" und "Neue Werkstoffe" oft in Ermangelung einer allgemein anerkannten Definition nicht einheitlich verwendet. Die vorliegende Studie lehnt sich an die wissenschaftlich-technisch orientierte Auffassung an, die den Bereich der neuen Werkstoffe als den jeweils aktuellen Frontbereich von Werkstofforschung und -entwicklung versteht. Neue Werkstoffe sind demnach Werkstoffe, die sich in ihrer physikalischen Struktur, ihrer chemischen Zusammensetzung oder in ihrer Funktion von vorhandenen Werkstoffen unterscheiden. Ihre Entwicklung erfolgt grundsätzlich auf zwei verschiedenen Pfaden, zum einen durch Modifikation der physikalischen Struktur oder chemischen Zusammensetzung konventioneller Werkstoffe oder auf der Basis neuer Werkstoffkonzepte. Das Thema "Neue Materialien für die Energieeinsparung und Energieumwandlung" verknüpft verschiedene Themen- und Technologiebereiche sowie Materialgruppen. Die vorliegende Studie vertieft hierzu drei ausgewählte Anwendungsbereiche neuer Materialien, in denen bereits vereinzelte Anwendungen stattfinden und z.T. sich noch im Stadium der Forschung befinden:
Das verbindende Element besteht im angestrebten Ziel, (elektrische) Energie effizient, kostengünstig sowie umwelt- und ressourcenschonend zu erzeugen, zu transportieren, zu speichern oder anzuwenden. Hierzu werden zahlreiche Ansätze verfolgt:
Der heutige Kenntnisstand der Werkstoffentwicklung erlaubt zunehmend eine maßgeschneiderte Herstellung oder Verbesserung von Werkstoffen. Hierbei bestimmen nicht länger die Eigenschaften des Werkstoffes seine Nutzung, vielmehr werden aus den gewünschten Funktionen von Systemen oder Produkten Zielvorgaben für den Entwicklungsprozeß abgeleitet. Auf der Basis der Definition einer angestrebten technologischen Dienstleistung wird ein Nutzungsprofil entworfen, das die Anforderungen an die eingesetzten Werkstoffe beschreibt und das Entwicklungsziel definiert. Maßgeschneiderte Werkstoffe reflektieren damit einen wesentlichen qualitativen Fortschritt im Werkstoffbereich. PhotovoltaikDie Nutzung der Solarenergie durch Photovoltaik oder Solarthermie zählt mittlerweile zum Stand der Technik. Der energiewirtschaftliche Durchbruch, insbesondere der Photovoltaik, wird bislang u.a. durch die verhältnismäßig hohen Herstellungskosten der photovoltaischen Solarzellen und deren geringen Wirkungsgrad sowie die aufwendigen Maßnahmen zur Systemeinbindung gehemmt. Lediglich der PV-Einsatz bei Insellösungen hat sich als schon heute wirtschaftlich erwiesen. Neben Arbeiten zur Verbesserung von Solarzellen-Konzepten auf Basis des "klassischen" Zellenmaterials Silizium wird deshalb weltweit nach neuen Materialien für photovoltaische Zellen gesucht. Diese Materialien sollen einen hohen Wirkungsgrad der Solarzellen ermöglichen, kostengünstig herstellbar und langlebig sein sowie zu geringen Umweltbelastungen bei Herstellung, Nutzung und Entsorgung/Rezyklierung führen. Die Schlußfolgerungen der Analyse können wie folgt zusammengefaßt werden:
Prinzipiell neue Solarzellenkonzepte und -materialien können zwar generell für die Zukunft nicht ausgeschlossen werden, sie sind aber gegenwärtig nicht in Sicht. Viele spektakulär angekündigte Neuerungen der letzten Jahre sind aufgegeben worden, noch ehe sie das Laborstadium verlassen haben. GasturbinenStationär betriebene Gasturbinen haben in den letzten Jahren erheblich an Bedeutung in der weltweiten Stromerzeugung gewonnen, nicht zuletzt aufgrund von Liberalisierungstendenzen in den Energie- und Gasmärkten. Sie sind heute eine Standardtechnik in der Erzeugung elektrischer Energie. Gasturbinen sind im Sinne einer preiswerten, brennstoffvariablen und schnell verfügbaren Energieversorgung vielseitig einsetzbar und in einer dynamischen Entwicklung begriffen. Auch wenn ihr Wirkungsgrad nicht beliebig steigerungsfähig ist, so ist doch ein weiteres "Heranrücken" an die thermodynamisch definierte Grenze möglich. Eine weitere Wirkungsgradsteigerung ist sinnvoll, weil eine effizien-tere Brennstoffausnutzung natürliche Ressourcen schont und Schadstoffeinträge in die Umwelt verringert. Bei der Umsetzung einer Wirkungsgradsteigerung spielen neu- und weiterentwickelte Materialien eine wesentliche Rolle. Der Schwerpunkt liegt auf vier Werkstoffklassen: Metallische Werkstoffe (Superlegierungen und intermetallische Phasen), keramische Werkstoffe (Strukturkeramiken), Verbundwerkstoffe mit keramischer Matrix (kohlenstoffaserverstärkte Kohlenstoffe) sowie Oberflächenbeschichtungen (Wärmeschutzschichten). Dabei wird von neuen Hochtemperaturwerkstoffen mindestens ein gleichwertiges, eher ein gegenüber konventionellen Werkstoffen deutlich verbessertes Eigenschaftsprofil erwartet, das möglichst kostengünstig erreichbar sein soll. Auffallend ist, daß bei neuen Hochtemperaturwerkstoffen derzeit an vielen Einzelfragen geforscht wird. Wesentliche Verbesserungen wurden bei einzelnen Gebrauchs- und Fertigungseigenschaften erreicht (wobei Materialentwicklungen im Gasturbinen-Bau bisher wesentlich von Entwicklungen im Flugturbinenbau profitiert haben), eine Überlegenheit im gesamten Eigenschaftsprofil konnte jedoch noch nicht nachgewiesen werden. Mit gerichtet bzw. einkristallin erstarrten Superlegierungen lassen sich bereits auf der Materialoberfläche Temperaturen von ca. 1.000°C realisieren. Eine Steigerung der Oberflächentemperatur auf ca. 1.100°C wird noch mit metallischen Komponenten, wie weiterentwickelten bzw. oxid-dispersionsverstärkten (ODS)-Superlegierungen, realisierbar sein. Für eine signifikante Steigerung der Temperaturen auf der Materialoberfläche auf ca. 1.400°C ist bereits die Entwicklung keramischer Strukturwerkstoffe erforderlich. Eine weitere Temperatursteigerung bedeutet in der Materialauswahl ein Wechsel in Richtung Verbundwerkstoffe (z.B. kohlenstoffaserverstärkte Kohlenstoffe). Unter Berücksichtigung einer zeitlichen Entwicklungskomponente bedeutet dies:
Oberflächenbeschichtungen als Wärmeschutzschichten aufgebracht spielen bei fast jedem Hochtemperaturwerkstoff eine ergänzende, zumeist korrosive Bedingungen ausgleichende und damit stabilisierende Rolle. Dadurch wird eine Steigerung der Einsatztemperaturen einzelner Bauteile um bis zu 100°C möglich. Praxisrelevante Probleme, wie Stabilität und Haftung der Beschichtungen etwa bei Mehrschichtsystemen, erscheinen mittelfristig lösbar. Den relativ hohen Erwartungen an neue Materialien steht bei den betrachteten Hochtemperaturwerkstoffen für Gasturbinen noch ein umfangreicher FuE-Bedarf z.B. in folgenden Themenfeldern gegenüber:
SupraleiterSupraleiter können - theoretisch - im Rahmen der Elektritzitätswirtschaft auf allen Produktionsstufen (Umwandlung, Transport und Verteilung) eingesetzt werden. Die Energietechnik wird seit geraumer Zeit als ein wesentliches Anwendungsgebiet für supraleitende Materialien angesehen. Neben Verbesserungen bei bekannten technischen Systemen (supraleitende Generatoren, Transformatoren, Kabel), wo sich aufgrund der geringen elektrischen Verluste der Supraleiter höhere Wirkungsgrade erzielen lassen und die hohe Leistungsdichte reduzierte Volumina und Gewichte ermöglicht, werden auch neue Konzepte (bspw. Fehlerstrombegrenzer auf der Basis supraleitender Materialien und der Einsatz supraleitender magnetischer Energiespeicher) diskutiert. Allerdings sind inbesondere für die Kühlung der Supraleiter aufwendige Techniken notwendig, die durch ihren Eigenverbrauch die energetischen Vorteile der verlustarmen Leitung reduzieren oder überkompensieren. Zudem ist die Fertigung der Leiter verglichen mit konventionellen Kupferleitern erheblich schwieriger und aufwendiger, die Systeme selbst sind häufig komplizierter, so daß erhebliche Anstrengungen unternommen werden müssen, um die gleiche Zuverlässigkeit und Verfügbarkeit wie bei den heute verfügbaren konventionellen Alternativen zu erzielen, was wiederum zu höheren Anlagenkosten führt. Die Entdeckung von hochtemperatursupraleitenden Materialen Mitte der achtziger Jahre ließ alte Erwartungen bezüglich des baldigen Einsatzes supraleitender Techniken in der Elektrizitätswirtschaft wiederauferstehen. Dabei wurden durch die neuen Materialien die den energietechnischen Anwendungen zugrundeliegenden physikalisch-technischen Prinzipien und die Rahmenbedingungen ihres Einsatzes nicht grundlegend geändert. Durch die Nutzung eines "höheren" Temperaturbereichs für die Kühlung könnten jedoch einfachere und billigere Kühltechniken Anwendung finden, zudem könnte der Aufwand für die thermische Isolation reduziert werden. Dem stand gegenüber, daß die Eigenschaften der neuen Materialen zunächst untersucht und verstanden werden mußten und Verfahren für die Fertigung von für die jeweilige Anwendung geeigneten Leitern zu entwickeln waren. Bei den "klassischen" Hochtemperatursupraleitern ist an einer Weiterentwicklung der bekannten sowie an der Entwicklung neuer Konzepte und Herstellungsprozesse für für energietechnische Anwendungen geeignete Leiter zu arbeiten. Die "Kontrollierbarkeit" eines Materials ist ein fundamentaler Faktor für seine praktische Anwendung. Bei den Hochtemperatursupraleitern wurden in den vergangenen zehn Jahren zahlreiche Fortschritte erzielt, das Verständnis der wichtigsten Materialien ist inzwischen ausreichend. Eine akzeptierte physikalische Theorie der Hochtemperatur-Supraleitung ist jedoch - trotz verbreiteter Anstrengungen und zahlreicher origineller und stimulierender Ideen - bislang nicht in Sicht. Weitere Grundlagenforschung erscheint hier notwendig. Es wurden in den letzten Jahren zahlreiche Verfahren zur Fertigung von Leitern auf der Basis von HTS-Materialien entwickelt. Jedes davon weist spezifische Stärken und Schwächen auf. Für eine Umsetzung der Prozesse in eine industrielle Fertigung scheint sich (sowohl aus physikalisch-technischen wie auch aus wirtschaftlichen Gründen) als Leitprinzip herauszukristallisieren, diese Prozesse möglichst flexibel und einfach zu halten und nur so viele Prozeßschritte durchzuführen, wie zum Erreichen der geforderten Parameter notwendig. Unter den heute umfangreich untersuchten HTS-Materialien weist YBCO im Vergleich zu den Bi-Materialien bei 77 K signifikant höhere Stromdichten auf. Aufgrund struktureller Eigenschaften des Materials ist seine Anwendung in Form gewalzter Bänder oder Drähte ausgeschlossen. Beschichtungsverfahren zur Leiterherstellung waren erst bei Längen von wenigen Zentimetern erfolgreich. Besonders aussichtsreich scheint gegenwärtig die Abscheidung dicker Schichten von YBCO auf flexiblen Metallsubstraten und deren anschließende Weiterverarbeitung mittels verschiedener technischer Ansätze zu sein. Bis damit längere Leiter produziert werden können, werden aber wohl noch einige Jahre Entwicklungstätigkeit notwendig sein. Bi-basierte Leitermaterialien (BSCCO-Verbindungen) erlauben eine einfachere Herstellung von Drähten und Bändern. Allerdings verlieren sie die Supraleitfähigkeit bei 77 K bereits bei Magnetfeldern mittlerer Stärke, die bei vielen energietechnischen Anwendungen als integraler Bestandteil des Funktionsprinzips auftreten. Im Bereich von 20-30 K zeigen PIT-gefertigte Bi-Leiter jedoch gute technische Daten. Durch neue Techniken hofft man, die Supraleitung auch bei "höheren" Temperaturen und/oder stärkeren Magnetfeldern erhalten zu können. Mit kurzen Drähten wurden bereits vielversprechende Ergebnisse erzielt. Ob diese Techniken jedoch für größere Leiterlängen praktikabel und wirtschaftlich sind, bleibt abzuwarten. Obwohl heute bereits mehr als 100 Verbindungen bekannt sind, die als Hochtemperatur-Supraleiter bezeichnet werden können, sollte die Suche nach weiteren Materialen fortgesetzt werden. Dabei sollte das Hauptaugenmerk weniger auf Materialien mit höheren kritischen Temperaturen gelegt werden. Für die meisten energietechnischen Anwendungen wird es vielmehr darauf ankommen, Supraleiter zu finden, die
Dabei wird die empirische Suche nach neuen Materialien - auch wenn in Zukunft eine geeignete theoretische Erklärung des Mechanismus der Hochtemperatur-Supraleitung gefunden werden sollte - weiter die zentrale Rolle einnehmen. Supraleitende Komponenten für Anwendungen in der elektrischen Energietechnik gestatten - zunächst hier ungeachtet des eingesetzten Supraleiters - entweder völlig neue technische Systeme oder sollen konventionelle Systeme aufgrund günstigerer techno-ökonomischer Parameter ablösen. Der entscheidende Durchbruch für energietechnische HTS-Anwendungen bei 77K wird erst dann eintreten können, wenn sich diese in geeigneten technischen Konfigurationen fertigen lassen. Unklar ist, mit welchen elektrischen Parametern und zu welchen Kosten geeignete technische Supraleiter auf HTS-Basis tatsächlich in industriellem Maßstab gefertigt werden können. Festzuhalten ist, daß es den "Allzweck"-Supraleiter für energietechnische Anwendungen nicht geben wird. Vielmehr werden technisch-ökonomische Optimierungen bei der Wahl des supraleitenden Materials wie auch der Leiterkonfiguration zu vielfältigen Konzepten führen. Für die Einsatzmöglichkeiten der einzelnen Anwendungen läßt sich - die Verfügbarkeit geeigneter und "bezahlbarer" Leiter vorausgesetzt - aus heutiger Sicht zusammenfassend feststellen:
Bei den komplexen energietechnischen Systemen und deren langen Entwicklungs- und Erprobungszeiten sowie den derzeit ungewissen Aussichten auf einen kommerziellen Erfolg von supraleitenden Systemen erscheint es unwahrscheinlich, daß eine rein industrielle Forschung und Entwicklung in diesem Bereich in größerem Umfang realisiert wird. Im Wettbewerb mit den über lange Zeit erprobten und weiterentwickelten konventionellen Betriebsmitteln in der elektrischen Energietechnik sind neue Techniken beim Nachweis der Funktionalität, Zuverlässigkeit und Verfügbarkeit immer im Nachteil. Staatliche Unterstützung wäre - neben der Grundlagenforschung - vor allem bei Pilotprojekten und Demonstrationsanlagen unumgänglich, sollen diese Techniken weiterentwickelt und erprobt werden. Für die Beurteilung der langfristigen Perspektive von supraleitenden Energietechniken wird es nicht ausreichend sein, diese jeweils den konventionellen Alternativen gegenüberzustellen. Von Interesse wäre es, ein "supraleiterbasiertes" Elektrizitätsversorgungssystem - und den Weg dorthin - zu entwerfen und gesamtwirtschaftlich mit dem gegenwärtigen und sich in neuen Rahmenbedingungen weiter entwickelnden System in Bezug zu setzen. Eine ökologische Bewertung des Einsatzes neuer Werkstoffe in der Energietechnik ist gegenwärtig nur in Ansätzen möglich. Einerseits lassen beispielsweise hochtemperaturfeste Werkstoffe für den Einsatz in Gasturbinen eine Steigerung des Wirkungsgrades und damit reduzierte Energieverbräuche und Emissionen erwarten. Die gewünschte - und erzeugte - hohe Widerstandsfähigkeit dieser Materialien gegenüber thermischen und chemischen Einflüssen könnte jedoch deren Recycling-Fähigkeit reduzieren. Materialen für Solarzellen leisten einen Beitrag zur im Betrieb emissionsfreien Stromerzeugung, jedoch sind für ihre Herstellung erhebliche Energieeinsätze aufzuwenden. Generell kann festgehalten werden, daß - bis auf Ausnahmen - zur Zeit Forschungsergebnisse und aufgearbeitete Informationen fehlen, um die ökologischen Folgen des Einsatzes neuer Werkstoffe befriedigend beurteilen zu können. Für das Erstellen von Ökobilanzen fehlen vielen - vor allem kleinen und mittleren - Unternehmen sowohl Bilanzdaten konventioneller und vor allem neuer Werkstoffe sowie häufig auch personelle Kapazitäten. Es wäre wünschenswert, Aspekte der ökologischen Bewertung der Werkstoffentwicklung stärker als bisher in die FuE-Aktivitäten einzubeziehen. Stand: Juli 1999 - buero@tab.fzk.de |