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Zusammenfassung des TAB-Arbeitsberichtes Nr. 99Nachfrageorientierte InnovationspolitikIm Auftrag des Ausschusses für Bildung, Forschung und Technikfolgenabschätzung hat das TAB ein Politikbenchmarking-Projekt zum Thema »Nachfrageorientierte Innovationspolitik« durchgeführt. Die vorliegende Studie wurde von einem Team des Fraunhofer-Instituts System- und Innovationsforschung (ISI), Karlsruhe, federführend erstellt und schließt das Projekt ab. Redaktionsschluss für diesen Bericht war im Frühjahr 2005. In der Regel konnten aktuellere Entwicklungen, wie etwa die High-Tech-Strategie des BMBF nicht mehr aufgenommen werden. Die Drucklegung hat sich verzögert aufgrund eines längeren Verfahrens bei der Berichtabnahme, hervorgerufen unter anderem durch die Neuwahlen des Bundestages. Diese Verzögerung ist vertretbar, da der Bericht nicht so sehr die aktuellsten Geschehnisse, sondern grundsätzlich interessante Konzepte der nachfrageorientierten Innovationspolitik darstellt und analysiert. Ziel und Anlage des BerichtsDie Bedeutung der Nachfrage für Innovationen wird weithin unterschätzt. Empirische Untersuchungen belegen aber, dass die Signale des Marktes an die Hersteller von Innovationen und die Bereitschaft des Marktes, Innovationen aufzunehmen, für die Erstellung und Diffusion von Innovationen wesentlich sind. Die Leitfrage dieses Politikbenchmarking-Berichts ist, wie der Staat über die Stimulierung der Nachfrage dazu beitragen kann, Innovationen anzuregen und die Diffusion von Innovationen zu beschleunigen. Mit anderen Worten, was sind die Möglichkeiten und Grenzen nachfrageorientierter Innovationspolitik? Der Untersuchungsgegenstand, nachfrageorientierte Innovationspolitik, wird hier verstanden als die Gesamtheit der Maßnahmen der öffentlichen Hand, die an der privaten oder staatlichen Nachfrage nach innovativen Produkten und Dienstleistungen ansetzen, um die Entwicklung, Markteinführung und Diffusion von Innovationen zu induzieren und zu beschleunigen. Ziel des Berichts ist es, Erfolgsfaktoren für eine an der Nachfrage ansetzende Innovationspolitik zu definieren und Handlungsempfehlungen für eine nachfrageorientierte Politik abzuleiten. Zu diesem Zweck wurde zunächst eine konzeptionelle Grundlage nachfrageorientierter Innovationspolitik formuliert (Kap. II). Die dann folgende empirische Bestandsaufnahme gliedert sich folgendermaßen:
Aus dieser empirischen, vergleichenden Darstellung werden in einem abschließenden Kapitel (Kap. V) die wichtigsten Erkenntnisse zusammengefasst und Optionen entwickelt. Eine Konzeption nachfrageorientierter PolitikGründe und Ziele für eine nachfrageorientierte PolitikDie Ausgangsbeobachtung des Berichtes ist, dass es im Grunde keine Institutionalisierung der nachfrageorientierten Innovationspolitik und damit keine allgemein verbindliche Abgrenzung und Definition gibt. Die eigentliche Innovationspolitik im engeren Sinne – also die Politik, die hauptverantwortlich zeichnet für die Förderung von Innovationen bzw. die Erstellung geeigneter Rahmenbedingungen für Innovationen – blendet die Nachfrageorientierung weitgehend aus. Sie konzentriert sich vielmehr darauf, die Erstellung von Innovationen – und damit die Angebotsseite – über vielfältige und ausdifferenzierte Ansätze zu beeinflussen. Zwar gibt es zahlreiche nachfrageorientierte Maßnahmen mit Wirkung auf Innovationen, diese wurden aber nur in Ausnahmefällen von den für Innovationen zuständigen Ministerien durchgeführt oder koordiniert. Dies ist erstaunlich, denn die Literatur, die die Bedingungen für Innovationen in so genannten Innovationssystemansätzen beschreibt und analysiert, bezieht die Nutzer neuen Wissens und die Käufer für Innovationen mit ein und schreibt ihnen eine große Bedeutung zu. Allerdings gibt es in verschiedenen Ländern und auch auf europäischer Ebene zurzeit intensive Diskussionen über die Nutzung der Nachfrage für Innovationen, wobei ein eindeutiger Schwerpunkt auf der direkten staatlichen Nachfrage liegt. Es gibt drei wesentliche Begründungsmuster für staatliche Aktivitäten in Bezug auf die Nachfrage nach Innovationen: Strukturelle Hemmnisse für das Anspringen der Nachfrage, das Verfolgen bestimmter politischer Ziele über die Stimulierung von Nachfrage und die Verbesserung der staatlichen Dienstleistungen durch den Einsatz von Innovationen.
Es können fünf Typen von staatlichen Maßnahmen, die über die Nachfrage Innovationen anstoßen oder zur Diffusion von Innovationen anregen, unterschieden werden:
Aktuelle Strategien und Good Practice in ausgewählten LändernLänderauswahlDie Auswahl der Länder für diesen Bericht deckt verschiedene Typen von Ländern ab, die sich hinsichtlich der Bedeutung der Innovationsorientierung in der öffentlichen Beschaffung, dem Anteil der öffentlichen Beschaffung am Bruttoinlandsprodukt sowie der Geschwindigkeit, mit der Innovationen im nationalen Markt diffundieren (Diffusionspotenzial) unterscheiden. Die folgende Übersicht zeigt die Einordnung der sechs ausgewählten Länder. Charakteristika der ausgewählten Länder
Deutschland ist hier charakterisiert durch einen relativ trägen Markt für Innovationen (geringes Diffusionspotenzial), einer eher durchschnittlichen Nachfrageorientierung des Staates sowie ein im internationalen Vergleich eher durchschnittliches Potenzial, durch unmittelbare öffentliche Beschaffung Innovationen zu induzieren. LänderdiskussionDas vereinigte KönigreichFür das Vereinigte Königreich gibt es eine Reihe konkreter Anzeichen für eine sehr systematische und nachhaltige Verpflichtung auf Nachfrageorientierung in der Innovationspolitik. Dies bedeutet einen Neuanfang, denn die Nachfrageorientierung in der Innovationspolitik hat auch hier keine Tradition. Dieses neue Denken zieht sich horizontal durch verschiedene Ministerien und bezieht auch vertikal öffentliche Agenturen und regionale Akteure mit ein. Eine Mischung sehr unterschiedlicher Maßnahmen wird dabei von dem für Innovation hauptverantwortlichen Akteur, dem Department of Trade and Industry (DTI), im Rahmen seiner Innovationsstrategie explizit einbezogen und koordiniert. Zum Teil werden Initiativen in die Strategie integriert, die an verschiedenen Stellen des politischen Systems unkoordiniert schon angelaufen waren. Allerdings ist die Strategie auf die staatliche Beschaffung fokussiert, die Steigerung der privaten Nachfrage wird lediglich als Zusatzeffekt langfristig angestrebt, etwa durch einen Transfer von neuen staatlichen Praktiken in die Industrie. Die Mobilisierung der Privatwirtschaft oder der Endkunden über Bewusstseinsbildung oder finanzielle Anreize ist demgegenüber sehr schwach ausgeprägt. Der Anstoß zu dieser breit kommunizierten nachfrageorientierten Innovationsstrategie war, dass das DTI das Innovationspotenzial erkannt hat, das der Staat bei der Erfüllung seiner ureigenen Aufgaben hat. Damit hat man ein typisches Hindernis für die Förderung von Innovationen bei der staatlichen Beschaffung, nämlich das Risiko für die Verlässlichkeit der staatlichen Dienstleistung durch den Einsatz von Innovationen und die höheren Einstiegskosten für die Beschaffung von Innovationen, in Ansätzen überwunden. Insgesamt sind durch das Konzept der innovationsorientierten Beschaffung wesentliche Bedingungen nachfrageorientierter, komplexer Innovationspolitik erfüllt worden, weshalb die britische Strategie als »good practice« gelten kann:
Ein weiteres Merkmal britischer Politik ist der Versuch, Marktentwicklungen vorhersehbar zu machen, indem konsequent Foresight-Aktivitäten durchgeführt werden und Vertreter von Anbietern und Nachfragern in einem Diskussionsprozess zusammenkommen. Diese Diskursorientierung schafft nicht nur ein gemeinsames Bewusstsein, sondern führt letztlich auch zu einer besseren Abstimmung von Angebots- und Nachfrageentwicklung für innovative Güter und Dienstleistungen. Die in jüngerer Zeit verstärkte Orientierung auf Innovation spiegelt sich auch in der allgemeinen Verbraucherpolitik und in der Regulation wider. Die Mobilisierung innovationsorientierter Konsumenten ist ein wesentliches Merkmal. Konsumentenpolitik wird nicht nur als Verbraucherschutz, sondern auch als Mobilisierung innovationsorientierter Konsumenten verstanden. Im Vergleich zu den anderen Ländern ist diese explizite Orientierung einmalig. Ähnlich innovationsorientiert ist das Vorhaben, sämtliche angebots- und nachfrageorientierten Regulationen systematisch auf ihre Innovationswirkung hin zu untersuchen. Aufgrund der erst jüngeren Hinwendung der Innovationspolitik zur Nachfrageorientierung und der Mobilisierung anderer Politikbereiche für die Innovation ist ein Gesamturteil der Effekte noch nicht möglich. Festzuhalten bleibt die verschiedene Politikfelder durchziehende Berücksichtigung der Dimensionen Innovation und Wettbewerbsfähigkeit und damit der Versuch, gesellschaftliche Bedürfnisbefriedigung mit Innovation zu verbinden. Die Ansätze des Vereinigten Königreiches lassen zwei wichtige Schlussfolgerungen zu: (1) Um staatliche Nachfrage zu aktivieren, sind komplexe Strategien und neue Strukturen notwendig, und (2) Innovationsorientierung sollte als horizontale Dimension systematisch in verschiedene Politikfelder und in Regulationen einbezogen werden. NiederlandeKonzeptionell sind die Niederlande in den 1990er Jahren Vorreiter im Bereich der öffentlichen Beschaffung als Hebel für Innovationen gewesen. Ein konkreter, breiter Einfluss öffentlicher Beschaffung auf die Innovationstätigkeit steht freilich noch aus. Nach intensiver Auseinandersetzung mit der Möglichkeit, durch gezielte öffentliche Nachfrage nach neuen Gütern und Dienstleistungen innovationsfördernde Impulse zu geben, zeigte sich nämlich, dass eine Professionalisierung der öffentlichen Beschaffung eine notwendige Grundvoraussetzung für den Erfolg der Beschaffungsmaßnahmen darstellt. Derzeit wird das Augenmerk folglich auf Maßnahmen gelegt, die zu einer Professionalisierung der öffentlichen Beschaffung führen. Den Bereich mit den weitestgehenden Maßnahmen zur Beschaffung von neuen Gütern und Dienstleistungen finden wir in Verbindung mit dem Ziel, die Beschaffung ökologisch nachhaltiger auszurichten, eine explizite Innovationsorientierung gibt es dort aber nicht. Am Beispiel der Niederlande lassen sich Hemmnisse bei der Umsetzung von konkreten Maßnahmen zur Stimulierung innovationsinduzierender Nachfrage aufzeigen. So hat man etwa versucht, Strom aus regenerativen Energiequellen (Grünen Strom) über Liberalisierung, über Nachfragesubventionen (Steueranreize) und Produzentensubventionen zu fördern. Die geringen Erfolge dieser Maßnahmen lassen sich dadurch erklären, dass zwar durch Subventionen die Nachfrage nach grünem Strom gestärkt wurde; der entstehende Nachfrageüberhang, der Investitionen in Produktionskapazitäten von Strom aus regenerativen Energiequellen hätte induzieren können, wurde jedoch durch eine angebotsorientierte Maßnahme zunichte gemacht, indem zusätzlich Anbietersubventionen gewährt wurden, die auch ausländische Anbieter stärkten. Maßnahmen nachfrageorientierter Innovationspolitik – sollen sie erfolgreich sein – müssen folglich nicht nur mit sektoralen Zielen abgestimmt, sondern auch mit anderen, unter Umständen auch angebotsorientierten, Maßnahmen koordiniert werden. Die Niederlande haben eine erfolgreiche staatliche Strategie zur Förderung der Informations- und Kommunikationstechnologien im öffentlichen Sektor (E-Government) entwickelt. Die wesentlichen Säulen bestehen in einem Informationszentrum der öffentlichen Verwaltungen sowie in dem Versuch, Software mit offenen Standards und offenem Quellcode in den Verwaltungen einzuführen. Die Implementation dieser Strategie übernimmt eine spezialisierte Agentur, welche die einzelnen Maßnahmen miteinander verbindet und sie weithin sichtbar macht. Dies ermöglicht einen gezielten internationalen und nationalen Informationsaustausch. Nicht nur aus Gründen der effizienten öffentlichen Leistungserstellung, sondern auch unter dem Gesichtspunkt einer nachfrageorientierten Innovationspolitik sind Initiativen zur Verbreitung von Open Source Software und Open Standards, wie sie in den Niederlanden durchgeführt werden, interessant. Sowohl konzeptionell als auch in der Umsetzung sind die Maßnahmen durchdacht und gut koordiniert, wenn auch konkrete Ergebnisse noch nicht quantifiziert werden können. Die angestoßenen Maßnahmen scheinen jedoch bereits zum positiven Bild und zur Diffusion von quelloffener Software beigetragen zu haben. SchwedenSchweden praktizierte schon zu Beginn der 1990er Jahre mit seiner systematischen, technologieorientierten Beschaffung nachfrageorientierte Ansätze im Bereich energieeffizienter Technologien. Diese galten schon vor einigen Jahren als »good prac-tice«. Andererseits jedoch hat die Nachfrageorientierung in der generellen Innovationspolitik erst 2004 in die offiziellen Strategiedokumente Eingang gefunden. Eine dementsprechende konkrete Formulierung oder gar Umsetzung einer Strategie steht noch am Anfang. Inwieweit die hierfür notwendige Koordination und auch das Lernen über Institutionengrenzen hinweg gelingen, bleibt abzuwarten. Es können dementsprechend keine Lehren aus innovationspolitischen Strategien, sehr wohl aber aus einzelnen Maßnahmen gezogen werden. Insbesondere die schwedischen Markttransformationsprogramme haben im Bereich Energieeffizienz stilbildend auf andere Länder gewirkt und können als Vorreiter und konsequenteste Beispiele umfassender Nachfrageorientierung gelten. Die wichtigsten Lehren hieraus lauten:
Als problematisch bei diesen Beispielen kann gelten, dass nicht konsequent versucht wurde, die Erfahrungen aus dem Programm in die allgemeine Innovationspolitik überzuführen und dass keine nennenswerte Koordination zwischen Agenturen stattgefunden hat. Auch in der Politik zur Schaffung der Informationsgesellschaft gibt es Anzeichen dafür, dass der Erfolg Schwedens durch die Anstrengungen des Staates, selbst mit gutem Beispiel voran zu gehen (»lead user«), unterstützt worden ist. Die schwedische Regierung hat dabei die Steigerung der Effizienz und die Bürgerfreundlichkeit ihrer Verwaltung verbunden mit der Diffusion von IuK-Technologien (elektronische Verwaltung). Daneben stützte und stützt sie sich auf eine breite Bewusstseins- sowie Aus- und Weiterbildung möglichst aller Schichten der Bevölkerung. Es gilt die Philosophie, dass gut informierte und mit IuK-Technologien vertraute Bürger innovative IuK-Produkte und -Dienste nachfragen und schnell aufnehmen und anwenden können. Am Beispiel einer neuen Sicherheitsstrategie im Straßenverkehr – »Zero Vision« – zeigt sich die Bedeutung einer klar kommunizierten gesellschaftlichen Vision auch für den Markt und das Innovationsgeschehen. Die Strategie stellt ein radikales Umdenken dar, Unfälle und deren Wirkungen im Straßenverkehr sollen radikal reduziert werden. Technologische Innovationen sind hier ein Baustein der Umsetzung. Das ökonomische Potenzial, d. h. die gegenseitige Verstärkung von Sicherheitsvision und ökonomischen Innovationseffekten, ist mittlerweile bewusst in die Strategie mit aufgenommen worden. Im Zuge der Nachfrageorientierung und der Schaffung von Lead Märkten für Sicherheitstechnologien in der neuen Innovationsstrategie Schwedens wird die hohe soziale Akzeptanz der Strategie im Land für die Schaffung von ausreichender staatlicher und privater institutioneller Nachfrage mobilisiert. Gleichzeitig werden mit der bewusst geführten, internationalen Diskussion um die neue Strategie auch im Ausland Märkte für innovative schwedische Sicherheitstechnologien vorbereitet. FinnlandIn Finnland führt die reine Nachfrageorientierung in der Innovationspolitik lediglich ein Schattendasein. Gleichzeitig jedoch ist die Diffusion von neuen Technologien, insbesondere von Informations- und Kommunikationstechnologien, sehr stark ausgeprägt. Dies gilt sowohl für die Diffusion in private Haushalte und in Unternehmen als auch in den öffentlichen Sektor. Finnland hat seit mehr als einem Jahrzehnt versucht, die Nutzung von Informations- und Kommunikationstechnologien in der Breite des Innovationssystems zu beschleunigen. Politische Maßnahmen jedoch, die explizit für die Diffusion von Technologien verantwortlich sind, lassen sich in den untersuchten Dokumenten und persönlichen Gesprächen nicht identifizieren. Die Basis für heutige Erfolge der finnischen Telekommunikation wurde offensichtlich weit in der Vergangenheit gelegt. Starke staatliche Akteure konnten mit Druck auf nationale Produzenten positive Nachfrage- und Standardisierungsimpulse setzen. Da im Zeichen der Deregulierung und Liberalisierung der Märkte die starken staatlichen Akteure zunehmend verschwinden (und einem Oligopol privater Akteure weichen), ist dieses Potenzial in Zukunft jedoch geringer. Und wo die Nachfrage im Bereich der Telekommunikationsinfrastruktur gezielt dazu genutzt werden soll, Innovationen zu generieren, wird der Koordinierungsaufwand erheblich zunehmen. Das so genannte Makropilotti-Programm, ein Cluster-Programm im Gesundheitssystem, beruht auf der Einsicht, dass durch die Diffusion von neuen Informations- und Kommunikationstechnologien im Gesundheitssystem sowie die Anpassung und Harmonisierung von Technologien die Ergebnisqualität gesteigert und neue Dienstleistungen angeboten werden können. Die Schwachstelle dieses Programms lag im politischen Zeitdruck, der ausgeübt worden war. Dieser führte dazu, dass keine radikalen Innovationen nachgefragt wurden, sondern Anpassungen bestehender Technologien von etablierten Herstellern und Hersteller-Netzwerken stattgefunden haben. Dieses Beispiel lehrt, dass Erfolg bei der Umsetzung nachfrageorientierter Politik auch von der Koordination der Akteure bei der Planung und Durchführung abhängig ist. Dabei ist die Koordination heterogener öffentlicher und privater Nachfrage und meist privaten Anbietern keine triviale Aufgabe. Das finnische Beispiel des Makropilotti-Programms zeigt auch, dass die Maßnahmen der nachfrageorientierten Innovationspolitik Zeit braucht, um positive Effekte zu erzeugen. Ist der politische Druck zu groß, besteht die Gefahr, dass die Maßnahme überfrachtet und auf etablierte Technologien zurückgegriffen wird. USADie US-amerikanische Forschungs- und Innovationspolitik ist im Wesentlichen missionsorientiert, d. h. Forschungsprogramme werden zur Erreichung definierter Ziele von einzelnen Ministerien aufgelegt, finanziert und implementiert. Die USA haben dementsprechend kein zentrales Ministerium, das für Innovationspolitik zuständig ist. Die forschungs- und innovationspolitischen Ansätze der verschiedenen Ministerien sind darüber hinaus in der Regel angebotsorientiert. In neueren Regierungspapieren wird zwar eine Orientierung an der Nachfrage genannt und gefordert, strategisch angelegt und umgesetzt ist sie aber noch nicht. Das Beispiel USA zeigt jedoch, dass sektorale staatliche Bedürfnisse wichtige Treiber für die technologische Entwicklung sein können und große Potenziale für private Märkte haben (Beispiel GPS, Energieprogramm FEMP). Doch selbst die politischen Akteure, die für die Missionsorientierung von Forschungs- und Innovationspolitik zuständig sind, erkennen und realisieren diese kommerziellen Potenziale oft nicht, da sie keine innovationspolitischen oder industriepolitischen, sondern sektorale Politikziele verfolgen. Auch die Missionsorientierung behebt folglich nicht automatisch die für die Nachfrageorientierung typischen Probleme der mangelnden Koordination zwischen sektoralen und innovationsrelevanten Politikzielen. Das zentrale Merkmal der für die USA diskutierten Maßnahmen der öffentlichen Beschaffung ist die Koordination unterschiedlicher Institutionen. Das FEMP (Federal Energy Management Program) des Büros für Energieeffizienz und erneuerbare Energien im Energieministerium beispielsweise hat die Aufgabe, die Anschaffung energieeffizienter Technologien in staatlichen Behörden zu fördern und damit zu mehr Energieeffizienz beizutragen. Wesentliches Erfolgskriterium ist, dass es von der politischen Führung im Weißen Haus über vielfache Verordnungen sowie durch eine interministerielle Task Force gestützt wird. Hinzu kommt die gezielte Einbeziehung von anderen staatlichen Initiativen (Labels, Standards), ein Anreizsystem für die Anschaffung energieeffizienter Technologien sowie die Mobilisierung auch der privaten Nachfrage. Die Investitionen in ein neues Mautsystem in mehreren US-Bundesstaaten (EZ-Pass) sind ein erfolgreiches Beispiel dafür, dass über eine enge Zusammenarbeit einzelner Bundesstaaten im Nordosten der USA die Beschaffung einer systemaren Innovation auf eine breite Basis gestellt wurde. Dies hatte Mengeneffekte bei den Herstellern und Dienstleistern sowie Synergieeffekte bei den Nutzern zur Folge. Diese wurden durch ein abgestimmtes Marketing und durch die Erweiterung der Anwendungen noch verstärkt. Die anfänglich hohen Investitionskosten wurden so sehr schnell amortisiert. Ein Programm zur Installation von Photovoltaik-Anlagen auf öffentlichen und privaten Gebäuden verbindet eine bewusste Beschaffungsstrategie von neuen Technologien u.a. mit einer Qualitätsverbesserung der damit verbundenen Dienstleistung (Installation, Wartung) und einer Steigerung der Nachfrage nach lokalen Dienstleistern. Der ökonomische Nutzen der erhöhten Nachfrage auf der Anbieterseite verbleibt so zumindest teilweise in der Region, die das Programm finanziert. Auch das Beispiel des Manufacturing Extension Program (MEP), das über individuelle staatliche Beratungsleistungen maßgeblich zur Diffusion von neuen Technologien in kleinen und mittleren Unternehmen beiträgt, zeigt die Potenziale, die in der Koordination der verschiedenen Politikebenen und verschiedener Typen von Institutionen liegen. Die Vorteile eines großen zentralen Programms zur Diffusion von Technologien werden hier kombiniert mit spezifischen, den örtlichen Gegebenheiten angepassten Strategien. Die Diskussion des Handels mit Emissionsrechten zeigt, dass marktschaffende Regulationen offensichtlich ein hohes Potenzial für die Förderung der Nachfrage nach energieeffizienten Technologien haben. Insbesondere die dynamische Komponente des Handels – Reduzierung der Gesamtmengen an Emissionen – wirkt augenscheinlich förderlich. Die regulativen Maßnahmen zur Reduzierung von Fahrzeugemissionen in einigen Bundesstaaten (insbesondere Kalifornien) schließlich verbinden sehr fordernde regulative Vorgaben mit einer Reihe von positiven Anreizen für die Nachfrager (Nutzung von Fahrspuren, freies Parken, Nachfragesubventionen). Die USA sind gerade im Bereich der Regulation offensichtlich Vorreiter in Bezug auf die Freisetzung innovativer Potenziale, und weitere vertiefende Analysen wären sicherlich auch für die deutsche Situation lehrreich. DeutschlandIn Deutschland gibt es, wie in den meisten betrachteten Ländern, keine explizite Nachfrageorientierung in der Innovationspolitik. Weder die staatliche Beschaffung noch die Förderung der privaten Nachfrage sind in innovationspolitische Strategien integriert. Es gibt zwar Aktivitäten im Bereich der Beschaffung von nachhaltigen Technologien und Produkten bzw. im Bereich der Verteidigung sowie neuere Ansätze, über die Mobilisierung von staatlichen Beschaffern stärker Innovation in die staatliche Beschaffung zu bringen. Diese wurden in die so genannte High-Tech-Strategie der Bundesregierung im Herbst 2006 und damit nach Redaktionsschluss dieses Berichts aufgenommen (BMBF 2006). Dort finden sich auch erste Ansätze, das Potenzial von Lead Markets zu bestimmen und so Forschung stärker auf das Marktpotenzial auszurichten. Zur Ausgestaltung oder gar Umsetzung dieser Vorhaben kann hier no ch keine Aussage getroffen werden. Zur innovationsinduzierenden Be schaffung hat das BMWI im Frühjahr 2006 (Jäkel/Blind 2006) eine Broschüre herausgegeben, um Bewußtsein bei Entscheidungsträgern und Beschaffern zu bilden. Auch über die Umsetzung der dort dargelegten Prinzipien kann noch keine Aussage gemacht werden. Eine abgestimmte Strategie, die über die Bundesministerien und deren sektorale Politik staatliche Beschaffung für Innovationen mobilisiert, gibt es jedoch nicht. Trotzdem finden sich in einigen sektoralen Politikfeldern umfassende Maßnahmen, um die Nachfrage nach Innovationen zu erhöhen. Diese Maßnahmen konzentrieren sich zum einen auf finanzielle Anreize im Bereich der energieeffizienten Technologien bzw. regenerativen Energien und zum anderen auf Maßnahmen des Werbens, der Bewusstseinsbildung oder Aus- und Weiterbildung im Bereich der IuK-Technologien. Die Vielfalt an Maßnahmen im Energiebereich ist im internationalen Vergleich beachtlich. Diese zielen, im Unterschied z. B. zu Maßnahmen in Schweden oder den USA, nahezu ausschließlich auf die private Nachfrage, sowohl von Firmen als auch von Haushalten. Die Innovationseffekte dieser Maßnahmen sind nicht systematisch erfasst. Sie wirken in aller Regel auf die Diffusion von innovativen Technologien und tragen damit zur Schaffung von Märkten bei. In einigen Bereichen, wie etwa Photovoltaik oder Gebäudetechnologien im Bereich der Niedrigenergie- oder Passivhäuser, gelten die Maßnahmen auch im internationalen Vergleich als beispielhaft. Zudem gibt es Anzeichen, dass die allgemeine Verbraucherpolitik in Zukunft stärker auch zur Mobilisierung für Innovationen genutzt werden könnte. Ein historisches Beispiel aus Deutschland im Bereich industrieller Technologien ist in seinem Design und seiner Wirkung bemerkenswert. Die indirekt-spezifische Förderung von computergestützten Fertigungs- und Designprozessen in den 1980er und 1990er Jahren (CAD/CAM und CIM-Technologien) kombinierte finanzielle Anreize für die Anwender dieser Technologien mit Schulung und Beratung. Sie zielte auf KMU und hatte einen doppelten Innovationseffekt: Über die Nachfrage wurde die Diffusion dieser Technologien massiv gefördert, und über deren Anwendung wurden die Firmen in ihren eigenen Erstellungsprozessen innovativer. Das sehr umfassende finanzielle Ausmaß dieser Maßnahmen, das teilweise auch kritisiert wurde, muss diesem doppelten Effekt gegenübergestellt werden. Problematisch ist in jedem Fall, dass der Nachfrageeffekt der geförderten Technologien nicht per se auf das Inland beschränkt werden kann. Dies ist aber ein generelles Problem von Nachfragemaßnahmen. Allerdings gilt in jedem Fall, dass die erhöhte Nachfrage nach innovativen Technologien auch auf dem inländischen Markt für Innovationsdynamik sorgt. In Deutschland gibt es schließlich einige Beispiele, in denen nachfrageorientierte und angebotsorientierte Maßnahmen zusammen gewirkt haben. Es handelt sich hier z. B. um die Windenergie, in der in einer frühen Phase substanzielle FuE-Programme aufgelegt wurden, die dann sukzessive von nachfrageorientierten Maßnahmen ergänzt bzw. abgelöst wurden. Im Bereich von Umwelttechnologien haben deutsche Regulationen auch im Verbund mit FuE-Maßnahmen stark auf die Nachfrage nach Umwelt- und Energietechnologien gewirkt. In beiden Bereichen entwickelte sich Deutschland zu einem der führenden Märkte. Diese Beispiele demonstrieren indirekt die Wirksamkeit einer Kombination von Maßnahmen. Solche Maßnahmenbündel gezielt für spezifische Technikbereiche einzusetzen ist die Herausforderung komplexer Ansätze. Eine aktuelle Initiative im Rahmen der Innovationsoffensive »Partner für Innovationen« versucht in diesem Sinn, an drei Beispieltechnologien die Bedingungen für Vorreiter-Märkte im Diskurs mit der Industrie zu definieren, die mögliche Rolle des Staates als Nachfrager, Förderer oder Regulator zu beleuchten und abgestimmte Maßnahmenbündel auf den Weg zu bringen. Nachfrageorientierung in ausgewählten TechnologiefeldernIn Ergänzung der Länderüberblicke, in denen die strategische Rolle der Nachfrage für die Innovationspolitik und ausgewählte Instrumente diskutiert wird, erfolgt in einem zweiten empirischen Teil des Berichtes eine Analyse der Bedeutung nachfrageorientierter Ansätze für einzelne Technologie- bzw. Politikbereiche. Dieser Überblick geht über die sechs ausgewählten Länder hinaus und erlaubt weitere technologie-spezifische Schlussfolgerungen in Bezug auf die Situation in Deutschland. Nachfrageorientierte Maßnahmen im EnergiebereichDie Nachfragepolitik im Energiebereich hat in den letzten 15 Jahren in Deutschland, aber auch in der Europäischen Union, bedeutende Energieeffizienz- und Innovationseffekte ausgelöst. Die Innovationseffekte sind besonders ausgeprägt bei den Technologien zur Nutzung der erneuerbaren Energien. Insgesamt gesehen sind die Auswirkungen auf die gesamte Volkswirtschaft vergleichsweise gering, aber die Industrien, die die Entwicklung neuer, energieeffizienter Technologien vorantreiben, entwickeln sich dynamischer als der Durchschnitt der Industrie. Es kann erwartet werden, dass sie in den nächsten 20 Jahren ihre Bedeutung in der Wirtschaft noch verstärken werden. Der gewählte Mix an Instrumenten in den einzelnen Ländern hängt stark vom Sektor sowie vom gesellschaftlichen Umfeld ab. Die Länderanalysen haben gezeigt, dass in Europa – auch aufgrund der Umsetzung von EU-Vorgaben – Regulationen eine bedeutende Rolle spielen. Die Anwendung anderer Instrumente – finanzielle Anreize, Bewusstseinsbildung, Beschaffungspolitik – erfolgt dagegen in den einzelnen europäischen Ländern sehr viel unterschiedlicher. Insbesondere der Einsatz von Beschaffungspolitik als innovationspolitisches Instrument ist systematisch nur wenig ausgeprägt. Deutschland ist – im internationalen Vergleich – durch eine starke Konzentration auf Regulationen und finanzielle Anreize gekennzeichnet, Bewusstseinsbildung und Beschaffung spielen eine untergeordnete Rolle. Für die Nachfragepolitik im Energiebereich kann man ableiten, dass erfolgreiche Ansätze in der Regel verschiedene Instrumente wie Regulation, finanzielle Anreize, Information und, in einigen Fällen, verbindliche Verpflichtungen kombinieren. In Schweden beispielsweise ist die Beschaffungspolitik nur dort erfolgreich, wo sie technologiespezifisch um weitere Maßnahmen ergänzt wird. Konsequent systemare verschiedene Maßnahmen kombinierende Ansätze sind nur selten vorzufinden. So wurden z. B. bei Kühlgeräten direkt nachfrageorientierte Energieetiketten mit indirekt wirkenden Mindeststandards kombiniert (allerdings mit so großem zeitlichem Abstand, dass sie kaum mehr Auswirkungen hatten). Zu den Positivbeispielen für einen systemaren Ansatz, der Nachfrage- und Angebotsinstrumente verbindet, zählt ohne Zweifel Großbritannien, das seit einigen Jahren die Chancen der Effizienzverbesserung durch konsequente und kontinuierliche Programme nutzt. Die wichtigsten Maßnahmen hierfür sind das Energy Efficiency Commitment (EEC), Untersuchungen zu den Innovationswirkungen und -chancen von Effizienztechnologien, das Herausstellen solcher Wirkungen auf oberster Ebene der Politik und die Formulierung umfassender Ziele bis zum Jahr 2050. Umfassende Strategien zur Etablierung von Vorreitermärkten als wichtige Wege der zukünftigen Nachfrageorientierung gibt es derzeit nur in einigen Ländern der EU (Deutschland: Photovoltaik, Dänemark: Wind). Die Umsetzung der Lissabonstrategie der EU durch »Lead Markets« bei nachhaltigen Energietechnologien wird zwar gefordert, aber auf nationaler Ebene noch zu wenig praktiziert, und von der EU daher zentral noch sehr heterogen vorangetrieben. Insgesamt gilt, dass im Bereich der Energieeffizienz enorme Innovationserfolge erzielt worden sind, dass aber eine weitere konsequente Ausrichtung von Anreiz- und Beschaffungsprogrammen auf den Innovationsgrad von Technologien noch großes Potenzial für Innovationen in der Zukunft birgt. Beispiel: Bewusstseinsbildung für die Diffusion der BrennstoffzelleDie Brennstoffzelle ist mit ihrer Leistungs- und Anwendungsbreite eine Querschnittstechnologie. Sie stellt auch deshalb eine Herausforderung dar, weil für die Systementwicklung unterschiedliche Wissens- und Technologiefelder integriert werden müssen. In allen betrachteten Ländern dominiert zurzeit die Förderung von Forschung und Entwicklung, allerdings zunehmend von Demonstrations- und Modellprojekten begleitet. Alle führenden Länder haben begonnen, durch die Unterstützung der Entwicklung von Standards und Normen, Test- und Zertifizierungskonzepten sowie Informationskampagnen und Schulungsangeboten den Markt für Brennstoffzellen vorzubereiten. In den USA und Japan existieren bereits ausdifferenzierte Roadmaps für den Übergang in eine Wasserstoffwirtschaft mit Brennstoffzellen, die angebots- und nachfrageorientierte Instrumente integrieren. Diese beiden Länder sind gute Beispiele dafür, wie man einen nationalen Aufbruch, der auch Elemente der Selbstverpflichtung enthält, organisieren kann. Noch ist es zu früh, um zu beurteilen, inwieweit die Pläne dann auch tatsächlich umgesetzt werden, aber offensichtlich herrscht eher Optimismus als Zweifel. Auch Kanada und Großbritannien gehen den Weg der nationalen Konsensbildung und »Verpflichtung« der relevanten Akteure, sind aber deutlich später gestartet. Die Erarbeitung eines nationalen Konsenses, z. B. in Form von gemeinsam zwischen Wirtschaft, Wissenschaft und Politik entwickelten Roadmaps, ist in Deutschland spät in Angriff genommen worden, doch wurde in jüngster Zeit verstärkt versucht, die zahlreichen Aktivitäten und Initiativen zu bündeln. Dies umfasst inzwischen auch die Beteiligung an den Initiativen auf europäischer (z. B. European Hydrogen and Fuel Cell Technologies Platform) und internationaler Ebene (International Partnership for Hydrogen Energy, IPHE). Die Bedeutung solcher Konsensbildungs- und Kommunikationsprozesse ist nicht zu überschätzen, weil sie privaten und öffentlichen Investitionsentscheidungen einen Orientierungsrahmen bieten und Unsicherheiten reduzieren. Zumindest konzeptionell sind einige Programme, die in anderen Ländern, wie z. B. USA, Kanada, Japan zurzeit diskutiert werden, jedoch merklich weiter entwickelt. Allerdings sollten diese Ansätze letztlich erst an ihrer Umsetzung gemessen werden, die derzeit noch bevorstehen. Beispiel: Stabilisierung der Nachfrage nach WindenergietechnologienAls ein Beispiel einer komplexen Maßnahme mit Wirkung auf den Innovationsdruck und die Marktdiffusion von Innovationen kann das Stromeinspeisungsgesetz (und ab 2000 das Erneuerbare Energien Gesetz, EEG) gelten. Der Grundgedanke besteht darin, Strom, der aus regenerativen Energiequellen gewonnen wird, über festgesetzte Einspeisungspreise wettbewerbsfähig zu machen. Im EEG wurden zur Verstetigung des Innovationsdrucks degressive Preise festgelegt. Die Erfolgsfaktoren dieses Ansatzes in Bezug auf die Entwicklung und Marktdiffusion von Windkraftanlagen lassen sich wie folgt zusammenfassen:
Im Vergleich zu den anderen Förderungen, insbesondere die Steuerminderungen, ist die Risikoreduzierung der garantierten Abnahme zu einem kalkulierbaren Preis offensichtlich. Länder mit den günstigeren natürlicheren Gegebenheiten, aber mit anderen Fördermaßnahmen (Steuervergünstigungen, Quoten, Zertifizierungen) als Deutschland, haben keinen vergleichbaren Schub bei der Installation oder Produktion von Windkraftanlagen erlebt. Dies erlaubt eine über das Beispiel hinaus weisende erste Schlussfolgerung für die nachfrageorientierten Ansätze: Regulationen, die das Risiko am Markt glaubhaft reduzieren, sind mitunter wirksamer als monetäre Anreize. Das EEG kann – hinsichtlich der Innovation und Diffusion von Windkraftanlagen – als Erfolg bezeichnet werden, insbesondere, wenn man die Marktentwicklungen in den Ländern betrachtet, die über andere Anreizmechanismen die Technologie gefördert haben. Dieser Erfolg der Regulation begründet sich auch durch die lange Zeit der politischen Mehrheitsfähigkeit des dahinter stehenden gesellschaftlichen Zieles. Eine zweite Schlussfolgerung lautet dementsprechend, dass dauerhafter Erfolg von regulativer Politik, die auf Nachfrage zielt, gesellschaftliche Akzeptanz voraussetzt. Zum Dritten zeigt das Beispiel, dass die Orientierung auf Marktdiffusion nur dann sinnvoll ist, wenn auf der Angebotsseite die technologischen Voraussetzungen gegeben sind. Dazu hat im Fall der Windenergie in Deutschland die Förderpolitik des Bundes beigetragen. Ohne diese Vorleistungen hätte die Marktdiffusionspolitik wesentlich schwächer gewirkt, oder es hätten stärker ausländische Produzenten davon profitiert. Allerdings liegt hier aktuell auch ein Problem: Eine weitere dynamische Entwicklung, insbesondere im Off-shore-Bereich, stößt zunehmend auf technologische Engpässe, und damit reduziert sich auch die Wirkung des Innovationshebels der augenblicklichen Politik. Die Degression des Einspeisungspreises wird auf Dauer nur dann Erfolg haben, wenn das Angebot innovativer Technologien Schritt hält. Das heißt, dass die Marktbearbeitung wieder mit verstärkten FuE-Bemühungen bei den Anbietern einhergehen sollte. Ansätze in der BiotechnologieIm Bereich der Biotechnologie gibt es insgesamt bisher erst wenige Ansätze einer nachfrageorientierten Innovationspolitik in Europa. Dies könnte mit dem noch relativ frühen Entwicklungsstadium der Biotechnologie zusammenhängen, in dem die Schwerpunkte der Innovationspolitik eher auf der Angebotsseite, also auf der Entwicklung einer Wissensbasis für die Biotechnologie und deren Transfer in Umsetzungen, liegen. Den existierenden Instrumenten lassen sich drei Typen nachfrageorientierter Politiken zuordnen: Unterstützung der privaten Nachfrage, Bewusstseinsbildung und Regulation. Als ein erfolgreiches Instrument zur Unterstützung der Nachfrage nach Biotechnologie kann das BIO-WISE-Programm in Großbritannien gelten. Mit Hilfe dieses Ansatzes soll die Adoption der Biotechnologie in industrielle Produktionsverfahren unterstützt werden. Das Programm umfasst eine breite Palette an Instrumenten zur Förderung dieses Prozesses. Eine Lehre aus diesem Programm ist, dass eine Kombination von direkten Projektförderinstrumenten mit Informationsmaßnahmen – inklusive Demonstrationsprojekte – zur Erhöhung des Bewusstseins für die Potenziale der Biotechnologie in etablierten Prozessen entscheidend für den Erfolg ist. Demgegenüber sind allgemein bewusstseinsbildende Maßnahmen bislang noch wenig zum gezielten Aufbau der Nachfrage nach Produkten und Technologien genutzt worden. Es scheint, dass eine nicht speziell auf ein konkretes Produkt oder eine konkrete Technologie bezogene Bewusstseinsbildung zwar aufklärerischen Effekt hat, nicht aber unmittelbar die Akzeptanz und Nachfrage nach Biotechnologie erhöht. Regulatorische Ansätze in der Biotechnologie erstrecken sich praktisch ausschließlich auf Anwendungen der Biotechnologie im Pharmasektor und setzen an zwei marktnahen Stellschrauben des Innovationsprozesses an: am Zulassungsprozess und am »return on investment« für Medikamente. Der so genannte Orphan-Drug-Status bedeutet eine ausgeweitete Marktexklusivität und damit besseren Schutz vor Konkurrenzprodukten, also letztendlich einen höheren »return on investment«. Die Orphan-Drug-Verordnung ist ein europäisches Instrument und deshalb auch für deutsche Arzneimittelhersteller zugänglich. Auch der individuelle Zugang zu Arzneimitteln, die noch keine endgültige Marktzulassung besitzen, ist europaweit im Rahmen der »compassionate-use«-Regelung möglich. Die französische ATU-Regelung geht darüber jedoch hinaus, indem sie Arzneimittel ohne endgültige Zulassung ganzen Gruppen von Patienten zugänglich macht. Sie erleichtert die Innovationen für besonders ernste Krankheiten unter zunächst reduzierten Anforderungen und ermöglicht so die Befriedigung ganz spezifischer Bedürfnisse. Damit ist sie auch unter dem Gesichtspunkt der Übertragbarkeit auf Deutschland interessant. Letztlich zeigt die vergleichende Analyse der verschiedenen Ansätze, dass eine gezielte Verknüpfung von passenden Regulationen, konkreten Unterstützungen und Informationen angebracht ist, um im sensiblen und komplexen Feld der Biotechnologie die Nachfrage nach innovativen Produkten zu erhöhen. Ansätze im Bereich der Informations- und KommunikationstechnologienIm Bereich der IuK-Technologien zeigt sich, dass das Bewusstsein für die Notwendigkeit von nachfrageorientierten Politikmaßnahmen in den vergangenen fünf bis zehn Jahren stark zugenommen hat. Als Reaktion auf den Aktionsplan der EU »Europe – An Information Society for All« haben viele europäische Länder Maßnahmen ergriffen, die die Verbreitung von Informations- und Kommunikationstechnik (IuK), d. h. die Nachfrage nach entsprechenden Produkten und Dienstleistungen, erhöhen sollten. Diese nachfrageseitigen Maßnahmen wurden im Laufe der Zeit schrittweise in das traditionelle (angebotsseitige) Portfolio der Forschungs- bzw.Innovationspolitik integriert. Insbesondere bei den großen nationalen Aktionsplänen findet man heute sowohl angebots- als auch nachfrageseitige Instrumente, die miteinander verschränkt sind – allerdings immer noch mit einem erheblichen Übergewicht der traditionellen Förderinstrumente. Ziel dieser Verschränkung ist es, gleichzeitig die Entwicklung innovativer Technologien, Produkte und Dienstleistungen zu fördern sowie deren Nutzung durch breite Bevölkerungsgruppen anzuregen. Auch wenn das Spektrum der möglichen Instrumente breit ist, konzentrieren sich die meisten europäischen Staaten auf die Förderung offener Standards und Open Source Software, häufig im Zusammenhang mit ihren E-Government-Aktivitäten, die Stärkung der privaten Nachfrage nach IuK-Produkten und -Dienstleistungen durch Infrastrukturmaßnahmen (Breitband, Digitaler Rundfunk) und Informationsangebote sowie die Aus- und Weiterbildung als Voraussetzung für eine stärkere Nutzung innovativer Technologien. Da die wenigsten nachfrageorientierten Maßnahmen die Stärkung der Innovationsfähigkeit zum zentralen Ziel hatten, ist es kaum möglich, deren innovationsfördernde Wirkung zu bewerten. Man gewinnt allerdings den Eindruck, dass eine solche Wirkung eher indirekter Natur ist: Dadurch, dass die Verbreitung und Nutzung innovativer IuK-Technologien gestärkt wird, gelingt es den Herstellern zunehmend, die damit verbundenen Netzwerkeffekte auch monetär zu realisieren, und sie sind deshalb tendenziell eher bereit, forschend und entwickelnd tätig zu werden. Innerhalb Europas liegt Deutschland bei den nachfrageorientierten Politikmaßnahmen im oberen Mittelfeld. Führend sind die skandinavischen Länder mit ihrer mehr als 15jährigen Tradition bei der systematischen Förderung der IuK-Nutzung seit der Liberalisierung der Telekommunikationsmärkte. Insgesamt besteht der Eindruck, dass in Deutschland – auch als Ergebnis der föderalen Struktur – die Verknüpfung angebots- und nachfrageorientierter Instrumente noch nicht so weit gediehen ist wie beispielsweise in den Niederlanden, deren Politikmaßnahmen stark auf die Einbeziehung aller sozialen Gruppen bzw. Institutionen ausgerichtet sind. RegulationenDie Bestandsaufnahme zeigt, wie vielfältig Regulationen auf die Nachfrage nach Innovationen wirken können. Direkt bei der Nachfrage setzen all jene Regulationen an, die das Verhältnis von Anbietern und Nachfragern betreffen. Sie beeinflussen das Bewusstsein und die Akzeptanz bei den Nachfragern. Innovationsfreundlich regulieren bedeutet hier also, den Nachfragern Sicherheit, Information, Vertrauen in neue Produkte und deren Anwendung zu geben. Eher indirekte Wirkung haben solche Regulationen, die bei den Produktionsfaktoren bzw. externen Faktoren Umwelt oder Beschäftigte ansetzen. Nachfrage nach Innovationen wird hier dadurch erhöht, dass zur Einhaltung von Standards und Vorschriften neue Technologien oder Prozesse eingeführt werden (müssen). Die Bedeutung von Regulierungen für Innovationen und insbesondere die Nachfrage nach Innovationen ist bislang völlig unterbelichtet. In der Regel werden Regulationen auf ihre innovationshinderliche Wirkung hin beleuchtet und dafür auch häufig kritisiert. In neueren Ansätzen des Regulatory Impact Assessment, das in der Europäischen Union für Regulationen gilt, wird versucht, auch die ökonomischen Wirkungen von Regulationen schon vor deren Verabschiedung abzuschätzen, um Regulationen möglichst so auszugestalten, dass sie wenig negative oder möglichst positive Wirkungen auf die Wettbewerbsfähigkeit der Industrie haben. Es scheint jedoch, dass der Effekt auf die Nachfrage nach Innovation über Endkunden oder Produzenten dabei vernachlässigt wird. Es wäre deshalb wünschenswert, dass Politik und Verwaltungen in Zukunft auf europäischer, aber in der Umsetzung auch auf nationaler Ebene, die Chancen, über Regulationen indirekt auch zu einer spezifischen Nachfrage nach Innovationen beizutragen, wesentlich stärker in ihre Überlegungen mit einbeziehen. Beispiel: Märkte für Emissionen und ihre Wirkung auf die Nachfrage nach neuen TechnologienEmissionshandel ist eine – relativ neue – Form der Regulation, die über die Allokation von Verschmutzungsrechten die Marktlogik dazu nutzt, Umweltziele möglichst kostengünstig zu erreichen. Diese regulative Innovation bewirkt je nach nationaler Ausgestaltung nicht nur unterschiedliche verteilungspolitische Ergebnisse, sondern auch Unterschiede in Bezug auf die Wahrscheinlichkeit, mit der in neue, energiesparende Technologien investiert wird. Eine erste, notwendigerweise qualitative und zum Teil noch spekulative Reflexion der Innovationswirkungen des Emissionshandels zeigt, inwiefern die Ausgestaltungsregelungen Auswirkungen auf die Nachfrage nach innovativen Technologien, insbesondere nach produktionsbezogenen Innovationen, haben können. Defizite in Bezug auf die Innovationswirkungen sind weniger dem Instrument Emissionshandel an sich anzulasten, als vielmehr der konkreten Ausgestaltung. Betrachtet man die Ausgestaltungsregelungen der verschiedenen Nationalen Allokationspläne (NAP), zeigt sich, dass einige – nicht alle – Regelungen des deutschen NAP im internationalen Vergleich zu den innovationsfreundlicheren zählen. Diese positive Einschätzung basiert vor allem auf der Übertragungsregelung von Altanlagen auf Ersatzanlagen, frühzeitigen Informationen über zukünftige Zuteilungen für neue Marktteilnehmer sowie den Benchmarkregelungen für homogene Produktgruppen in einigen Industriesektoren. Aufgrund der relativ großzügigen Zuteilung von Rechten innerhalb der EU sowie dem (fast) EU-weiten Verbot, überschüssige Emissionsrechte von der ersten Periode in die zweite Periode übertragen zu dürfen, ist in der ersten Phase des EU-Emissionshandelssystems nur mit geringen preis- und kosteninduzierten Innovationsanreizen zu rechnen. Durch eine EU-weit striktere Zuteilung in der Folgephase ab 2008 ließen sich diese Anreize erhöhen. Andere Ausgestaltungsregelungen haben sich darüber hinaus als kritisch herauskristallisiert und sollten daher in Zukunft auch im Hinblick auf ihre Innovationswirkung bei der Erstellung zukünftiger Nationaler Allokationspläne – der nächste Plan ist bereits Mitte 2006 der EU-Kommission vorzulegen – überdacht werden. Der Bericht gibt hierzu einige konkrete Anregungen, wie etwa die Erhöhung des Anteils von Zertifikaten, die über Auktionen gehandelt werden, die sanktionsfreie Stilllegung von Altanlagen oder – am wichtigsten – eine dauerhafte Festlegung der geltenden Regeln. Die Ausgestaltung des Emissionshandels in den EU-Mitgliedsstaaten verdeutlicht auch im Hinblick auf die Innovationswirkungen die Kluft zwischen Theorie und Praxis. Die konkreten Ausgestaltungsregelungen sind nicht zuletzt Ergebnis politischer Verhandlungsprozesse und Kompromisse, wobei in einigen Fällen (z. B. Stilllegungs- und Neuemittentenregelungen) durchaus ein Spannungsfeld zwischen Effizienz- und Innovationszielen auf der einen Seite sowie Verteilungszielen auf der anderen Seite existiert. Die erzielten Regelungen in den einzelnen Mitgliedsstaaten bedürfen nun einer empirischen Analyse, um die gewonnenen Erkenntnisse zur Ausgestaltung zukünftiger Zuteilungsregelungen nutzen zu können. Innovationsaspekte sollten bei dieser Evaluierung ein wichtiges Kriterium sein. Letztendlich wird es auch vom Erfolg oder Misserfolg des EU-Emissionshandelssystems für CO2 abhängen, inwiefern dieses Instrument in anderen Umweltbereichen Anwendung finden könnte. Beispiel: Functional FoodDer Lebensmittelbereich ist ein Beispiel dafür, dass in vielen Innovationsfeldern die politischen und rechtlichen Rahmenbedingungen in der EU oftmals nicht Schritt halten mit den Entwicklungen in Wissenschaft und Technik einerseits und der Nachfrageseite andererseits. Insbesondere bei international abzustimmenden Regelungen führt dies zu deutlichen Verzögerungen mit einer Phase erheblicher rechtlicher Unsicherheit, die sich hemmend auf Innovationsaktivitäten auswirkt. Dies gilt nicht nur in Feldern, in denen Akzeptanzvorbehalte bei Konsumenten oder Nutzern einer Technik bestehen (wie z. B. der Gentechnik oder der Lebensmittelbestrahlung), sondern auch in Segmenten, in denen die Verbraucher den neuen Produkten eher positiv gegenüberstehen (wie z. B. bei Functional Food). Hier besteht deutlicher Handlungsbedarf für eine Klärung, Harmonisierung und Präzisierung der rechtlichen Regelungen in den kommenden Jahren. Insbesondere in stark interdisziplinär ausgerichteten Innovationsfeldern der Lebensmittelindustrie (wie z. B. Functional Food) wirken zudem die institutionellen Rahmenbedingungen und administrativen Zuständigkeiten hemmend auf Innovationsaktivitäten, da oftmals unterschiedliche Behörden mit verschiedenartigen Entscheidungskriterien und prozeduralen Abläufen für die Implementierung, Administration und Kontrolle der bestehenden Regelungen zuständig sind. Deshalb erfordern wissenschaftlich-technische Innovationen auch organisatorische Neuerungen. Zumindest bei den Behörden, die für die Lebensmittelindustrie in Deutschland zuständig sind, erfolgen diese oftmals erst mit deutlicher Verzögerung. Deshalb sollte zukünftig ein flexibler Rahmen dafür geschaffen werden, dass rechtliche Regelungen in sich neu eröffnenden Feldern unter stärkerer Partizipation von (frühen) Innovatoren formuliert werden. Trotz einer steigenden Bedeutung internationaler Verflechtungen und Regelungen bleiben die jeweiligen nationalen Rahmenbedingungen eine zentrale Einflussgröße für Innovationsaktivitäten der Lebensmittelindustrie. Daran dürfte sich in den kommenden Jahren auch nur graduell etwas ändern, da insbesondere die Konsumentenansprüche und Verzehrgewohnheiten bei Lebensmitteln stark durch die soziokulturellen Gegebenheiten in den einzelnen EU-Mitgliedsstaaten geprägt sind und sich nur sehr langsam annähern. Daneben sind auch die Wissensbasis der Lebensmittelindustrie, die Finanzierung von FuE-Aktivitäten, das Kooperationsverhalten sowie teilweise die rechtlichen Rahmenbedingungen (insbesondere die Umsetzung bestehender Regelungen) stark national geprägt. FazitGenerelle PrinzipienDie zentrale Schlussfolgerung dieser Studie lautet, dass neben der Förderung von Forschung und Entwicklung (Angebot) zukunftsorientierte Innovationspolitik stärker auch die Potenziale identifizieren und ausschöpfen sollte, die in der Nachfrage nach Innovationen liegen. Für die Weiterentwicklung nachfrageorientierter Politik gibt es zwei Ansatzpunkte: die Effizienzsteigerung bei staatlichen Leistungen und die gesellschaftlichen Bedürfnisse der Zukunft. Um die Potenziale nachfrageorientierter Innovationspolitik zu realisieren, sollte die Verbindung zwischen innovationspolitischen Zielen einerseits und konkreten Bedürfnissen und damit sektoralen Politikzielen andererseits – wie etwa Nachhaltigkeit, Sicherheit, Gesundheitsvorsorge – hergestellt werden. Dazu bedarf es einer Bewusstseinsbildung in der Politik selbst, über Ressortgrenzen hinweg, hinsichtlich der Möglichkeiten, gesellschaftliche Bedürfnisse mittels vermehrter Nachfrage nach innovativen Gütern, Technologien und Dienstleistungen zu befriedigen. Die Verbindung von sektoralen Zielen und Innovationszielen ist jedoch an wichtige Voraussetzungen gebunden. Insbesondere müssen die Ziele breit akzeptiert sein, und potenzielle Zielkonflikte zwischen Innovationswirkung und sektoralem Ziel müssen in Betracht gezogen werden. Eine innovationsorientierte Strategie sollte zudem die gesamte Bandbreite der in diesem Bereich diskutierten Maßnahmen im Blick haben und dabei gezielt die den jeweiligen Technologien, Produkten oder Dienstleistungen angepasste Kombination von Maßnahmen anstreben. In diesem Sinne könnte in Deutschland ein inter-ministeriell abgestimmter Prozess angestoßen werden. Die Prozessführerschaft sollte bei der Innovationskompetenz liegen, beim BMWA und/oder dem BMBF. Je nach Gegenstand sollten solche Abstimmungen auch geöffnet werden für weitere staatliche Ebenen und private Industrievertreter. Inhaltlich sollte ein solcher Prozess folgende Elemente haben:
In Bezug auf die staatliche Beschaffung können folgende spezifische Kriterien abgeleitet werden:
Finanzielle Maßnahmen zur Stimulierung der privaten Nachfrage – insbesondere im Bereich der Nachhaltigkeit – sollten so eingesetzt werden, dass die Innovationswirkung möglichst maximiert wird. Das heißt insbesondere, dass die finanzielle Zuwendung flexibel und auf den Anfang der jeweiligen Diffusionszyklen konzentriert sein sollte, eine zu frühe Förderung der Nachfrage in der Breite, – wenn etwa die Technologie noch erhebliche Reifedefizite hat – ist zu vermeiden. Es sollte ferner geprüft werden, inwiefern gezielte Programme zur industriellen Modernisierung insbesondere von KMU über Beratung und Ko-Finanzierung der Investitionen einen doppelten Innovationsschub bei Herstellern und Anwendern von industriellen Technologien und Dienstleistungen auslösen könnten. Denkbar wäre etwa, die produktionstechnische Nutzung der Biotechnologie über solche Maßnahmen, in Verbindung mit Maßnahmen zur Bewusstseinsbildung, weiter zu stärken. Für die bewusstseinsbildenden Maßnahmen gilt generell, dass sie richtig kombiniert und dosiert werden müssen, d. h. sie müssen den einzelnen Sachbereichen gerecht werden und sehr genau auf die Möglichkeiten und Fähigkeiten der potenziellen Nachfrager abgestimmt werden. Alle Regulationen, die auf die Entscheidung von potenziellen Konsumenten Einfluss haben (z. B. Kennzeichnungspflichten), sollten auf ihre Innovationseffekte hin geprüft werden. Dies gilt insbesondere für die Umsetzungen europäischer Regulationen in deutsches Recht. In diesem Sinn könnten bei der nationalen Ausgestaltung des Emissionshandels u.a. Maßnahmen ins Auge gefasst werden, wie die Erhöhung von Auktionsanteilen (besserer Zugang von neuen Marktteilnehmern, Gleichbehandlung von Alt- und Neuanlagen), die Stilllegung von Anlagen ohne Entzug der Emissionsrechte sowie eine verlässlichere und längerfristige Festlegung der Regeln (Planungssicherheit für Investoren). Bezüglich der Regulation im Bereich Functional Food wären der rechtliche Status und die Standardisierung zu klären, auf eine EU-weite Regelung zu gesundheitsbezogenen Aussagen (Health Claims) hinzuwirken und zur Überbrückung freiwillige Selbstverpflichtungen für die Anwendung gesundheitsbezogener Aussagen einzuführen. Ergänzend sollte schließlich die Kommunikation mit den Verbrauchern verbessert werden, da mangelndes Wissen und geringes Vertrauen wesentliche Hindernisse für die Akzeptanz von Functional Food sind. Um die Nachfrage nach Innovationen dauerhaft zu steigern, sollten in systemaren Ansätzen solche Kombinationen von Maßnahmen gewählt werden, die alle entscheidenden Engpässe (Kosten, Wissen, Kenntnisse) ansprechen. Die Entwicklung von Vorreiter-Märkten politisch zu induzieren, ist sehr voraussetzungsreich. Erforderlich ist deshalb eine gezielte und mit allen relevanten Akteuren abgestimmte Strategie, basierend auf sehr soliden Kenntnissen von Produzenten, heimischer Nachfrage und ausländischen Marktbedingungen und Bedürfnissen. Die im Fallbeispiel Deutschland angesprochene Initiative des Impulskreises »Nachfragefaktor Staat« geht hier in die richtige Richtung. Sie sollte in ausgewählten Pilotbeispielen konsequent fortgesetzt werden, was auch eine systematische Analyse der Exportfähigkeit der gewählten Technologien einschließt. Maßnahmen in ausgewählten SachbereichenErgänzend zu den zuvor zur Diskussion gestellten Schlussfolgerungen sollen im Folgenden einige ausgewählte Optionen zur Gestaltung von spezifischen Sachbereichen vorgestellt werden. Im Bereich Energieeffizienz sollten systemare Ansätze, welche Forschungsförderung und Nachfragestimulierung miteinander verbinden, ausgeweitet werden. Da Deutschland eine gute Ausgangsposition bei Umwelttechnologien hat, könnten Pilotvorhaben für Vorreitermärkte auch in diesem Bereich durchgeführt werden. Hierfür – wie für die Nachfragestimulierung allgemein – sollte die staatliche Beschaffung noch stärker und vor allem gezielt auf energieeffiziente Technologien ausgerichtet werden. Die Umsetzung der von der Bundesregierung zu Beginn der letzten Legislaturperiode vorgeschlagenen, aber bisher nicht eingelösten CO2-Einsparungsverpflichtung für öffentliche Gebäude des Bundes könnte hierfür eine Grundlage bilden. Um die Chancen auf internationalen Märkten für deutsche Innovationen im Energiebereich stärker zu nutzen, müsste noch stärker versucht werden, auf internationalen Märkten Fuß zu fassen. Eine mögliche staatliche Maßnahme wäre eine weitere Intensivierung der Marketingmaßnahmen »Standort Deutschland für nachhaltige Energietechnologien«, die bereits mit der Exportinitiative für Erneuerbare Energien (in Verantwortung der Deutschen Energieagentur) in die Wege geleitet wurden. Im Bereich der Windenergie haben nachfrageorientierte Maßnahmen sehr erfolgreich zur Etablierung eines Marktes beigetragen. Hier sollten ergänzend angebotsorientierte Maßnahme-Förderprogramme zur Entwicklung von effizienteren Technologien eingesetzt werden. Für eine Marktdiffusion der Brennstoffzelle sollten sich staatliche Maßnahmen auf klar definierte Nischenmärkte – wie spezielle Wärme- und Stromversorgung (z. B. LKW, Notstrom, Sendeanlagen), portable Anwendungen (z. B. Laptops für Sanitätsdienste) oder Spezialfahrzeuge (z.B. Gabelstapler) – konzentrieren, damit die Markteinführungshorizonte nicht zu weit in die Zukunft verschoben werden. Unterstützend sollte auch hier die staatliche Nachfrage mobilisiert werden, um insbesondere klare Signale an den privaten Markt zu senden. Schließlich sollten in Deutschland, wie in anderen Ländern auch, Prozesse der Information und Kommunikation organisiert werden, die die vielfältigen Nutzer mit ihren unterschiedlichen Bedarfen produktiv einbinden. Der Biotechnologie könnten – angesichts offenkundiger Defizite – koordinierte Informations- und Demonstrationskampagnen, insbesondere im industriellen Anwendungsbereich, einen Schub geben. Des Weiteren könnte geprüft werden, inwiefern Regulationen zur schnelleren Markteinführung von neuen Medikamenten genutzt oder geschaffen werden könnten, wie dies beispielsweise in Frankreich geschehen ist. Im Bereich der Informations- und Kommunikationstechnologien besteht ein gegenläufiges Problem: Hier gibt es sehr viele unterschiedliche Maßnahmen, und es gibt Anzeichen dafür, dass eine bessere Koordination dieser Maßnahmen effizienter und effektiver zur Nachfrage nach innovativen Produkten und Dienstleistungen führen könnte. |