TAB

Zusammenfassung des TAB-Arbeitsberichtes Nr. 81

"Entwicklungstendenzen von Nahrungsmittelangebot und -nachfrage und ihre Folgen – Basisanalysen"


Mit den "Basisanalysen" werden Ergebnisse aus der ersten Phase des TA-Projektes "Entwicklungstendenzen bei Nahrungsmittelangebot und -nachfrage und ihre Folgen" vorgelegt. Die Zielsetzung ist, einen gut strukturierten Gesamtüberblick zum Themenbereich Nahrungsmittel zu geben. Die Analyse erfolgt entsprechend der Komplexität des Themas unter verschiedenen Blickwinkeln. Dazu wurde eine Vielzahl von Informationen zusammengetragen, zur Herausarbeitung von Zusammenhängen miteinander in Verbindung gesetzt, und es wurden - so weit möglich - zukünftige Entwicklungen identifiziert.

Nachfrage und Angebot von Nahrungsmitteln und ihre Entwicklungstendenzen werden ausführlich unter verschiedensten Aspekten analysiert. Dabei wird sowohl auf die verschiedenen Produktgruppen von Nahrungsmitteln als auch auf Nahrungsmittel verschiedener Herkunft und Bearbeitung eingegangen. Unter letzterem werden Convenience-Produkte, Functional Food, Novel Food, gentechnisch veränderte Lebensmittel, exotische Produkte, ökologische Lebensmittel sowie regionale Lebensmittel verstanden. Ihnen ist gemeinsam, dass für sie ein mehr oder weniger starker Bedeutungszuwachs erwartet wird. Weiterhin wird auf Verzehrs- und Angebotssituationen und auf verschiedene Verbrauchergruppen eingegangen. Auf Nachfrage und Angebot wirken zahlreichen Einflussfaktoren, wobei hier ökonomische, soziale und kulturelle, technische sowie rechtliche und politische Entwicklungen diskutiert werden.

Als weiterer großer Themenkomplex werden Veränderungsprozesse in der Nahrungsmittelkette diskutiert. Hier stehen wirtschaftliche Strukturveränderungen im Lebensmittelhandel und im produzierenden Ernährungsgewerbe im Mittelpunkt. Neben den wirtschaftlichen Entwicklungstrends werden auch wissenschaftlich-technische Entwicklungen dargestellt.

Trotz der Vielzahl von Einzelentwicklungen lassen sich einige generelle Entwicklungstendenzen erkennen.

Zunächst ist hier die zunehmende Differenzierung zu nennen. Dies gilt für die Verbrauchereinstellungen und -wünsche. Die Nahrungsmittelnachfrage der Verbraucher unterteilt sich in immer mehr Gruppen, aber auch die Nachfrage der einzelnen Konsumenten wird differenzierter. Auf der Angebotsseite zerfällt der Nahrungsmittelmarkt in zunehmend mehr Segmente. Dies gilt sowohl für Produktionsweisen als auch für Produkteigenschaften. Auf dem gesättigten Nahrungsmittelmarkt sind Innovationen unabdingbar, um Marktanteile zu sichern bzw. auszubauen. Dies führt gleichzeitig dazu, dass die Lebensdauer von Produkten kürzer wird. Der klassische Lebensmitteleinzelhandel (Verbrauchermarkt, Supermarkt, Discounter) setzt einer Erhöhung der Produktvielfalt durch seine eingeschränkte Sortimentbreite allerdings Grenzen. Relativiert wird dies wiederum durch eine zunehmende Differenzierung der Vermarktungswege von Nahrungsmitteln. Beispiele hierfür sind Direktvermarktung und Bauernmärkte, regionale Versorgungssysteme, Verkauf in Tankstellen, Lieferservice bis hin zum E-Commerce.

Ein weiterer Entwicklungstrend ist eine verstärkte Polarisierung. Bei den Verbrauchern ist - u.a. in Abhängigkeit vom Einkommen - ein Auseinanderdriften der Nachfrage nach hochwertigen Produkten und preisgünstigen Angeboten zu beobachten. Dementsprechend verliert das mittlere Preissegment Marktanteile. Dies stellt insbesondere für das mittelständische Ernährungsgewerbe ein Problem dar. Mit Discountern auf der einen Seite und Erlebnismärkten und spezialisierten Fachgeschäften auf der anderen Seite zeichnet sich im Lebensmitteleinzelhandel eine analoge Entwicklung ab.

Schließlich weisen bestimmte Entwicklungen auf eine zunehmende Konvergenz hin. Damit ist gemeint, dass trotz zunehmender Vielfalt des Nahrungsmittelangebots Unterschiede verschwimmen. Dazu tragen beispielsweise die zunehmende Verwissenschaftlichung der Nahrungsmittelproduktion und die steigende Zahl von Verarbeitungsschritten bei. Ein weiterer Faktor ist die zunehmende Convenience-Orientierung auf der Ebene der Produkte, der Dienstleistungen und des Handels. Die steigenden Anforderungen der allgemeinen lebensmittel-, umwelt- und tierschutzrechtlichen Regelungen haben ebenfalls einen nivellierenden Einfluss. Dadurch wird es für die Verbraucher nicht eben einfacher, Qualitätsunterschiede zu erkennen und zu beurteilen.

Weitere wichtige Erkenntnisse sind:

  • In der Vergangenheit haben bei den Nahrungsmittelgruppen bzw. -branchen erhebliche Veränderungen stattgefunden. Für die Zukunft ist eine (weiter) sinkende Nachfrage bei Fleisch, Zucker und alkoholischen Getränken sowie eine (weiter) steigende Nachfrage bei Gemüse, Obst und Getreideerzeugnissen wahrscheinlich.
  • Im Hinblick auf Ernährungsziele wird die Entwicklung des Nahrungsmittelverbrauchs insgesamt positiv, teilweise aber auch negativ beurteilt. Es werden voraussichtlich auch in Zukunft erhebliche gesundheitliche Probleme durch Über- bzw. Fehlernährung (zu viel, zu fett, zu süß) entstehen.
  • Zunehmende Bedeutung erlangen "quer" zu den Nahrungsmittelgruppen liegende Produktkategorien. Diesen können sehr unterschiedliche Verbrauchereinstellungen und -erwartungen zugeordnet werden, und der Umfang der möglichen Nachfragesteigerungen ist unsicher. Die neuen Produktkategorien stehen für ein vielfältiger werdendes Nahrungsmittelangebot und könnten erhebliche Veränderungen in der Struktur des Nahrungsmittelangebots bewirken.
  • Immer wichtiger werden Convenience-Eigenschaften bei Produkten und im Handel. Damit werden Tätigkeiten (z.B. Essenszubereitung) zunehmend aus den privaten Haushalten ausgelagert.
  • Bei ökologischen und regionalen Lebensmitteln bestehen noch unausgeschöpfte Marktpotenziale.
  • Es ist von einer anhaltenden Konzentrationstendenz bei den Unternehmen des produzierenden Ernährungsgewerbes und des Lebensmitteleinzelhandels auszugehen.
  • Weiterhin ist eine zunehmende Verwissenschaftlichung der Nahrungsmittelproduktion festzustellen. Dadurch wird immer stärker Erfahrungswissen in der Nahrungsmittelerzeugung und -verarbeitung sowie in der Ernährung ersetzt.

Schließlich können als wichtige Zukunftsfragen bzw. -herausforderungen benannt werden:

  • Mit welchen Konzepten zu Ernährung und Nahrungsmitteln kann am besten die Gesundheit positiv beeinflusst werden?
  • Wie können die Lebensmittelsicherheit gewährleistet und das Angebot an Verbraucherinformationen verbessert werden?
  • Wie können die Wettbewerbskraft und Innovationsfähigkeit des deutschen Ernährungsgewerbes gestärkt werden?
  • Wie kann eine steigende Nachfrage nach qualitativ hochwertigen Lebensmitteln erreicht werden, ohne dabei Menschen mit geringem Einkommen auszuschließen?
  • Wie können die Umweltbelastungen entlang der Nahrungskette weiter reduziert und wie kann insbesondere das mit der Nahrungsmittelversorgung verbundene Verkehrsaufkommen verringert werden?
  • Wie kann einerseits eine Vereinfachung des Lebensmittelrechts und andererseits ein hohes Niveau beim vorsorgenden Gesundheitsschutz erreicht werden?
  • Wie können Verbraucher-, Ernährungs- und Nachhaltigkeitspolitik weiterentwickelt und besser aufeinander abgestimmt werden?

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Stand: September 2002 - buero@tab.fzk.de