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Zusammenfassung des TAB-Arbeitsberichtes Nr. 73"Bioenergieträger und Entwicklungsländer"Das TA-Projekt "Bioenergieträger und Entwicklungsländer" geht auf Vorschläge der Ausschüsse für Bildung, Forschung und Technikfolgenabschätzung und für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung zurück. Zielsetzung des im Oktober 1999 begonnenen Projektes ist es, die Chancen und Probleme einer verstärkten Nutzung biogener Energieträger in Entwicklungsländern zu untersuchen sowie die Gestaltungsmöglichkeiten der Entwicklungs-, Klimaschutz-, Forschungs- und Technologiepolitik in diesem Themenbereich herauszuarbeiten. Einsatz und Perspektiven regenerativer Energien in EntwicklungsländernDer aktuelle Stand und die Perspektiven der Nutzung erneuerbarer Energien werden anhand eines Vergleichs verschiedener Szenarienanalysen beschrieben. Solche Analysen werden auf der Basis von Annahmen und statistisch ermittelten Trends ökonomischer Indikatoren erstellt und müssen dementsprechend interpretiert werden. Gegenwärtig werden weltweit ca. 9,25 Gtoe aus fossilen und erneuerbaren Energieträgern verbraucht, davon 3,8 Gtoe in den Entwicklungsländern. Bis zum Jahre 2050 erwartet man weltweit mindestens eine Verdopplung und höchstens eine Vervierfachung der Verbrauchsmenge. Dabei wird der Energieverbrauch in den Entwicklungsländern stärker zunehmen als in den Industriestaaten. Der Anteil regenerativer Energieträger am Energieträgermix wird sich dem World Energy Council zufolge voraussichtlich von 1,09 auf 3,23 Gtoe erhöhen, was dann nahezu einem Drittel des Gesamtprimärenergieverbrauchs der Entwicklungsländer entspräche. Innerhalb der Gruppe der erneuerbaren Energien wird der Biomasse zunächst eine größere Bedeutung zugesprochen als der Solarenergie oder der Wind- und Wasserkraft. Alle Szenarienanalysen zeigen, dass es sich um eine "robuste" Entwicklung handelt und in diesem Bereich erhebliche Marktpotenziale für Energieerzeugungs- und -umwandlungsanlagen erschlossen werden können. Moderate Wachstumsraten kennzeichnen die Entwicklung bis zum Jahr 2020. Danach gehen die Szenarienanalysen von einer zunehmend beschleunigten Ausweitung der Nutzung regenerativer Energien aus, so dass dieser Markt ein mindestens so großes Volumen haben wird wie der von Anlagen, die mit fossiler Energie betrieben werden. Nutzung von Bioenergieträgern in EntwicklungsländernBiofestbrennstoffe In den Entwicklungsländern werden Biofestbrennstoffe vor allem in Form von Holz, Nebenprodukten aus der landwirtschaftlichen Produktion (Ernterückstände) und Tierdung genutzt. Dabei ist Holz der mit Abstand bedeutendste biogene Energieträger. Teilt man die Entwicklungsländer in drei Regionen (Afrika, Lateinamerika einschl. Karibik, Asien) auf, stellt man fest, dass Biomasse in sehr unterschiedlicher Form und Menge genutzt wird. Der Biomasseanteil am Energieträgermix liegt in Lateinamerika dreimal und in Afrika zweimal so hoch wie in Asien. In den allermeisten afrikanischen Ländern südlich der Sahara beträgt der Anteil der Biomasse sogar zwischen 70 und 90 %. Davon wiederum wird der größte Teil (bis zu 90 %) von Haushalten zum Kochen (in Form von Holz, Holzkohle und Ernteresten) verwendet. Unter den Biomassefraktionen dominiert Holz (bzw. Holzkohle) in allen drei Regionen. Ernterückstände werden vor allem in Asien energetisch genutzt, wobei besonders in Lateinamerika von einem hohen ungenutzten Potenzial auszugehen ist. In vielen Entwicklungsländern und besonders in Brasilien gewinnt die energetische Nutzung von Bagasse aus der Zuckerrohrverarbeitung an Bedeutung. Auch Tierdung wird v.a. in den Teilen Asiens genutzt, in denen höherwertige Brennstoffe entweder nicht oder nur unzureichend vorhanden sind. Betrachtet man die einzelnen Wirtschaftssektoren in den drei Regionen, wird deutlich, dass ein Großteil der Biomasse in privaten Haushalten zum Kochen und Heizen verwendet wird. Die gewerbliche Nutzung von Biomasse ist jedoch nicht unbedeutend, und viele landwirtschaftliche Betriebe, Brauereien sowie Ziegelbrennereien u.ä. sind auf Biomasse als Primärenergiequelle angewiesen. Herde, Brenner und Öfen sind die gängigen Konversionstechniken zur Umwandlung von Primär- zu Nutzenergie in den Entwicklungsländern, und ein wichtiger Indikator für die Nutzung von Biomasse ist die Effizienz dieser Anlagen. Dabei lässt sich beobachten, dass entsprechend der wirtschaftlichen Entwicklung die Nutzungsgrade dieser Technologien in Lateinamerika durchschnittlich am höchsten (bis zu 35 %) und in Afrika am niedrigsten (bis zu 21 %) sind. In der Vergangenheit wurde vielfach versucht, den durchschnittlichen Nutzungsgrad der Anlagen durch die gezielte Verbreitung verbesserter Herde und Öfen anzuheben. Diese Strategie war aber nur bedingt erfolgreich, da die neuen Technologien oft nicht kulturell angepasst waren oder technische Mängel aufwiesen. Ausnahmen stellen China für die Verbreitung verbesserter Herde auf Haushaltsebene und Brasilien für die fast flächendeckende Verbesserung der Nutzungsgrade in der Holzkohleherstellung dar. Der Einsatz von Biofestbrennstoffen muss sowohl heute als auch in Zukunft in Konkurrenz zur Nutzung fossiler Energieträger gesehen werden. In den meisten Entwicklungsländern mit Ausnahme einiger afrikanischer Staaten (z.B. Simbabwe) dominiert der Anteil fossiler Energieträger am Gesamtenergieträgermix. In allen drei Regionen wird in den nächsten Jahren ein moderates wirtschaftliches Wachstum und infolgedessen auch ein Anstieg des Energieverbrauchs erwartet. Besonders in Asien und Afrika erhöht sich dieser Verbrauch zusätzlich durch die schnell wachsende Bevölkerung. In diesem Zusammenhang liegt der Vorteil der Biofestbrennstoffe darin, dass sie Energie weitgehend ohne die zusätzliche Emission von Kohlenstoffdioxid und anderen klimawirksamen Gasen bereitstellen. Schon heute werden große Mengen Kohlenstoffdioxid durch den Einsatz von Bioenergieträgern vermieden. Weltweit stehen ca. 104 EJ/Jahr an Energie aus Biofestbrennstoffen zur Verfügung. Zurzeit wird aber nur ein Drittel dieser Menge energetisch genutzt. Dabei ist zu bedenken, dass Biofestbrennstoffe nicht immer dort verfügbar sind, wo sie benötigt werden. So gibt es in Asien kaum ungenutztes Biomassepotenzial, und vielerorts treten sogar ökologische Schäden durch Übernutzung der Wälder auf. Allenfalls in Afrika gibt es noch Regionen, in denen Biomasse im Übermaß vorhanden ist. Wichtig ist in diesem Zusammenhang auch, dass ein zunehmender Teil der zur Energienutzung verwendeten Festbrennstoffe aus landwirtschaftlichen Flächen stammt, wobei allerdings zukünftig die Konkurrenz zur Nahrungsmittelproduktion verstärkt zu beachten sein wird. Im Sinne einer nachhaltigen energetischen Nutzung des Biomassepotenzials sollten zwei unterschiedliche Ziele verfolgt werden. Zum einen sollte v.a. regional für Nachhaltigkeit in der Bereitstellung von Biofestbrennstoffen gesorgt werden, d.h. es darf nicht mehr Biomasse verbraucht werden als nachwächst, und Wälder müssen ggf. entsprechend bewirtschaftet werden. Zum anderen sollte die Effizienz in der Energiekonversion gesteigert werden, um die Verbrauchsmenge zu reduzieren. Entwicklungspolitisch interessant werden könnte weiterhin die Umwandlung von Biofestbrennstoffen in Strom oder Gas. Ölpflanzen Ölpflanzen und insbesondere Ölpalmen sind die zweite Kategorie von Bioenergieträgern, die im Rahmen des TA-Projekts untersucht wurde. Neben ihrer Bedeutung als Nahrungsmittelfette und in der oleochemischen Industrie hat v.a. die energetische Nutzung von Pflanzenölen an Bedeutung gewonnnen und ansatzweise zur Substitution von fossilen Energieträgern geführt. Weltweit konnte die Produktion von Pflanzenölen in den letzten 30 Jahren um fast 250 % gesteigert werden. Die Purgiernuss stellt eine Ölpflanze für die ariden Zonen dar, die beispielsweise in der Form von Hecken neben dem Erosionsschutz auch für die Kraftstoffgewinnung genutzt werden kann. Als produktivste Ölpflanze der Tropen werden Ölpalmen v.a. in West- und Äquatorialafrika, Südostasien und Mittel- bzw. Südamerika angebaut und zeichnen sich durch vergleichsweise hohe Erträge bei niedrigem Düngeraufwand aus. Sowohl in der Produktion als auch in der Verarbeitung, also der Extraktion von Palm- und Palmkernöl, hat sich eine eher industrielle Produktionsform durchgesetzt. Die kleinbäuerliche Produktion ist jedoch trotz des geringeren Ertragsniveaus wirtschaftlich relevant und wird als förderungswürdig erachtet, da sie geringere Umweltbelastungen verursacht. Sowohl die industrielle als auch die kleinbäuerliche Produktion kann hinsichtlich der energetischen Effizienz durch die Nutzung von Neben- und Sekundärprodukten (z.B. Frucht- und Steinschalen und Ölmühlenabwässer) erheblich optimiert werden. Ein Potenzial zur Minderung von Emissionen durch die energetische Nutzung von Pflanzenölen wird v.a. in der Substitution von flüssigen Energieträgern im Transportsektor gesehen. Zu diesem Zweck kann Pflanzenöl entweder direkt oder in veränderter Form, z.B. durch Konversion in Mineralölraffinerien oder Veresterung, als Kraftstoff, nutzbar gemacht werden. Eine Ausweitung der Pflanzenölproduktion hängt von einer Vielzahl verschiedener Faktoren ab. Ökonomisch betrachtet konkurriert der Preis für Pflanzenöl mit dem Ölpreis, und da Kraftstoffe fossilen Ursprungs vielerorts subventioniert werden, ist Pflanzenöl bisher nur in Einzelfällen konkurrenzfähig. Ein Konkurrenzverhältnis besteht auch zwischen der energetischen Nutzung von Pflanzenöl und dessen Funktion als Nahrungsmittel. Eine Preissteigerung infolge einer politisch induzierten, erhöhten Nachfrage nach Pflanzenöl für die energetische Nutzung würde die ohnehin schon prekäre Ernährungssituation v.a. in pflanzenölimportierenden Ländern (z.B. China und Indien) verschärfen. Über die Nahrungsmittelproduktion hinaus steht die energetische Verwendung von Pflanzenölen auch in Konkurrenz zur chemisch-technischen Nutzung. Schließlich sind einer Erhöhung der Pflanzenölproduktion durch den Mangel an geeigneten Flächen Grenzen gesetzt. Ökologisch vertretbar ist nur eine Ausdehnung des Anbaus auf degradierten Flächen (wie z.B. Savannen) oder die Umwidmung von Flächen, die ohnehin schon landwirtschaftlich genutzt werden. Ferner ist eine Steigerung des Ertragsniveaus durch Verfahrensoptimierung und Züchtung verbesserter Sorten denkbar. Langfristig stellt sich in einigen Ländern zusätzlich die Frage nach der Verfügbarkeit von landwirtschaftlichen Arbeitskräften. Verglichen mit den Biofestbrennstoffen stehen der energetischen Nutzung von Pflanzenölen ungleich mehr Probleme im Weg. Das Potenzial zur Emissionsminderung liegt zudem weit niedriger als im Falle der Biofestbrennstoffe oder der Biogastechnologie. Biogas Die Vorteile der Biogastechnologie liegen in ihrem doppelt positiven Beitrag zur Reduzierung der Klimagasemissionen. In einem Fermenter werden organische Abfälle und Exkremente unter Sauerstoffabschluss vergärt; es entsteht ein Gasgemisch mit 60-70 % Methangehalt. Dabei werden zum einen die klimawirksamen Emissionen beim natürlichen Verfall dieser Materialien vermieden und zum anderen fossile Brennstoffe durch die Nutzung des Gases substituiert. Biogas kann ebenso wie Erdgas zum Heizen, Kochen sowie zum Betreiben von Motoren bzw. Blockheizkraftwerken genutzt werden. Besonders in Asien aber auch in Lateinamerika und in einigen Gebieten Westafrikas wird diese Technologie erfolgreich eingesetzt. Ihrer Verbreitung sind aber durch klimatische Bedingungen und die Verfügbarkeit von Gärsubstraten Grenzen gesetzt. Der Kontakt mit Fäkalien ist zudem in einigen Kulturen mit einem schlechten Image verbunden. In China und Indien ist die Biogastechnologie besonders im kleinbäuerlichen Bereich verbreitet. Zusammengenommen gibt es in diesen beiden Ländern ca. 8 Mio. Biogasanlagen. In Indien konnten im Jahre 1996 6 Mio. Tonnen Brennholz durch Biogas ersetzt werden. In allen Entwicklungsländern muss die Biogastechnologie jedoch technologisch und verfahrenstechnisch weiter optimiert werden. Oftmals führen technische Mängel, unzureichende Wartung und mangelnde Kompetenz der Betreiber zu Ausfällen. In den beiden oben genannten Ländern gehört die Biogastechnologie heute zum technologischen Standard. In Zukunft wird jedoch ein erhöhter Bedarf an Verfahrenslösungen für die Behandlung von organischen Rest- und Abfallstoffen sowie Abwässern aus der Nahrungs- und Biorohstoffindustrie erwartet. Die geeigneten Technologien dafür sind jedoch weitgehend in Industrieländern entwickelt worden und bisher noch nicht in allen Entwicklungsländern angepasst und im Einsatz, so dass hier in Zukunft ein Potenzial für technische Zusammenarbeit ergeben könnte. UmsetzungsrestriktionenDer Förderung von Bioenergieträgern im Allgemeinen und der Umsetzung von Projekten in der Entwicklungszusammenarbeit im Speziellen stehen eine Vielzahl von technischen und nicht-technischen Hemmnissen im Weg. Diese ergeben sich teils aus den gegenwärtigen und zukünftigen Veränderungen im Energiebereich und teils aus den sehr heterogenen ökonomischen, ökologischen und sozialen Bedingungen in den Entwicklungsländern. In der Vergangenheit traten technische Hemmnisse vor allem dann auf, wenn versucht wurde, Technologien ohne Rücksicht auf klimatische Bedingungen, Produktionstechniken oder mangelnde Infrastruktur in Entwicklungsländern einzuführen. Nicht-technische Hemmnisse hingegen sind vielfach komplexer. Man unterscheidet ökonomische, ökologische, soziokulturelle sowie politisch und institutionelle Bereiche mit deren jeweiligen Bedingungen sich eine Strategie, z.B. zur Förderung von Bioenergie, auseinandersetzen muss. Die meisten Vorschläge zum Abbau von nicht-technischen Hemmnissen beziehen sich auf den Umgang mit den ökonomischen und institutionellen Rahmenbedingungen des Energiesektors in den jeweiligen Ländern. Entscheidend sind die oft durch staatlichen Eingriff veränderten Preise insbesondere fossiler Energieträger und die politischen und institutionellen Regelungen für Energieanbieter. Weitere Möglichkeiten bieten sich durch stärkere Berücksichtigung der soziokulturellen Gegebenheiten eines Landes bzw. einer Zielregion und eine bessere Ausbildung von Fachpersonal und Anwender(innen). Bioenergieträger dürfen in diesem Zusammenhang nicht als eine homogene Gruppe betrachtet werden, da sich die optimalen Einsatzbedingungen für Biofestbrennstoffe, Pflanzenöl und Biogas unter Einbeziehung von soziokulturellen Kriterien z.T. sehr stark unterscheiden. Da optimale Lösungen von Energieproblemen zumeist den gleichzeitigen Einsatz mehrerer Technologien erfordern, erscheint es nicht sinnvoll einseitige Förderungsstrategien für Bioenergieträger zu verfolgen. Auswirkungen einer verbesserten und verstärkten Nutzung von BioenergieÖkologische Folgen Einer der entscheidenden Gründe für die Förderung von Bioenergieträgern ist die Vermeidung von Klimagasemissionen, so dass die positiven ökologischen Auswirkungen einer verbesserten und verstärkten Nutzung von Bioenergie im Vordergrund stehen. Besonders im Falle Asiens und Lateinamerikas kann in Zukunft ein großer Beitrag zur Reduzierung von Kohlenstoffdioxid (CO2), Lachgas (N2O) und Methan (CH4) geleistet werden. Durch den Einsatz von Biofestbrennstoffen werden schon heute ca. 1.300 Mio. Tonnen CO2 vermieden. Im optimalen Fall, also bei Ausnutzung des gesamten technischen Potenzials und einer nachhaltigen Bewirtschaftung der entsprechenden Brennstoffressourcen, wären ca. 3.580 Mio. Tonnen CO2 pro Jahr durch die Nutzung von Biofestbrennstoffen einzusparen. Da die Klimawirksamkeit von Methan und Lachgas um ein Vielfaches höher ist als die von Kohlenstoffdioxid, müssen die Emissionsfaktoren dieser beiden Gase bei der Entwicklung von verbesserten Technologien mit berücksichtigt werden. Im Ölpflanzenanbau werden Emissionen direkt durch die landwirtschaftliche Aktivität und die dafür benötigten Betriebsmittel und indirekt durch die Freisetzung von Lachgas aus stickstoffhaltigen Düngemitteln verursacht. In der Weiterverarbeitung des Pflanzenöls entstehen je nach Verfahren unterschiedlich hohe Emissionen, und abhängig vom Umfang der energetischen Nutzung von Nebenprodukten fallen die entsprechenden ökologischen Bilanzen dieser Verfahren aus. Grundsätzlich ist festzustellen, dass das Potenzial von Pflanzenöl zur Minderung der Klimagasemissionen mit weltweit 40 Mio. Tonnen CO2 pro Jahr erheblich niedriger liegt als das der Biofestbrennstoffe. Zudem hängt eine positive Emissionsbilanz von Palm- und Palmkernöl, aber auch von anderen Pflanzenölen, in der energetischen Nutzung in hohem Maße von der Gestaltung des Verarbeitungsprozesses und der Standortwahl ab, weshalb diese so optimal wie möglich gestaltet bzw. getroffen werden sollten. Bisher wird Pflanzenöl nur in sehr beschränktem Maße energetisch genutzt, so dass kaum Erfahrungen über den großflächigen Einsatz vorliegen. Das Ziel der Biogasnutzung in Entwicklungsländern ist es, einen mangels Energieinfrastruktur oder Energieträgern nicht gedeckten Energiebedarf zu befriedigen oder traditionelle Brennstoffe und gesundheitsschädigende Energieumwandlungstechniken zu ersetzen. Vor allem in Asien wird die Biogastechnologie diesen Anforderungen durchaus gerecht. Die Biogastechnologie bringt noch weitere Vorteile wie die Verminderung von Hygieneproblemen und Geruchsemissionen sowie die bessere Verfügbarkeit von Pflanzennährstoffen mit sich. Während diese Umweltaspekte in den Entwicklungsländern bislang eher wenig förderrelevantes Gewicht besitzen, genießen sie bei Anwendern in Industriestaaten einen mindestens ebenso großen Stellenwert wie die Substitution zugekaufter fossiler Energie. Problematisch ist noch immer die Handhabung der relativ komplexen Technologie, insbesondere, wenn sie nicht ausreichend anwenderfreundlich ausgestaltet ist. In größeren kommunalen Anlagen oder in Kombination mit kommerzieller Masttierhaltung betriebenen Einheiten kann ein reibungsarmer Betrieb besser gewährleistet werden als in einer Vielzahl von Anlagen auf Haushaltsebene. Der Erfolg einer Strategie zur Förderung der Biogastechnologie unter Umweltschutzgesichtspunkten steht und fällt also mit dem Grad der Technologieanpassung an soziokulturelle Gegebenheiten. Sozioökonomische Folgen Die sozioökonomischen Auswirkungen der Nutzung von Bioenergieträgern sind in Industrie- und Entwicklungsländern gleichermaßen komplex. Die sich aus einer verstärkten Biomassenutzung in Entwicklungsländern ergebenden Auswirkungen auf die Ökonomie in Industrieländern sind dabei besonders schwierig abzuschätzen. Von einer qualitativen Verbesserung der Energieversorgung (z.B. durch verbesserte Herde oder durch die Verstromung von Biomasse) für arme Haushalte wird eine Verbesserung der Lebensqualität und der Einkommensmöglichkeiten in den Entwicklungsländern erwartet. Der Zugang zu modernen Energieträgern ist für diese Bevölkerungsschichten besonders problematisch, da sie nicht nur über weniger Kaufkraft verfügen, sondern meist in schwerer erschließbaren Gegenden leben (auf dem Land oder in ungeplanten Siedlungen), in denen der Zugang zu modernen Energieträgern entsprechend teurer und oft auch kompliziert ist. Hier ergeben sich durch eine Vielzahl neuer Energiekonversionstechnologien neue Potenziale, die auch eine dezentrale Versorgung mit modernen Energieträgern wirtschaftlich zunehmend erschwinglich machen. Erhält der Privatsektor genügend Anreize und Sicherheiten, in solche Technologien zu investieren, besteht die Chance, gerade auch in entlegenen Gebieten der Entwicklungsländer eine deutliche Verbesserung der Energieversorgung zu erreichen. Entscheidend hierfür ist, dass die politische und institutionelle Ausgestaltung der Rahmenbedingungen im Energiesektor eine solche Entwicklung aktiv unterstützt. Die verstärkte Nutzung von Bioenergieträgern in Entwicklungsländern kann sich direkt oder indirekt auf Industrieländer auswirken. Ein direkter Nutzen ergäbe sich aus einem wachsenden Markt für moderne Energiekonversionstechnologien im Bereich von Biofestbrennstoffen und Biogas. Indirekte Auswirkungen hätte langfristig eine Linderung der u.a. durch Energiemangel bedingten Armutssituation in vielen Entwicklungsländern. Ein steigender Lebensstandard und politische Stabilität beispielsweise beeinflussen in der Regel den internationalen Handel und das Investitionsklima positiv. Gemeinsame Umsetzung von KlimaschutzmaßnahmenUnter den im Kyoto-Protokoll vorgesehenen Instrumenten für den internationalen Klimaschutz spielt vor allem der Clean Development Mechanism (CDM) für die Förderung von Bioenergieträgern in Entwicklungsländern eine Rolle. Dieser erlaubt den Industrieländern die Anrechnung der Emissionsverringerungen aus Projekten in Entwicklungsländern und resultiert aus der Tatsache, dass die Verminderung von Emissionen in vielen Entwicklungsländern kostengünstiger zu bewerkstelligen ist als in den Industrieländern selbst. Der CDM kann nicht isoliert von einem System des internationalen Handels mit Emissionsrechten betrachtet werden, sondern stellt vielmehr einen in diesen integrierten Bestandteil dar. Deshalb hängt die erfolgreiche Einführung dieses Instruments wesentlich vom Verlauf der internationalen Verhandlungen zum Klimaschutz ab. Ökonomisch betrachtet ist mit dem CDM im Rahmen eines internationalen Handels mit Emissionsrechten ein effizientes Mittel zur Erreichung von Emissionsreduktionen gegeben, das nicht zuletzt auch von der Industrie in den entwickelten Ländern positiv beurteilt wird. Ob der CDM aber auch, wie von vielen Entwicklungsländern gefordert, zu positiven Entwicklungen in den Gastgeberländern führt, hängt von seiner institutionellen Ausgestaltung ab. Letztere ist bis heute Gegenstand der politischen Verhandlungen, und obwohl schon heute CDM-Pilotprojekte durchgeführt werden, sind noch viele Fragen (z.B. die Vertragsgestaltung, Monitoring und Sanktionsmaßnahmen sowie die Art der zugelassenen Projekte) zu klären. Mit dem Bonner Abkommen vom Juli 2001 sind einige der bislang offenen Fragen gelöst worden. HandlungsmöglichkeitenAus dem geschilderten Sachstand kann eine Reihe von Handlungsmöglichkeiten abgeleitet werden. Dabei wird zwischen nationalen und internationalen Handlungsmöglichkeiten unterschieden. Nationale Ebene Auf der nationalen Ebene werden verschiedene Ressortbereiche (Umwelt- und Klimaschutzpolitik, Entwicklungspolitik, Forschungs- und Technologiepolitik) sowie Querschnittsaufgaben behandelt. Umwelt- und klimapolitische Handlungsmöglichkeiten Im umwelt- und klimapolitischen Bereich geht es vor allem um die Kompatibilität von nationalen und internationalen Maßnahmen, wobei Rücksicht auf den weiteren Verlauf der internationalen Verhandlungen zum Klimaschutz genommen werden muss. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt sind jedoch folgende Maßnahmen denkbar:
Entwicklungspolitische Handlungsmöglichkeiten Die tiefgreifenden Veränderungen im Energiesektor der Entwicklungsländer stellen hohe Anforderungen an die Gestaltung von entsprechenden politischen Rahmenbedingungen, können aber gleichzeitig auch als Chance für die Bekämpfung von Armut und Umweltzerstörung begriffen werden. Ein wichtiger entwicklungspolitischer Ansatzpunkt liegt in der Unterstützung der nationalen Energiepolitik. Auch das CDM-Konzept kann hierzu einen entscheidenden Beitrag leisten, darf aber nicht als einzige Möglichkeit der bilateralen Zusammenarbeit gesehen werden. Die Empfehlungen für die Entwicklungspolitik beziehen sich daher nur teilweise auf die Kyoto-Mechanismen.
Forschungs- und technologiepolitische Handlungsmöglichkeiten Bei den forschungs- und technologiepolitischen Handlungsoptionen geht es hier um verbesserte Nutzungsmöglichkeiten im Rahmen der Entwicklungszusammenarbeit, also nicht um Verbesserungen bei der Forschung und Entwicklung zu Bioenergieträgern in Deutschland.
Querschnittsaufgaben Insbesondere durch den CDM entsteht eine Reihe von Querschnittsaufgaben, die eine Zusammenarbeit zwischen den betroffenen Ministerien erfordern. Dies gilt vor allem für folgende Bereiche:
Internationale Ebene Auf internationaler Ebene gibt es zwei zentrale Problembereiche: die noch offenen Ausgestaltungsfragen des CDM sowie die Umgestaltung der nationalen Energiepolitik in Entwicklungsländern. Ausgestaltung des CDM Auf internationaler Ebene sollten die offenen Fragen des CDM in einer Weise geklärt werden, die eine möglichst breite Nutzung erlaubt und gleichzeitig die Möglichkeiten des Missbrauchs reduziert. Die Bundesregierung sollte dementsprechend in den internationalen Verhandlungen an folgenden Punkten zur Ausgestaltung des CDM mitwirken:
Energiepolitik der Entwicklungsländer Unabhängig von Zustandekommen eines bindenden Vertrages auf der Grundlage des Kyoto-Protokolls können Entwicklungsländer durch eine Umgestaltung ihrer nationalen Energiepolitik entscheidende Impulse zur verstärkten und effizienteren Nutzung von Bioenergieträgern geben.
Verbesserte Abstimmung von Energiepolitik und Forst- bzw. Landwirtschaftspolitik: Bioenergieträger speziell können von einer verstärkten Abstimmung der Energiepolitik mit der Forst- bzw. Landwirtschaftspolitik profitieren. Fragen der Energienutzung sollten deshalb gezielt in die landwirtschaftliche Forschung und Beratung mit einbezogen werden. Staatlicherseits unterstützt werden kann auch die Erfassung der bereits existierenden Potenziale für eine optimale Nutzung von Nebenprodukten für die Energiebereitstellung und die gezielte Schaffung bzw. Förderung von Märkten für Biomasse. Eine der wichtigsten Voraussetzung für die Erhöhung des Angebots an Bioenergieträgern, insbesondere aus nachhaltiger Produktion, ist die klare Definition und Absicherung von Nutzungsrechten.
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