In den Lüften schweben, mühelos: Dieser alte
Menschheitstraum schien mit den „Riesenzigarren“ des Grafen Zeppelin Anfang des
letzten Jahrhunderts in Erfüllung zu gehen. Einen herben Rückschlag erlitt
dieser Traum mit dem spektakulären Brand des Zeppelins „Hindenburg“ im Jahr
1937. Dennoch sind Luftschiffe für viele ein faszinierendes Thema geblieben, und
auch heute verbinden sich mit „Leichter-als-Luft (LaL)–Technologie“
optimistische Erwartungen hinsichtlich ihres Einsatzes in zahlreichen Märkten
und für vielfältige zivile und militärische Aufgaben.
Forschungs- und Entwicklungsbedarf
Vergegenwärtigt man sich, dass das verfügbare LaL-Wissen in
erheblichem Umfang auf etwa 40 bis 60 Jahre alten Archiven (Zeppelin Archiv,
NASA Reports) basiert, wird klar, dass heutige Luftschiffprojekte auf einer
vergleichsweise dünnen Daten- und Wissensbasis aufbauen. Deshalb ist die
LaL-Technologie von einem Optimierungsstadium ‑ wie es in der allgemeinen
Luftfahrt erreicht ist ‑ noch relativ weit entfernt. FuE-Bedarf besteht in einer
Vielzahl von Feldern:
Hüllenmaterialien
Ein Optimierungsproblem liegt darin, dass hohe Festigkeit
und geringe Gasdurchlässigkeit mit einem möglichst geringen Gewicht erreicht
werden sollen. FuE-Bedarf besteht deshalb in der optimierten Auslegung einzelner
Materialschichten in Bezug auf die gewünschten Eigenschaftskombinationen (z.B.
hohe Zug- und Weiterreißfestigkeit, hohe Gasdichtheit, gute Verarbeitbarkeit,
Knickunempfindlichkeit).
Struktur und Konstruktion
Durch Interaktion von Struktur und Hülle respektive
Ballonets entstehen komplexe strukturmechanische Probleme, zu deren Lösung
insbesondere für sehr große Luftschiffe noch intensive Forschung und Entwicklung
erforderlich ist.
Antriebstechnologien und Steuerung
Bei den konventionellen Antrieben besteht Forschungsbedarf
im Wesentlichen bei Getrieben und Fernwellen und in der Triebwerksregelung (z.B.
für Manövertriebwerke). Für elektrische Antriebe müssten Batteriekonzepte als
Energiespeicher und -puffer oder Brennstoffzellensysteme weiterentwickelt
werden. Ebenso besteht Forschungsbedarf bei hocheffizienten flexiblen
Solarzellen für eine Anwendung, z.B. in Stratosphären-Plattformen.
Um eine verbesserte aerodynamische Stabilität
und Steuerbarkeit von Luftschiffen zu erreichen, ist eine Weiterentwicklung von
Fly-by-wire-Flugsteuerungen erforderlich.
Traggasmanagement
Die Entwicklung von effektiven und kostengünstigen
Hülleninspektionsverfahren ist insbesondere für größere Luftschiffe notwendig.
Zur Überwachung der Heliumreinheit sind Bordsysteme im Luftschiff und/oder
externe Messsysteme nötig. Solche Systeme müssen deshalb noch in
Entwicklungsvorhaben konzipiert und optimiert werden. Bei einem Einsatz von
Wasserstoff als Traggas ist neben der technischen Eignung eine mögliche
Gefährdung zu prüfen.
Einsatzfelder, Marktpotenziale
Werbung und Tourismus (Rundflüge) sind die etablierten
kommerziellen Einsatzfelder der derzeit existierenden kleinen und mittelgroßen
(Zeppelin NT) Luftschiffe. Diese Felder könnten von den erprobten
Technologien ausgehend schrittweise intensiver besetzt werden. Größere
Technologiesprünge sind hierfür nicht erforderlich. Der Einsatz dieser
Luftschiffe als Missionsplattformen (z.B. für TV-Übertragungen, Umweltmonitoring
oder Minensuche) bietet sich vor allem als Mitnahmemarkt an.
Zukunftspotenziale könnten sich für die
LaL-Technologie insbesondere bei Stratosphären-Plattformen für Telekommunikation
und Überwachungsaufgaben sowie im Cargo-Markt eröffnen. Diese Märkte können aber
nur mit großen Luftschiffen von 250 m Länge und mehr bedient werden. Die für
diese Luftschiffe notwendigen Technologien befinden sich aber teilweise noch im
Stadium der Grundlagenforschung. In Anbetracht der langen Entwicklungszeiten und
der hohen Kosten, ist es fraglich, ob in absehbarer Zeit potenzielle Investoren
dieses hohe Risikopotenzial auf sich nehmen werden.
Werbung
Der Werbemarkt insgesamt ist heiß umkämpft, und Luftschiffwerbung als
nicht zielgruppenorientierte Werbung steht in Konkurrenz beispielsweise zu
Banden- oder Großbildwerbung. Der relativ hohe Mietpreis begrenzt den Markt auf
Großunternehmen mit hohem Marketingbudget. Möglichkeiten der Weiterentwicklung
dieses Marktsegmentes liegen insbesondere in inkrementellen Verbesserungen
bestehender Konzepte, z.B. Luftschiffe mit Leuchtausstattung oder mit besonderen
Bauformen (z.B. eine „fliegende Bierflasche“).
Tourismus
Die wichtigsten Segmente des Luftschiff-Tourismus-Marktes
sind Rundflüge zum Sightseeing und mehrtägige Kreuzfahrten. Der Markt für
Rundflüge/ Sightseeing ist allerdings ein hart umkämpfter touristischer
Nischenmarkt. Luftschiffe stehen hier in Konkurrenz zu den etablierten Systemen
Flugzeug, Hubschrauber und Ballons. Den Vorteilen von Luftschiffen, z.B. gute
Sicht und Komfort, stehen zumeist Kostennachteile im Vergleich mit den
Konkurrenzsystemen gegenüber. Möglichkeiten zum Ausbau dieses Marktsegmentes
liegen insbesondere in der Entwicklung von Luftschiffen mit einer größeren
Passagierkapazität als die der existierenden Schiffe mit 13 Plätzen. Hierdurch
könnten die Betriebskosten pro Passagier gesenkt und damit die
Wirtschaftlichkeit verbessert werden.
Im Marktsegment der Kreuzfahrten müssten
Luftschiffe vor allem mit den etablierten Kreuzfahrtschiffen konkurrieren. Der
dortige hohe Komfort ist mit Luftschiffen schwer erreichbar. Darüber hinaus ist
es fraglich, ob
selbst im Luxusreisesegment kostendeckende Preise erzielt werden können.
Missionsplattformen
Luftschiffe können mit unterschiedlichsten Sensoren und
Auswertesystemen sowie Sende- und Empfangsanlagen ausgestattet werden, um eine
Vielzahl von Einsatzmöglichkeiten für zivile (z.B. TV-Übertragungen),
hoheitliche (z.B. Verkehrsüberwachung) sowie militärische (z.B. Minensuche)
Anwendungen abzudecken. Dabei handelt es sich um kleinere Fluggeräte, die –
anders als Stratosphären-Plattformen (s.u.) – in geringer Höhe operieren.
Je nach Anforderungsprofil konkurrieren
Luftschiffe mit Hubschraubern, Flugzeugen und Satelliten. Luftschiffe besitzen
gegenüber Hubschraubern und Flugzeugen Vorteile, wenn eine hohe
Überwachungsintensität gefordert ist, gegenüber Satelliten erlauben Luftschiffe
eine präzisere Beobachtung von kleineren Strukturen. Vorteile besitzen
Luftschiffe für einige Anwendungen auch wegen ihrer Lärm- und Vibrationsarmut.
Gemeinsam ist den meisten dieser Einsatzfelder,
insbesondere denen im nichtmilitärischen Bereich, dass sie nur kurzfristige bzw.
punktuelle Einsätze eröffnen. Diese Märkte könnten von Luftschiffbetreibern
daher vorwiegend als Mitnahmemarkt bedient werden, wenn die geforderte
Ausrüstung erprobt und verfügbar ist.
Personentransport
Im Sektor Personentransport werden hohe Anforderungen an
Zuverlässigkeit und Pünktlichkeit gestellt, die mit herkömmlichen Luftschiffen
nur schwer realisierbar sind.
Für die Personenbeförderung im Linienbetrieb
kommen vor allem zwei Konzepte in Betracht. Erstens könnten Luftschiffe mit sehr
leistungsstarken Motoren ausgerüstet werden, um auch gegen starke Winde die
geplante Reisegeschwindigkeit zu erreichen. Dies könnte aber die Umweltvorteile
(geringer Treibstoffverbrauch, geringe Lärmemission), die Luftschiffe vielfach
gegenüber anderen Verkehrsträgern haben, zunichte machen. Die zweite Strategie
wäre die Entwicklung von Hybridluftschiffen, die einen Teil ihres Auftriebs
aerodynamisch (wie ein Flugzeug) erzeugen. Dies setzt aber grundsätzliche
technologische Neuentwicklungen voraus. Konzeptstudien hierfür liegen bereits
vor.
Güterverkehr Lastentransport
Der Cargomarkt wird durch die konventionellen
Verkehrsträger LKW, Schiff und Flugzeug (Hubschrauber) weitgehend abgedeckt.
Mögliche Nischen für Luftschiffe liegen vor allem im Bereich der Schwer- und
Spezialtransporte. Ein entscheidender Vorteil von Luftschiffen wäre die
Realisierung eines Punkt-zu-Punkt-Transportes von Gütern. Dieser könnte den
Geschwindigkeitsnachteil von Luftschiffen gegenüber Flugzeugen relativieren oder
sogar aufheben.
Obwohl der Cargomarkt ein interessantes Feld mit
Zukunftspotenzial zu sein scheint, ist es zum gegenwärtigen Zeitpunkt fraglich,
ob der Markt im zivilen Bereich ausreichend groß ist, dass potenzielle
Investoren den hohen finanziellen Einsatz und das hohe Risiko der Entwicklung
von Schwerlastluftschiffen auf sich nehmen. Als Marktchance wird daher vielfach
eine militärisch finanzierte Basisentwicklung gesehen.
Stratosphären-Plattformen
Stratosphären-Plattformen sollen in großer Höhe (ca. 20 km)
operieren. Sie eignen sich vor allem für zwei Einsatzfelder: als
Relais-Stationen für die Telekommunikation sowie als Plattformen für
Überwachungsaufgaben. Das erste Feld ist zivil, das zweite militärisch
dominiert.
Ein in der Stratosphäre als Relaisstation
stationiertes Luftschiff wäre technisch in der Lage, ein Zielgebiet mit einem
Durchmesser von bis zu 400 km mit Breitbanddiensten zu versorgen. Im Gegensatz
zu Kommunikationssatelliten wären Stratosphären-Plattformen zur Wartung,
Reparatur oder Ausstattung mit neuer Hard- und Software rückholbar sowie
vermutlich deutlich billiger.
Das zweite mögliche Einsatzfeld sind
Aufklärungs- und Überwachungsmissionen. Hier konkurrieren
Stratosphären-Plattformen vor allem mit Satelliten bzw. mit bemannten und
unbemannten Aufklärungsflugzeugen (Drohnen). Gegenüber Satelliten haben sie den
technologischen Vorteil einer ca. 50-mal höheren Auflösung und Sensitivität.
Anders als Aufklärungsflugzeuge bieten sie die Möglichkeit einer lang
andauernden kontinuierlichen Überwachung größerer Gebiete.
Als Markthemmnisse werden primär die hohen
Entwicklungskosten und das hohe Risikopotenzial genannt. Wichtige benötigte
Technologien sind noch relativ weit von der Einsatzreife entfernt. Die Tatsache,
dass die USA in diesem Feld eine Reihe von offenbar aufeinander abgestimmten
militärischen Entwicklungsprogrammen betreibt, lässt vermuten, dass das Thema
eine hohe Priorität erhalten hat. Viele Experten erwarten, dass eine militärisch
getriebene Basisentwicklung einen Technologie-Push auslösen könnte, der auch der
zivilen Anwendung der LaL-Technologie neue Perspektiven eröffnet.
LaL in sich entwickelnden Ländern
Oftmals werden Luftschiffe pauschal als besonders attraktiv
für den Einsatz in sich entwickelnden Ländern angesehen. Als Grund wird die
fehlende oder mangelhafte Infrastruktur zum Personen- bzw. Gütertransport
angegeben. Allerdings ist hier eine differenzierte Betrachtung je nach konkretem
Einsatzgebiet erforderlich.
Ein Feld mit einem Zukunftspotenzial könnten
Spezialeinsätze im hoheitlichen und zivilen Bereich sein, wie z.B. die Sicherung
der Landesgrenzen, die Überwachung von Goldminen, Erdölfeldern, Pipelines,
Wäldern und landwirtschaftlichen Anbaugebieten, der Krankentransport, die
Detektion von Landminen.
Im Sinne des Einsatzes von angepasster
Technologie kommen vor allem Heißluftschiffe für diesen Bereich in Betracht. Ein
Wettbewerbsvorteil im Vergleich zu etablierten Konkurrenzsystemen vor
allem Hubschrauber
ist, dass sie vergleichsweise einfach aufgebaut sind und das zu ihrem Betrieb
erforderliche technische Know-how überschaubar ist.
Umwelt und Sicherheit
Die heute operierenden Luftschiffe sind vergleichsweise
emissionsarme und damit umweltfreundliche Verkehrsträger. Im Gegensatz zu
anderen Luftfahrzeugen können sie in der Luft schweben, ohne Energie zu
verbrauchen und bewegen sich mit relativ geringer Geschwindigkeit (meist weniger
als 80–100 km/h) fort. Ob diese Einschätzung auch für neu zu entwickelnde
Großluftschiffe zutrifft, kann erst nach differenzierter Analyse des konkreten
Anwendungsfalls gesagt werden: So ist zunächst zu berücksichtigen, dass ein
größerer Querschnitt mehr Luftwiderstand und damit einen höheren Energiebedarf
erzeugt. Ebenso steigt der Energiebedarf, wenn die zu erreichende
Reisegeschwindigkeit höher gewählt wird und wenn diese zudem unter schwierigen
Witterungsbedingungen (z.B. starker Gegenwind) erreicht werden soll. Nicht
zuletzt hängt der Energieverbrauch im praktischen Einsatz eines Luftschiffs auch
von den Betriebsszenarien ab, z.B. wenn der Flug häufig im energetisch und
emissionsseitig ungünstigen Teillastbereich der Motoren bzw. Turbinen
stattfindet.
Der Betrieb von Luftschiffen könnte nahezu
emissionsfrei gestaltet werden, wenn es gelänge, regenerative Energien
(Solarzellen, regenerativ erzeugter Wasserstoff, Brennstoffzellen) in das Antriebssystem zu
integrieren. Ein Dauereinsatz von Luftschiffen in der Stratosphäre wäre
ohne regenerative Technologien nur schwer vorstellbar.
Da nahezu alle nichtmilitärischen Einsatzgebiete
von Luftschiffen Nischenmärkte sind, ist mit einer nennenswerten Substitution
von konventionellen Verkehrsträgern und einer merklichen Reduktion der
verkehrsbedingten Gesamtemissionen gegenwärtig nicht zu rechnen.
Luftschiffe sind nicht „per se“ sicherer als
Flugzeuge. Eine Beschädigung der Hülle führt dazu, dass Traggas und
damit Auftrieb
verloren geht. Dieser Verlust ginge auch bei größeren Schäden relativ langsam
vonstatten, so dass die Gefahr eines abrupten Absturzes kaum besteht. Die Wucht
des Aufpralls wäre daher meist geringer als bei einem Flugzeugabsturz. Da dieser
Zusammenhang bei der Auslegung der Kabine und anderer Sicherheitseinrichtungen
bereits berücksichtigt wird, kann insgesamt gesehen von einem etwa gleich hohen
Sicherheitsniveau wie bei Flugzeugen ausgegangen werden.
Luftschiffe können im Prinzip allwettertauglich
ausgerüstet werden. Dennoch bleibt der Luftschiffbetrieb wetterabhängig. Eine
meteorologische Missionsplanung mit Berechnung der bei Abflug und Ankunft
vorliegenden Auftriebspotenziale sowie die Vorbereitung entsprechender Maßnahmen
sind daher unumgänglich.
Handlungsoptionen
Zur staatlichen Unterstützung der Ausschöpfung der
dargestellten Potenziale der LaL-Technologie kommt eine Reihe von
Handlungsoptionen in Betracht, die im Folgenden skizziert werden. Diese könnten
jeweils einzeln oder aber in Kombination miteinander gewählt werden, so dass
eine abgestimmte und gestufte Strategie zur Förderung der LaL-Technologie
entwickelt und umgesetzt werden könnte.
Synergien fördern
Die LaL-Technologie zeichnet sich weniger durch
grundlegende Neuentwicklungen aus, als durch Adaption und Integration von
technologischen Fortschritten, die auf anderen Gebieten erzielt werden. Die
Förderung von Synergien mit diesen Gebieten bietet sich daher an.
Aufbau einer „Leichter-als-Luft"–Forschungs- und Entwicklungsstelle
Mit der LaL-Technologie sind hohe Entwicklungsrisiken auf
einem breiten technologischen Feld verbunden. Damit diese Aufgabe von den
Akteuren, die die LaL-Forschung und -Entwicklung betreiben, gemeistert werden
kann, wäre eine logistische und koordinierende Unterstützung in Form einer
„LaL-Forschungs- und Entwicklungsstelle“ ins Auge zu fassen. Zentrale Aufgaben
dieser Stelle wären: die Kooperation der Akteure der LaL-Forschungslandschaft
zu fördern, das vorhandene Know-how zusammenzutragen und mit dem Ziel der
Vermarktung aufzubereiten sowie eine Systematik der Produktentwicklung für
zukünftige LaL-Projekte zu erstellen. Auf diese Weise könnte eine
LaL-Forschungs- und Entwicklungsstelle als Multiplikator zur Sicherung der
Technologieführerschaft Deutschlands wirken.
Wissensbasis verbreitern und Erfahrungsaustausch intensivieren
Eine weitere Möglichkeit, das relativ weit verstreute
Wissen zu bündeln, bestünde darin, den wissenschaftlichen Austausch in
Deutschland aber auch weltweit zu fördern. Die Fachgruppe Leichter als Luft der
Deutschen Gesellschaft für Luft- und Raumfahrttechnik (DGLR) veranstaltet
regelmäßig Konferenzen zu LaL und verwandten Themen. Es wäre zu erwägen,
Aktivitäten wie diese – auch im europäischen Rahmen – zu verstärken.
Im CargoLifter-Projekt ist Forschung und
Entwicklung intensiv betrieben und das Know-how zur LaL-Technologie in vielen
Punkten entscheidend erweitert worden. Dieses Wissen sollte – soweit möglich –
gesichert und aufbereitet werden; die Ergebnisse sollten der Öffentlichkeit
zugänglich sein.
Verlässliche Regeln und Standards schaffen
Zur Entwicklung, zum Bau und zum Betrieb von
Luftfahrtgeräten sind allgemein gültige und international harmonisierte Regeln
und Standards erforderlich. Für Luftschiffe existieren solche Vorschriften nur
rudimentär, von einer internationalen Harmonisierung kann keine Rede sein.
Eine proaktive Rolle von Luftfahrt-Bundesamt und
EASA (European Aviation Safety Agency) bei der Ausarbeitung und internationalen
Harmonisierung dieser Regularien wäre wünschenswert. Eine intensive
entwicklungsbegleitende Kooperation mit Hersteller- und Betreiberunternehmen ist
empfehlenswert. Für zukünftige LaL-Projekte in Deutschland könnte es sich als
großer Wettbewerbsvorteil erweisen, wenn die Basis internationaler Vorschriften
maßgeblich in Deutschland erarbeitet werden würde.
Flexibles Förderprogramm auflegen
Unter der Bedingung, dass die Ausschöpfung der
dargestellten Potenziale der LaL-Technologie als wirtschaftlich und
gesellschaftlich wichtig eingeschätzt wird und die Technologieführerschaft
Deutschlands auf diesem Gebiet erhalten werden soll, wäre zu prüfen, ob die
öffentliche Hand ein Förderprogramm auflegen sollte, um die technologische
Machbarkeit insbesondere von Stratosphärenplattformen und Luftschiffen zum
Schwerlasttransport zu demonstrieren sowie den Bau von Prototypen
voranzutreiben. Orientierung für die Ausgestaltung könnten beispielsweise die
zurzeit laufenden Stratosphären-Plattform-Programme in Japan bzw. in den USA
bieten.
Um realistische Aussichten auf Erfolg zu haben,
müsste eine solche Förderstrategie langfristig ausgerichtet sein, mit einer
Zeitperspektive von 10–15 Jahren. Das Gesamtvolumen eines solchen Programms
dürfte über die gesamte Laufzeit in der Größenordnung 300–400 Mio. Euro liegen.
Vertretbar wäre dies allerdings nur, wenn gleichzeitig in erheblichem Umfang
industrielle Eigenmittel mobilisiert werden könnten.